Das Wurzelkind

Autoren
Illustrator
Kitty Crowther
Übersetzer
Bernadette Ott
Verlag
Aladin Verlag

Zusammenfassung zu “Das Wurzelkind”

Leslie lebt alleine am Ende der Welt. Sie ist seit Tagen mit einem Gewehr bewaffnet hinter dem Fuchs her, der ihre Hühner klaut. Diese Jagd führt sie immer tiefer in den unendlichen Wald vor ihrem Zuhause hinein, bis sich die Spur des Fuchses vor einem versteckten Höhleneingang verliert. Da sie ein Geräusch vernimmt, kriecht sie in den Tunnel, um am anderen Ende im Feenreich herauszukommen. Dort findet sie auf einer Lichtung ein weinendes Etwas. Es ist ein Wurzelkind, das seine Eltern verloren hat. Sie beschließt, es mit zu sich nach Hause zu nehmen. Vor ihrer Rückkehr in die Menschenwelt gibt ihr eine Fee zu verstehen, dass sie nie wieder zurückkehren kann und gut für sich und das Kind sorgen soll. Als sie auf der anderen Seite des Tunnels im Wald wieder zu sich kommt, realisiert sie durch das Wurzelkind, dass sie nicht geträumt hat. Nun geht es nach Hause, wo Leslie merkt, dass es gar nicht so einfach ist, für ein Kind zu sorgen. Aber das Wurzelkind tut ihr gut und so blüht nicht nur der Frühling auf…

Wichtige Charaktere

  • Leslie
  • ein Fuchs
  • Mab, die Feenkönigin
  • das Wurzelkind, „Wurzelchen“

Zitate

„So weit wie jetzt hat Leslie sich noch nie in den Wald vorgewagt.
Lautlos setzt sie einen Schritt vor den anderen. Einen richtigen Buckel macht sie und hält den Blick starr auf die Abdrücke der Fuchspfoten gerichtet. Da dringt aus der Ferne ein seltsames Geräusch an ihr Ohr.“

„Und noch immer hört sie das Schluchzen. Wie von einem kleinen Kind.
Leslie vergisst darüber den Fuchs und zum ersten Mal spürt sie, wie ihr Mutterherz zu schlagen beginnt. Wenn es hier ein Kind zu retten gilt, dann wird sie es retten; koste es, was es wolle.“

Persönliche Bewertung

Eintönige Entwicklung einer Einsiedlerin zur Mutter auf Probe in dunklen Bildern

3 von 5

Das leuchtende Titelbild mit den bunten Blumen vor schwarzem Grund und den beiden so unterschiedlichen Protagonisten der Geschichte in einem weißen Kreis in der Mitte machen neugierig auf den Inhalt. Sehr geradlinig steuert Crowther den Leser durch die ersten Seiten, immer tiefer in den Wald hinein. Die Bilder, die jeweils eine der Doppelseiten für sich beanspruchen und somit im Kontrast zu den Seiten mit wenig Text stehen, zoomen wie mit einer Kamera sehr gelungen immer näher an das Geschehen heran. Spätestens wenn Kitty Crowther die menschliche Leslie durch einen Tunnel ins Feenreich kriechen lässt, erwartet man fantastische Erlebnisse. Aber Crowther, die für ihre Bilderbücher mit Problemen aus der realen Welt bekannt ist, nutzt auch hier den Weg aus der Menschenwelt nur dazu, die Protagonistin mit einem Mitbringsel wieder in ebendiese zu entlassen. Dem erwachsenen Leser entgeht der Hinweis auf das beginnende Schlagen des Mutterherzes der Einsiedlerin nicht und somit ist die Ausrichtung des Buches früh vorgezeichnet.

Die Idee eines Wurzelkindes ist sicher nichts Neues, man denke nur an „Die Wurzelkinder“ von Sybille von Olfers. Auch wenn das Wurzelkind von Kitty Crowther eher mit Julia Donaldsons „Stockmann“ verwandt ist, die eigenständige Umsetzung ist als sehr gelungen, weil sehr mystisch zu bezeichnen. Eine Wurzel, die lebendig ist, Harry Potters Alraunen kommen einem in den Sinn, hätte so viel Entwicklungspotenzial besessen statt als bloßes Mittel zum Zweck zu dienen. Denn was die Autorin mit diesem Buch aussagt, ist ebenso deutlich wie konservativ. Eine Frau, die für sich am Ende der Welt lebt, ist vereinsamt und da es eine Frau ist, keimt in ihr durch die Begegnung mit dem Wurzelkind natürlich der Kinderwunsch. Sie verlässt am Ende den Wald, geht zu Ihresgleichen und gründet eine eigene Familie. Die Episode mit dem Wurzelkind diente lediglich dazu, sie aus der von Crowther zugeschriebenen Lethargie zu reißen.

Oft sind es gerade die Außenseiter, die im Kinderbuch groß auftrumpfen und im Kontrast zur Masse der Gesellschaft den Kindern den Wert und den Reiz der Individualität vor Augen führen. Hier ist es anders: Leslie wird auf Kurs gebracht. Jungen Mädchen der Kinderwunsch vermittelt. Frauen, die sich in einer überbevölkerten Welt bewusst gegen Kinder entscheiden, oder Menschen, die die Einsamkeit oder die Nähe zur Natur suchen, werden in diesem Buch als Außenseiter dargestellt, und das ist auch nicht sonderlich verwunderlich, denn es entspricht den realen Verhältnissen. Diese aber per se als unglücklich zu charakterisieren, ist nicht besonders attraktiv für Kinder sondern tendenziell langweilig. Dass Leslie sich nicht für das Wurzelkind freuen kann, als dessen Eltern auftauchen, sondern nur ihr eigenes Verlassenwerden sieht, ist leider auch nicht besonders dienlich, die Geschichte vom Egoismus der Hauptdarstellerin zu befreien.

Fazit

Sicher nicht das stärkste Buch von Kitty Crowther. Ein schönes Titelbild, das vielversprechend mysteriös nach Abenteuer aussieht, bei dem sich der folgende Inhalt aber als konservative Kinderwunschgeschichte entpuppt. Trotz stimmungsvoller Bilder dienen das Feenreich und das Wurzelkind nur als Mittel zum Zweck, die Botschaft der Autorin zu formulieren. Lediglich der kluge Fuchs, der dunkle Wald und die Frage, ob Füchse auch weinen, heben sich positiv vom allgemeinen Eindruck ab.

ISBN10
3848900572
ISBN13
9783848900572
Dt. Erstveröffentlichung
2014
Gebundene Ausgabe
40 Seiten
Empfohlenes Lesealter
Ab 5 Jahren

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