Wie ein Baum

Der Sommer, in dem Florian Erdmann sein grünes Wunder erlebte

Autoren
Illustrator
Ute Krause
Verlag
Tulipan Verlag

Zusammenfassung zu “Wie ein Baum”

Florian Erdmann hatte schon immer eine besondere Beziehung zu Bäumen und anderen Pflanzen. Er kümmert sich fürsorglich um seine Zimmerpflanzen und sein liebster Platz ist sein Baumhaus im großen Ahorn – das er mit Seilen an den Ästen befestigt hat, um den Baum nicht zu verletzen. Eines Tages stellt er jedoch fest, dass er unerklärliche Stimmen hört, die außer ihm niemand wahrnimmt. Gleichzeitig verliert er seinen Appetit, seine Haar- und Hautfarbe verändert sich. Florian stellt fest: Er kann auf einmal die Sprache der Bäume verstehen. Und nicht nur das: Er scheint sich selbst in einen Baum zu verwandeln!

Lange kann Florian seinen Zustand nicht geheimhalten – auch die blondierten Haare und die Tönungscreme helfen da nicht viel. Sowohl Anna als auch seine Eltern und sein Bruder merken bald, was mit ihm los ist. Problematischer ist jedoch, dass Florians Verwandlung das Interesse von Professor Bayer weckt. Der Forscher träumt schon lange vom großen Durchbruch, von Geld und Ruhm. Da es mit seinen Kartoffelzüchtungen in verschiedenen Geschmacksrichtungen nicht klappen will, erhofft er sich, Florians Zustand erforschen und sich mit seinen Forschungsergebnissen einen Namen machen zu können. Doch weder Florian noch seine Eltern trauen ihm und wenden sich lieber an einen Arzt. Schließlich soll ein Klinikaufenthalt klären, was mit Florian los ist, und so findet er sich zwischen anderen Kindern, die sich von der Norm abheben, in einer streng gesicherten Privatklinik. Er lernt den „neuen Terminator“ kennen, ein Mädchen, das mit Hunden kommunizieren kann und einen „Verwandten“ Michael Jacksons. Als herauskommt, dass der Leiter der Klinik, Professor Faßbinder, mit Professor Bayer unter einer Decke steckt und sogar einen Privatdetektiv auf Florian angesetzt ist, wird ihm klar: Er muss aus dem Hochsicherheitstrakt der Klinik fliehen…

Wichtige Charaktere

  • Florian Erdmann
  • Florians Eltern und Großeltern
  • Florians Bruder Leon
  • Florians beste Freundin Anna Willdenow
  • Annas Vater Joschka
  • der Beagle Humboldt
  • Vincent und Victor Bayer und ihr Vater Professor Bayer
  • Professor Faßbinder
  • der Privatdetektiv Felix Mahlow
  • Frau Lewandowski und ihre Söhne Vladek, Josef und Radek

Zitate

„Florian mochte die Ausflüge mit Anna. Ihr Spezialgebiet waren Insekten, vor allem Schmetterlinge, Wanzen und Käfer. Anna fand ihre Leidenschaft normal. Ihr war unverständlich, wie man einen Käfer für eklig halten konnte. ‚Wer einmal einen Rosenkäfer genau angesehen hat‘, sagte sie, ‚der lässt dafür jedes Meerschweinchen stehen.‘
Dennoch war Anna keine Zoologin im klassischen Sinn. Die zögern meist nicht, ihren Lieblingskäfer zu töten und auf einem Sammelbrett aufzuspießen. Es kommt vor, dass ein bestimmtes Insekt nur genau identifiziert werden kann, wenn es zuvor umgebracht wird. Für Anna kam so etwas nicht infrage. Sie war stolz darauf, dass sie kein einziges präpariertes Tier besaß. ‚Hinterher weiß man zwar, was es ist‘, sagte sie. ‚Aber es ist nicht mehr. Schweinerei so was.'“

Persönliche Bewertung

Einfühlsame, humorvolle Geschichte und eine Liebeserklärung an den Baum

5 von 5

Das Buch „Wie ein Baum“ erschien erstmalig 1995 und wurde 2012 zum Glück vom Tulipan Verlag neu aufgelegt. Dass die Geschichte schon über 15 Jahre auf dem Buckel hat, ist ihr kaum anzumerken. Wer genau darauf achtet, dem werden jedoch einige Punkte auffallen: Für die neue Ausgabe wurde mindestens eine Textstelle „modernisiert“, indem auf Lady Gaga verwiesen wird. Außerdem nimmt ein Mitschüler Florians ein Foto von ihm mit seinem Handy auf. Eine andere Passage hat man dagegen nicht überarbeitet, und dem Leser von 2012 mag es etwas seltsam vorkommen, dass eine Person einen Walkman benutzt. Von diesen Beispielen abgesehen, ist die Geschichte zeitlos und hat nichts von ihrer Aktualität verloren.

Einfühlsam und spannungsvoll erzählt der Autor von Florians Verwandlung und versetzt sich dabei plausibel in die Welt der Bäume. Abhängig von ihrem Äußeren, ihrer Größe und ihrem Alter verleiht Martin Klein den Pflanzen eine Stimme und schlägt dabei sowohl nachdenkliche als auch äußerst humorvolle Töne an. Unter den Pflanzen gibt es sowohl arrogante (die Orchidee) als auch unbedarfte, überdrehte (der kleine Gummibaum). Sogar einen nationalistischen Baum baut der Autor in seine Geschichte ein, der einen jungen Baumsprössling mit seinen fremdenfeindlichen Ideen infiziert. Für Baumfreunde ist die Idee, eine Eiche zu einem Nazi zu machen, zwar etwas befremdlich, die Lektion, die Martin Klein damit vermitteln möchte, ist jedoch klar: Der alte Baum ist unbelehrbar und lebt vorrangig in der Vergangenheit. Die junge Eiche entwickelt sich dagegen, aus dem Einfluss des „Nazi-Baumes“ befreit, zu einem weltoffenen, toleranten Baum – der irgendwann jedoch in das andere Extrem umschlägt und sich als antideutscher Baum entpuppt. Eine Situation, die der Menschenwelt auf intelligente Weise einen Spiegel vorhält und gleichzeitig Mut macht: Es ist eine Frage des Einflusses und der Erziehung, welche Einstellung Bäume (bzw. Menschen) entwickeln.

In „Wie ein Baum“ finden sich jedoch noch so viele Anspielungen mehr: Der Autor prangert die zerstörerische und skrupellose Forscherwut an und thematisiert so alltägliche, aber dennoch wichtige Themen wie Freundschaft, Vertrauen, Abweichung von der Norm und die Frage, was überhaupt „normal“ ist. Erfreulich ist auch die Entwicklung von Florians „Mitinsassen“ in der Klinik: Der Autor stellt sie im Ausblick nicht als „geheilt“ dar sondern lässt sie außerhalb der Klinik mit ihren persönlichen Eigenheiten passende Lebensläufe einschlagen. Was ist schließlich „normal“ und wer würde sich anmaßen zu bestimmen, welche „Normalität“ die richtige ist!

Fazit

Ein nachdenkliches und gleichzeitig humorvolles und hintergründiges Buch, das 2012 genauso aktuell ist wie bei seiner Erstveröffentlichung.

ISBN10
3864291038
ISBN13
9783864291036
Dt. Erstveröffentlichung
2012 (1995)
Gebundene Ausgabe
246 Seiten
Empfohlenes Lesealter
Ab 10 Jahren