Interview mit Dorothea Flechsig

Interview mit Dorothea Flechsig

Dorothea Flechsig, Autorin und Verlegerin des Glückschuh Verlags hat der Buchhexe einige Fragen beantwortet, u.a. die nach den größten Herausforderungen mit einem eigenen Verlag und wie sie auf die Idee zu den Sandor-Fledermausbüchern kam.

Als gro­ße Fans des klei­nen Vam­pirs von Ange­la Som­mer-Boden­burg sind wir auch Freun­de von Fle­der­mäu­sen in Kin­der­bü­chern. So ver­wun­dert es nicht, dass uns eines Tages „San­dor – Fle­der­maus mit Köpf­chen“ von Doro­thea Flech­sig über den Weg flat­ter­te. Mitt­ler­wei­le gibt es drei Bän­de um die auf­ge­weck­te Fle­der­maus, die dem Jun­gen Jen­drik ein treu­er Freund ist. Doro­thea Flech­sig hat 2011 mit dem Glück­schuh Ver­lag einen eige­nen Ver­lag gegrün­det und damit nicht nur San­dor eine Hei­mat gege­ben. Grund genug, ein­mal genau­er bei ihr nach­zu­fra­gen.

Was nützt ein Kin­der­buch, das ein Erwach­se­ner toll fin­det, aber das Kind nicht anspricht?“

Buch­he­xe: Sie haben mit dem Glück­schuh Ver­lag einen eige­nen Ver­lag gegrün­det. Was sind die größ­ten Her­aus­for­de­run­gen als Ver­le­ge­rin?

Doro­thea Flech­sig: Aus der Mas­se von Büchern her­vor­zu­ste­chen und auf­zu­fal­len. Bei Kin­der­bü­chern müs­sen dazu Wor­te und Bil­der den Leser neu­gie­rig machen, bei­des muss über­zeu­gen. Was nützt ein Kin­der­buch, das ein Erwach­se­ner toll fin­det, aber das Kind nicht anspricht? Eltern ent­schei­den meist, ob ein Buch gekauft wird oder nicht. Zuhau­se muss aber das Kind das Buch auch lesen wol­len. Als Kin­der­buch­ver­lag hat man es dop­pelt schwer. Das Buch muss min­des­tens zwei Gene­ra­tio­nen gefal­len.

Buch­he­xe: Eini­ge ihrer Bücher erschei­nen auch als Hör­buch­ver­si­on. Wie­so haben Sie sich dazu ent­schie­den?

Doro­thea Flech­sig: Ein gut gemach­tes Hör­buch ist Wort­kunst, genau­so wie ein gutes Buch. Men­schen erfah­ren mit unter­schied­li­chen Sin­nen die Welt. Ein visu­ell stark gepräg­tes Kind kann über eine gut vor­ge­tra­ge­ne Stim­me ande­re, eige­ne Fan­ta­sie­bil­der for­men. Kin­der beschäf­ti­gen sich gern mit einer spie­le­ri­schen Tätig­keit, malen, sor­tie­ren, etwas bau­en… dabei hören sie gern Geschich­ten zu. Mal mehr, mal weni­ger inten­siv. Aber trotz­dem ent­ste­hen Bil­der im Kopf und sie lau­schen der Spra­che. Das för­dert auch den Sprach­schatz und die Fan­ta­sie. Ich erin­ne­re mich noch genau an den Geruch des Fuß­bo­dens, zwei Jah­re lang hör­te ich immer, wenn ich zu Besuch bei mei­ner Cou­si­ne war, lie­gend auf dem Boden Ali Baba und die 40 Räu­ber. Das ist eine ganz inten­si­ve Kind­heits­er­in­ne­rung. Ich wün­sche mir, als Ver­le­ge­rin Kin­dern auch sol­che Erin­ne­run­gen zu schen­ken.

Buch­he­xe: Wie sind Sie zum Schrei­ben gekom­men?

Doro­thea Flech­sig: Ich habe es ein­fach schon immer gern getan. Es hat mir bereits in der Grund­schu­le Freu­de berei­tet.

Ich füh­le mich bei Kin­dern gut auf­ge­ho­ben.

Buch­he­xe: War­um schrei­ben Sie für Kin­der?

