Zwölf Wasser (2) – In die Abgründe

Autoren
Verlag
Deutscher Taschenbuch Verlag (dtv)
Anspruch
5 von 5
Humor
4 von 5
Lesespaß
5 von 5
Schreibstil
5 von 5
Spannung
5 von 5

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Zusammenfassung zu “Zwölf Wasser (2) – In die Abgründe”

Die drei Welsen Felt, Marken und Kersted haben sich getrennt und begleiten jeweils eine Unda auf ihrer langen Reise zu den zwölf Quellen des Kontinents, bevor diese vollkommen verschwinden und die Menschlichkeit mit ihnen. Seit die Quellen beginnen zu versiegen, geschehen traurige, unbegreifliche Dinge auf dem Kontinent. Marken und Strommed treffen mit Smirn auf eine verlassene Stadt und eine Gruppe gefolterter toter Kwother. Von einem ihrer Pramschen  Begleiter erfahren sie, dass diese grausame Strafe Deserteuren droht. Sie ahnen, dass ein Krieg begonnen hat, und schon bald treffen sie auf die ersten bewaffneten Kwother und ihren Hauptmann, der die kleine Gruppe versucht dazu zu nötigen, mit ihnen in den Krieg zu ziehen.

Kersted und Utate unterdessen verlieren einen großen Teil ihrer Begleiter bei heftigen Erdstößen. Nur die Unda, die Welsen Kersted und Fander, der Koch Glaron und die junge segurische Gelehrte Nendsing überleben. Auf ihrer weiteren Reise erfahren sie von einem alten Soldaten, dass das Oberhaupt der Kwother in der Hauptstadt Jirdh Truppen sammelt, um in den Krieg zu ziehen. Doch was sie mindestens genauso beunruhigt, ist die Prophezeiung einer Szasla, eines Falken, über die Rückkehr der Asing, die als Dämon durch einen Menschen wieder in die Welt zurückkehren wird. In welcher Gestalt und wo sich der Dämon zeigen wird, darüber sind sich auch die Gelehrten uneins. Felt und die dritte Unda Reva, die gemeinsam mit Babu und der Szasla Juhut reisen, finden sich im Verlauf ihres Wegs von Angesicht zu Angesicht dem Dämon gegenüber…

Wichtige Charaktere

  • Felt
  • Kersted
  • Marken
  • Strommed
  • die Undae Reva, Smirn und Utate
  • Babu und der Falke Juhut
  • Nendsing
  • Estrid
  • Asing

Zitate

„Für Marken war das Morgengrauen ohnedies eine Zeit beängstigender Unruhe. Die Nacht kämpfte erbittert gegen ihr Erblassen, so schien es ihm, und die Schatten wurden so dicht, dass sie eine eigene Wirklichkeit hatten: Im Übergang zum Tag konnte es vorkommen, dass der Schatten eines Tages sich aus dem eben noch gleichmäßigen nächtlichen Dunkel des Fußbodens erhob und echter, greifbarer wurde als der Tisch selbst. Danach erst holte das Tageslicht das Möbelstück langsam aus dem Dämmer, gab ihm eine Form und eine Farbe, machte es sichtbar. Hier in den menschenleeren Straßen von Hal steigerte sich dieses Verwirrspiel ins Unerträgliche.“

„Felt schluckte. Eine Unda durfte hier sein. Mehr noch: Eine Unda – der Ewigkeit und Schönheit so viel näher als er oder babu – sollte hier sein. Reva gehörte hierher, er nicht. Mit einem Mal stellte Felt alles in Frage.
Wer war er denn, dass er glaubte, die Menschheit vor dem Untergang retten zu müssen? Gab es etwas, das noch eitler war? Und war es nicht angesichts solcher Schönheit und Erhabenheit sogar besser, die Menschen verschwänden vom Angesicht des Kontinents? Sie hatten doch hier nichts zu suchen, die Erde war besser dran ohne sie. Die Menschen verwandelten fruchtbares Land in Asche, saugten Erze aus dem Stein, damit sie Waffen fertigen und Unheil bringen könnten.“

Alle Bände der Reihe

1. Zu den Anfängen
2. In die Abgründe
3. Nach den Fluten

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Persönliche Bewertung

Fabelhafte Fortsetzung eines Debütromans

5 von 5

Mit etwa 550 Seiten ist auch dieser zweite Band der „Zwölf Wasser“-Trilogie recht umfangreich. Durch die drei Hauptstränge der Handlung wirkt die Geschichte nicht so lang, wie es die Seitenanzahl suggeriert. Der auktoriale Erzähler folgt abwechselnd den drei Welsen, kapitelweise jedoch auch Felts Frau Estrid und abschnittweise anderen Nebencharakteren. Dies bedeutet, dass es einiger Konzentration bedarf, den verschiedenen Verstrickungen zu folgen, es jedoch gleichzeitig die Spannung steigert, die drei Welsen mit den Hohen Frauen im Wechsel zu begleiten. Fast so wie verschiedene, auf einem Spielfeld vorrückende Gruppen, die sich möglicherweise im dritten Band wieder zum großen Finale treffen.

