Traumjäger und Goldpfote

Autoren
Übersetzer
Hans J. Schütz
Verlag
Klett-Cotta Verlag
Anspruch
5 von 5
Humor
4 von 5
Lesespaß
5 von 5
Schreibstil
5 von 5
Spannung
5 von 5

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Zusammenfassung zu “Traumjäger und Goldpfote”

Fritti Traumjäger ist ein junger Kater, der zum „Mauertreff“ gehört. Seit seiner Familie ein Unglück geschehen ist, ist er allein. Als dann auch noch seine Gefährtin Goldpfote verschwindet, ohne sich zu verabschieden und ohne dass jemand sie gesehen hat, befürchtet Traumjäger, dass auch ihr etwas geschehen ist. Zwar findet er keine Spuren von Angst oder Verbrechen, doch für Fritti ist klar, dass sie nicht freiwillig gegangen ist. Sie ist nicht die einzige Katze, die verschwunden ist, und es gehen Gerüchte von einer unbekannten Gefahr. Die Katzen des Mauertreffs schicken eine Abordnung an Katzen zum Königshof, der um Hilfe ersucht werden soll. Traumjäger genügt das nicht und so leistet der junge Kater einen Schwur, dass er Goldpfote finden wird, und wenn es sein Leben kostet. Er macht sich auf den Weg und merkt schon bald, dass ihm Raschkralle gefolgt ist – ein Kätzchen, das ihn sehr schätzt, weil er bisher freundlich zu ihm gewesen ist. Raschkralle berichtet von riesigen Katzen mit roten Krallen, die ihn bedroht haben. Weitere ähnliche Hinweise gaben die Eichhörnchen – Rikschikschik in der gemeinsamen Sprache der Tiere – mit denen Traumjäger ein nicht ganz freiwilliges Bündnis eingehen musste. Vielleicht haben diese fremden Katzen auch Goldpfote verschleppt…

Traumjäger und Raschkralle treffen auf eine Gruppe von Katzen, denen die Bedrohung ebenfalls bekannt ist. Sie nennen sich die Erst-Geher und sind auf dem Weg zu einem großen Treffen ihrer Gruppe, in der die Gefahr besprochen werden soll. Die Erst-Geher unter Lehnsmann Knarrer nehmen die beiden jungen Kater ein Stück mit und weisen ihnen den Weg nach Erstheim, wo Königin Sonnenfell mit Prinz Taupfote und dem Hofstaat wohnt. Auf dem Weg müssen Traumjäger und Raschkralle weitere Gefahren bestehen, bis sie schließlich kurz vor Erstheim von Prinz Zaungänger gefunden und mitgenommen werden. Als sich Traumjäger erholt hat, verwirrt ihn die große Anzahl an Katzen, die in Erstheim auf einem Fleck wohnen. Wer nicht möchte, muss nicht einmal jagen. Und wer jagen möchte, muss einen weiten Weg zurücklegen, denn die Jagdgründe um Erstheim herum sind schon lange unbewohnt. Als sie endlich vor der Königin vorsprechen dürfen, stellt Traumjäger enttäuscht fest, dass man sich am Königshof wenig um die Bedrohung kümmert und nur Prinz Zaungänger sie wirklich ernst nimmt. Immerhin erhalten sie die Erlaubnis, sich zusammen mit Zaungänger und einigen weiteren Katzen auf die Suche nach den verschwundenen Katzen und der unbekannten Gefahr zu machen. So reisen die Katzen in einer großen Gruppe ab, bis sich Traumjäger, Raschkralle und die Fela (weibliche Katze) Dachschatten von den anderen verabschieden und eine andere Richtung einschlagen. Ihre Reise führt sie durch viele unbekannte Gebiete und konfrontiert sie mit einem Grauen, das sie so nicht erwartet hatten…

Am Ende des Buches findet sich eine Übersicht über alle Charaktere des Buches und über die wichtigsten Wörter der Katzensprache sowie ein Nachwort des Autors, indem er über die Entstehung des Buches berichtet.

Wichtige Charaktere

  • Fritti Traumjäger
  • Goldpfote
  • Raschkralle
  • Grillenfänger
  • Firsa Dachschatten
  • Grizraz Kaltherz
  • Harar Goldauge
  • Königin Sonnenfell und Prinzgemahl Sresla Taupfote
  • Prinz Zaungänger
  • Kratzkralle, Magerwicht und Narbenmaul
  • die Eichhörnchen Herr Schnapp, Frau Surr, Herr Popp und Meister Plink
  • die Kröte Mutter Rhebus