Doro­thea Flech­sig: Weil ich da am meis­ten zurück­be­kom­me. Das macht mich am glück­lichs­ten. Kin­der zei­gen alles unver­blümt: Neu­gier­de, Freu­de, Bewun­de­rung. Ich mag spon­ta­ne Reak­tio­nen. Ich füh­le mich bei Kin­dern gut auf­ge­ho­ben.

Buch­he­xe: Wie lan­ge dau­ert es von der ers­ten Idee zum fer­ti­gen Buch?

Doro­thea Flech­sig: Das ist ver­schie­den. Je nach­dem, was ich sonst noch ger­ne tue oder auch tun muss.

Buch­he­xe: Wo schrei­ben Sie und was sehen Sie, wenn Sie vom Schreib­tisch auf­schau­en?

Doro­thea Flech­sig: Ich schrei­be am Fens­ter mit dem Blick in unse­ren Gar­ten. Hin­ter dem Grund­stück beginnt der Wald. Ich sehe zur­zeit vie­le unter­schied­lich kräf­ti­ge Grün­tö­ne.

Die spre­chen­de Fle­der­maus San­dor gibt es selbst­ver­ständ­lich.

Buch­he­xe: Haben ihre Figu­ren auto­bio­gra­phi­sche Züge bzw. rea­le Vor­bil­der, oder sind sie der puren Fan­ta­sie ent­sprun­gen?

Doro­thea Flech­sig: Petro­nel­la ist teil­wei­se bio­gra­fisch. Ich habe eige­ne Kind­heits­er­leb­nis­se aus­ge­schmückt. Die spre­chen­de Fle­der­maus San­dor gibt es selbst­ver­ständ­lich. Gleich im ers­ten Moment, als ich ihn ken­nen­lern­te, wuss­te ich, dass ich über ihn schrei­ben muss.

Buch­he­xe: Wie kam Ihnen die Idee zu den San­dor-Büchern? Wie­so haben Sie sich für eine Fle­der­maus ent­schie­den?

Doro­thea Flech­sig: Ich dach­te immer, dass die Nacht die meis­ten Geheim­nis­se birgt. Fle­der­mäu­se ken­nen sich gut aus in der Dun­kel­heit, das macht die klei­nen Flat­ter­we­sen äußerst span­nend. San­dor behaup­tet aber, am Tag gebe es viel mehr Geheim­nis­se als in der Nacht.

Buch­he­xe: Im zwei­ten Band rei­sen Jen­drik und San­dor nach Sie­ben­bü­ren. Sind Sie auch dort gewe­sen oder stand die Hand­lung schon vor­her fest?

Doro­thea Flech­sig: Ich habe San­dors Geburts­ort Bacel zufäl­lig aus­ge­wählt. Nach­dem das ers­te Hör­buch erschie­nen war, bin ich mit mei­nem Mann nach Bacel gereist. Ich wur­de spä­ter auch vom Gene­ral­kon­su­lat gemein­sam mit dem Syn­chron­spre­cher Nico­las Böll zu einer Lese­rei­se nach Sie­ben­bür­gen ein­ge­la­den. Danach habe ich den zwei­ten Teil Aben­teu­er in Trans­sil­va­ni­en geschrie­ben.

Buch­he­xe: Bis­her sind zwei Bücher und Hör­bü­cher von San­dor erschie­nen, den drit­ten Teil gibt es bis­her nur als Hör­buch. Was erle­ben San­dor und Jen­drik, nach­dem sie aus ihrem Urlaub in Trans­sil­va­ni­en zurück­ge­kehrt sind?

Doro­thea Flech­sig: Jen­drik erfährt völ­lig unvor­be­rei­tet, dass er eine Halb­schwes­ter bekom­men hat. Er ist sich unsi­cher, wel­chen Platz er nun im Her­zen sei­nes Vaters hat, der in Nor­we­gen lebt. Der drit­te Teil dreht sich um das The­ma Ver­än­de­rung. Auch Jen­driks Klas­sen­leh­re­rin Frau Schmidt ist nicht mehr in der Schu­le. Dafür ein neu­er Leh­rer, der viel Leis­tung ein­for­dert. Auch sein Ver­hält­nis zum Klas­sen­ka­me­ra­den Fried­rich wird anders. San­dor hilft Jen­drik mit all die­sen Ver­än­de­run­gen umzu­ge­hen. Für Kin­der kön­nen neue Bezugs­per­so­nen, neue Leh­rer, neue Lebens­part­ner eines Eltern­teils oder neue Geschwis­ter­kin­der eine gro­ße Ver­un­si­che­rung bedeu­ten. Wel­ches Glück, wenn man immer einen treu­en Freund zur Sei­te hat, der all die­se Zei­ten mit durch­lebt.