Auch in diesem Band überzeugt E.L. Greiff sprachlich durch wortgewandte Beschreibungen, Tiefgründigkeit und interessante Charaktere. So finden sich neben den verschiedenen Menschenvölkern einige faszinierende Fantasiewesen: die Wasserfrauen, die geheimnisvollen Falken („Szaslas“) oder ein Windwesen (Euler). Trotz der vielen Seiten hält sich die Anzahl verschiedener Charaktere in Grenzen. Wer dennoch durcheinander kommt, findet am Ende des Buches eine sortierte Auflistung der Personen. Dazu gibt es eine Karte des Kontinents, die es erlaubt, die verschiedenen Reisewege der Gruppen nachzuvollziehen, sowie eine Erklärung zu Währungen, Sprachen und dem besonderen Kalender, der sich in die beiden Jahreszeiten „Lendern“ (Frühling und Sommer) und „Firsten“ (Herbst und Winter) unterteilt.

Trotz der für sensible Leser möglicherweise verstörenden Beschreibung einer brutalen Foltermethode und verschiedener Kampfszenen ist „In die Abgründe“ insgesamt nicht übermäßig gewalttätig. Einzig die Erzählung von den drei Schwestern und dem Jägersmann mutet sehr grausam an. Schließlich geht es um Vergewaltigung und Kindesmissbrauch, denn die jüngste Schwester ist, als sie dem Jäger „zu Diensten sein“ muss, nicht einmal 10 Jahre alt. Der Jägersmann wird in der Schilderung des Charakters zwar verurteilt, doch die Geschichte hinterlässt einen sehr bitteren Nachgeschmack, vor allem da herauskommt, dass die Vergewaltigungen ernsthafte körperliche Schäden nach sich ziehen. Es bleibt die Frage, ob diese Abscheulichkeit der Geschichte tatsächlich dienlich ist.

Wie schon im ersten Band finden sich auch hier philosophische Gedankenanregungen, beispielsweise die Grübelei eines Charakters: „Vielleicht hat jeder seine eigene Wahrheit und es kam nur darauf an, dass man dieser Wahrheit treu blieb.“ (S. 402) oder aber die Frage: Was macht den Menschen zum Menschen? Ebenso lassen sich politische Anspielungen aus der Geschichte herauslesen, etwa zum Thema Waffenhandel und Kapitalismus oder durch die Vorurteile gegenüber anderen Völkern, die nicht als „Mensch“ angesehen und deshalb diskriminiert werden und deren Parallelen in der Realität naheliegen. Ebenso nachdenklich macht die Verachtung der „zivilisierten“ Völker gegenüber einem einfacheren Volk, die dazu führt, dass dieses Volk eine ebensolche Verachtung empfindet und sich rächt, als sich die Gelegenheit ergibt. So unterhält E.L. Greiff ihre Leser und Leserinnen nicht nur bestens, sie bietet auch zahlreiche gesellschaftskritische Anregungen.

Fazit

Der zweite Teil einer High Fantasy-Trilogie, die ohne viele Fantasyfiguren auskommt und sich auf Menschen und die geheimnisvollen hohen Frauen konzentriert. Wer eloquente Beschreibungen, Charakter- und Beziehungsstudien zu schätzen weiß, ist mit dieser eindrucksvollen Trilogie bestens beraten.

ISBN10
3423249668
ISBN13
9783423249669
Dt. Erstveröffentlichung
2013
Broschierte Ausgabe
560 Seiten

Eine Antwort zu
Zwölf Wasser (2) – In die Abgründe

  1. Rezension | ZWÖLF WASSER >IN DIE ABGRÜNDE< | Greiffblog

    […] die Bücher­he­xe zu ZWÖLF WAS­SER Band Zwei >In die Abgrün­de<.  Dan­ke für die­se schö­ne und aus­führ­li­che Rezen­si­on, mei­ne […]