Zitate

„Das Licht war sehr hell. Seine Augen schmerzten. Ein gewaltiger Zaun aus riesigen Baumstämmen umstand ihn, weit höher, als sein Auge reichte. Sprünge und Sprünge über seinen Kopf stiegen sie auf, und ihre Äste waren miteinander verschlungen wie die Fäden eines mächtigen bokreumkleideten Spinnennetzes. Dennoch spürte Traumjäger Wärme auf seinem Gesicht. Ein breiter Keil von Sonnenlicht strahlte ungehindert durch ein Fenster in den höchsten Zweigen, wo ein Stück Himmel sich öffnete, und verwandelte das kurze kitzelnde Gras, in dem Fritti lag, in eine sommerliche Insel, inmitten der uralten Kühle des Waldes.“

„‚Ich denke, je rascher ich diese Sache vorantreibe, desto besser‘, sagte er. Er fand, dass es schwierig war, auszudrücken, was er empfand. ‚Wie ich Heulsang sagte, haben wir einen sehr weiten Weg hinter uns. Ich habe ein Versprechen gegeben und es mit einem Eid besiegelt … jedoch dieses Erstheim, ich weiß nicht, es bringt dich dazu, alles nicht so wichtig zu nehmen. Ich meine, du könntest hier tagaus, tagein bloß herumliegen, wenn dir danach ist, und an nichts anderes denken als an Wasserwanzen. Nicht daran, sie zu jagen, wohlgemerkt‘, versuchte er zu erklären, ’sondern bloß an sie zu denken. Du konntest deinen ganzen Tag, jeden Tag, damit zubringen, immer nur über Wasserwanzen zu sinnen und grübeln und anderen von Wasserwanzen zu erzählen … und bevor du es merken würdest, wärest du alt. Eines Tages würde dir klar werden, dass du in Wirklichkeit niemals eine Wasserwanze gesehen hast … aber dann würdest du es nicht mehr wollen, denn das würde alle deine lieblichen Träumereien zunichtemachen.'“

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Persönliche Bewertung

Tad Williams erschafft in poetischer anspruchsvoller Sprache eine vielschichtige eigene Welt

5 von 5

Mit diesem Buch zeigt Tad Williams, dass Katzengeschichten nicht dem Klischee entsprechen müssen. Jenseits von Katzenkrimis und „Warrior Cats“ schrieb der inzwischen bekannte Fantasyautor dieses Buch schon Anfang der 80er Jahre. „Traumjäger und Goldpfote“ ist sein erstes Werk, das entstand, bevor er von seinen Werken leben konnte und sich einen Namen machte.

Der Geschichte ist anzumerken, wie viel Vorbereitung in ihr steckt (nachzulesen im Nachwort), wie sich der Autor Stück für Stück ein ganzes Universum aus Sicht einer Katze aufbaute – angefangen von Katzenwitzen bis hin zu einer eigenen Sprache und Mythologie. Bücher über vermenschlichte Tiere gibt es viele – diese Geschichte ist anders: Tad Williams fühlt sich in die Welt einer Katze ein, beschreibt ihre Verhaltensweisen und ihre Sicht der Dinge authentisch und dazu noch höchst unterhaltsam. Wer in seinem Leben öfter mit Katzen zu tun hatte und diese aufmerksam beobachtet hat, stellt fest: Genau so verhalten sich Katzen! Das Gleiche gilt für die anderen Tiere in der Geschichte: Der Hund und vor allem die Eichhörnchen benehmen sich so typisch, wie es sprechende Tiere nur tun können. Die hektischen Bewegungen der Rikschikschik spiegelt Tad Williams wunderbar in ihrem Verhalten und ihrer Sprache wider.

Auch an Tiefsinn mangelt es der Geschichte nicht, es finden sich zahlreiche gesellschaftskritische Anspielungen und Vergleiche. Traumjägers unbedarfter Missbrauch der Katzenminze, Dachschattens „unweibliches“ Verhalten oder die leise Kritik am Leben der abgestumpften Städter, fernab vom richtigen Leben und später natürlich auch die Krallenwächter und Knochenwächter, in deren Gefangenschaft die Katzen geraten – die Versklavung einer schwächeren Rasse, die in einer Art Arbeitslager gehalten werden: Tad Williams versteht es, in eine spannende Geschichte allerhand Denkanstöße einzuarbeiten, die dafür sorgen, dass diese Geschichte nicht nur fesselnd und poetisch geschrieben ist, sondern auch den nötigen Anspruch bietet, den jede sehr gute Fantasygeschichte bereithalten sollte.

Fazit

Wer Fantasygeschichten liebt und über eine gewisse Katzenaffinität verfügt, wird dieses Buch lieben! Mit Sorgfalt, Einfühlungsvermögen, Witz und Tiefsinn erzählt Tad Williams eine Art „Hobbit“ mit Katzen als Hauptpersonen. Einfach grandios gelungen!

Originaltitel
Tailchaser's Song
ISBN10
3608938311
ISBN13
9783608938319
Dt. Erstveröffentlichung
1987
Gebundene Ausgabe
432 Seiten

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