Es gibt außer­ge­wöhn­li­che Per­sön­lich­kei­ten, die zu Papier kom­men wol­len.

Buch­he­xe: Es gibt neben San­dor auch Petro­nel­la Glück­schuh und das Cha­mä­le­on Chacha-Casha. Haben Sie wei­te­re Figu­ren in Ihrem Kopf, die Sie zu Papier brin­gen wol­len, oder set­zen Sie eher dar­auf, mit den bereits bekann­ten Cha­rak­te­ren wei­ter­zu­ar­bei­ten?

Doro­thea Flech­sig: Es gibt außer­ge­wöhn­li­che Per­sön­lich­kei­ten, die zu Papier kom­men wol­len. In die­sem Jahr pro­du­zie­re ich aber im Glück­schuh Ver­lag nur Neu­es mit bereits bestehen­den Cha­rak­te­ren.

Gute Kin­der­bü­cher regen die Fan­ta­sie der Kin­der an.

Buch­he­xe: Was macht für Sie ein gutes Kin­der­buch aus? Was ist Ihnen beim Schrei­ben beson­ders wich­tig?

Doro­thea Flech­sig: Gute Kin­der­bü­cher regen die Fan­ta­sie der Kin­der an.

Buch­he­xe: Was machen Sie, wenn Sie nicht gera­de Schrei­ben? Was sind Ihre Hob­bys?

Doro­thea Flech­sig: Ich zie­he gera­de Hüh­ner­kü­ken groß. Ich habe sie geschenkt bekom­men, da waren sie zwei Tage alt. Jetzt sind sie acht Wochen. Ich arbei­te gern im Gar­ten, gehe gern auf Pad­del­tour und male sehr gern.

Buch­he­xe: Wofür wün­schen Sie sich mehr Zeit?

Doro­thea Flech­sig: Für Rei­sen.

Buch­he­xe: Was erwar­ten Sie sich noch von die­sem Jahr? Wor­an arbei­ten Sie zur Zeit?

Doro­thea Flech­sig: Im Moment arbei­te ich an einem neu­en Hör­spiel­stoff für eine ande­re Pro­duk­ti­ons­fir­ma. Im Zen­trum steht eine unge­wöhn­li­che erwach­se­ne Haupt­fi­gur. Es ist aber ein Hör­spiel für Kin­der. Mehr darf ich lei­der noch nicht ver­ra­ten.

Buch­he­xe: Wenn Sie mögen, kön­nen Sie unse­ren Geschich­ten­an­fang wei­ter­schrei­ben:

An einem son­nig­wei­chen Herbst­mor­gen öff­ne­te die Buch­he­xe die Tür ihres Hexen­hau­ses, die unter schau­er­li­chem Äch­zen den Blick frei­gab auf…

Doro­thea Flech­sig: …auf einen Bücher­wurm mit pur­pur­ro­tem sam­te­nen Man­tel und einem sma­ragd­grü­nen Tur­ban auf dem Haupt. Er blick­te ihr mit strah­len­den Augen ent­ge­gen und rief: „Hast du schon Petro­nel­la Glück­schuh gele­sen?“

Dorothea Flechsig

© Anne­mar­te Christ

Wir bedan­ken uns herz­lich bei Doro­thea Flech­sig für die Ein­bli­cke in ihre Arbeit und drü­cken die Dau­men, dass auch der drit­te San­dor-Band irgend­wann in Buch­form erschei­nen kann! Im Juni stel­len wir von ihr übri­gens den „Petro­nel­la Glück­schuh Kin­der­at­las – Deutsch­land – Umwelt – Tie­re“ vor.

Eine Antwort zu
Interview mit Dorothea Flechsig

  1. MonikaKindler

    5 von 5

    Ein sehr leben­di­ges, infor­ma­ti­ves Inter­vie ! In unse­rer Fami­lie haben wir die Erfah­rung gemacht, dass die Lese­be­geis­te­rung wirk­lich Gene­ra­tio­nen­über­grei­fend ist!