Wo ist mein Hut

Autoren
Illustrator
Jon Klassen
Übersetzer
Thomas Bodmer
Verlag
NordSüd Verlag

Zusammenfassung zu “Wo ist mein Hut”

Ein Bär ist auf der Suche nach seinem verschwundenen roten Hut. Er sucht ihn bei verschiedenen Tieren wie dem Fuchs, dem Frosch, dem Hasen, der beschäftigten Schildkröte oder der Schlange. Aber jedesmal erhält er eine unbefriedigende Antwort. Daraufhin legt er sich ersteinmal hin und denkt über seine Situation nach und wie sehr ihm sein geliebter Hut fehlt. Als ein Hirsch ihn dort so liegen sieht und ihn fragt was er mache, erklärt er ihm den Verlust seines Hutes und zählt auf Nachfrage dessen Eigenschaften auf. Dadurch erinnert er sich plötzlich, dass er seinen Hut doch bei einem der Tiere, die er gefragt hat, gesehen hat. Sofort begibt er sich auf den Rückweg, um den Lügner zur Rede zu stellen…

Wichtige Charaktere

  • ein Bär
  • sein Hut
  • verschiedene andere Tiere
  • ein Hase

Zitate

„‚Hast du meinen Hut gesehen?‘
‚Ich habe den ganzen Tag nichts gesehen. Ich habe versucht auf diesen Stein zu klettern.‘
‚Soll ich dich auf den Stein heben?‘
‚Ja, gern.'“

„‚Hast du meinen Hut gesehen?‘
‚Was ist ein Hut?‘
‚Trotzdem vielen Dank.'“

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Leseprobe beim Verlag

Trailer zum Buch

Persönliche Bewertung

Ein Bär auf der Suche nach seinem Hut - vortrefflich in Szene gesetzt

4 von 5

Der kanadische Illustrator Jon Klaasen erzählt mit seinem ersten ins deutsche übersetzten Buch eine auf den ersten Blick recht simple Geschichte in einem erfrischenden Zeichenstil mit hohem Wiedererkennungswert. Die einfarbigen Hintergründe reduzieren das Geschehen auf das Wesentliche, die Charaktere der Geschichte. Tiere, ein paar Sträucher, Steine oder ein Tümpel, ein paar Braunfarben im Kontrast zum roten Hut, mehr braucht dieser Künstler nicht für seine Bildkompositionen. Das zweite, ähnliche Bilderbuch, ebenfalls um einen Hut („This Is Not My Hat“) könnte schon bald das nächste übersetzte Buch für deutsche Leser sein. Der geringe Textumfang, die Redundanz und vor allem die große Schrift eignen sich hervorragend für erste eigene Leseversuche.

Für das Vorlesen oder die Begleitung eines erwachsenen Lesers spricht jedoch der Inhalt der Geschichte, der gemeinsam erörtert werden sollte. Denn das Buch basiert auf einer ironischen Pointe, die junge Leser vielleicht etwas irritiert zurücklassen könnte. Der Hase, der den Hut des Bären offensichtlicherweise auf dem Kopf trägt, diesen jedoch aufgrund der für ihn überflüssigen Frage des Bären („Hast du meinen Hut gesehen“) anschwindelt, büßt seinen Klau mit dem Leben. Denn der Bär eignet sich diese Ironie ebenfalls an, als ihn nach dem Auffressen des Hasen ein Eichhörnchen fragt „Verzeihung, hast du ein Kaninchen mit einem Hut gesehen?“ antwortet er, den Hut auf dem Kopf, verneinend und fügt noch hinzu „Ich fresse doch kein Kaninchen“. Empfindsamen Kindern mit einer ausgeprägten Liebe zu Hasen oder Kaninchen, sollte hier die Symbolik des Bären und Hasen klargemacht werden, die beliebig durch andere Tiere darstellbar ist.

Humorvolle Vorleser werden die Situationskomik, die Klaasen in Wort und Bild schafft, zu schätzen wissen. Wer kennt es nicht, dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht? Es geht in diesem Buch nicht darum, eine Moral zu vermitteln nach dem Motto „Wer klaut, der wird gefressen“, sondern um die Liebe zu Dingen, wie einem Lieblingshut, dem Übersehen des Offensichtlichen und der ersten Begegnung mit Ironie. Diese wird mit vielen gestalterischen Mitteln hervorgehoben. So sind die Schriftfarben der jeweiligen Antworten stets im Farbton des Tieres gehalten, nicht jedoch bei der Lüge des Hasen mit dem roten Hut. Seine Antwort kommt in roter Schrift daher. Als dem Bären sein Übersehen des Offensichtlichen in den Kopf kommt, wird dieser Moment mit einem Din A4 großen Bild des Bären, welches komplett in rot gefärbt ist, symbolisiert. Seine Wut auf den Hasen und sein explosiver Ausbruch werden durch die Verwendung von Großbuchstaben unterstrichen, bis schließlich wie in einem Western bei zwei sich duellierenden Cowboys, nur die beiden Protagonisten auf einer Doppelseite ohne Text abgebildet werden – ihre Augen sagen alles, was man wissen muss, in unwiderstehlicher Manier.

Fazit

Ironie statt Moral, heißt die Devise bei diesem Buch für alle Liebhaber der illustrierten Bilderbuchkunst. Gerne würde man sich eines der vielen A4 Motive an die Wand hängen, ob im Kinder- oder Arbeitszimmer, ist hierbei völlig nebensächlich!

Originaltitel
I Want My Hat Back
ISBN10
3314101171
ISBN13
9783314101175
Dt. Erstveröffentlichung
2012
Gebundene Ausgabe
40 Seiten
Empfohlenes Lesealter
Ab 4 Jahren