Sternengreifer

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Coppenrath Verlag

Zusammenfassung zu “Sternengreifer”

Frankreich, Mitte des 19. Jahrhunderts. Benedict wächst als Waisenkind in einem Kloster außerhalb von Paris auf. Mit seinem besten Freund Albert führt er regelmäßig wissenschaftliche Experimente durch. Sein großer Traum: Ein berühmter Erfinder zu werden und so vielleicht die Aufmerksamkeit unbekannter Familienmitglieder auf sich zu ziehen. Der Luftschiffbauer Henri Giffard aus Paris ist sein großes Vorbild, doch bisher gelingt es Benedict und Albert nicht, etwas zum Fliegen zu bringen. Als die Zeit anbricht, da die Waisenjungen in Benedicts Alter eine Lehrstelle antreten sollen, hofft er auf einen Platz beim Werkzeugmacher, um von diesem zu lernen und seiner Erfinderkarriere voranzutreiben. Doch es ist Albert, der diese Stelle bekommt, da er gut lesen kann. Benedict soll bei einem Schuster in die Lehre gehen.

Auf dem Weg zu seinem neuen Leben, entmutigt von den entgangenen Chancen, trifft Benedict auf ein vom Himmel abgestürztes Luftschiff, rettet dessen Passagier und überredet diesen, ihn nach Paris mitfahren zu lassen. In Paris angekommen, wird er ausgeraubt und muss sich ohne sein Werkzeug und ohne Geld zurechtfinden. Zwar ermöglicht es Giffard, einer Gruppe von Jungen, einige Wochen in seinem Haus zu verbringen, doch ist diese Möglichkeit den Schülern einer Pariser Schule vorbehalten. Durch einen glücklichen Zufall landet Benedict zwar dennoch im Haus des Erfinders, gewinnt dessen Sympathie und freundet sich mit seiner Nichte an, doch dann hängt ihm jemand einen Diebstahl an und er wird aus dem Haus gejagt. Gleichzeitig sind zwielichtige Gestalten in Paris auf der Suche nach ihm, da sich in seinem Besitz eine wichtige Karte befinden soll…

Wichtige Charaktere

  • Benedict
  • Albert
  • Henri Giffard
  • Milou
  • Marie
  • Charles Godin und seine Söhne Sebastien und Jérôme

Zitate

„Marie schnappte nach Luft. Das, was sie gehört hatte, verschlug ihr den Atem. Sie sackte auf die Knie und trommelte mit den Fäusten auf den sandigen Boden. Waren all die Jahre vergeblich gewesen? Hatte sie in den Kleidern der Nonnen nicht genug Buße getan? Als ihr die Finger schmerzten, erhob sie sich und klopfte den Staub von den Knien. Die Geister der Vergangenheit hatten sie eingeholt, und es war an der Zeit, sich ihnen endlich zu stellen.“

Um die Kraft des Nichts zu nutzen, erhitzt du Wasser. Der Dampf kann den Deckel vom Kochtopf heben oder von einem Kessel durch ein Rohr in einen Zylinder aufsteigen und dabei einen Kolben hochdrücken. Wenn der Dampf abkühlt und zu Wasser kondensiert, entsteht ein Vakuum und der Atmosphärendruck schiebt den Kolben wieder hinunter.
(M. Bateaux)

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Persönliche Bewertung

Mysteriös, mitreißend und lehrreich

5 von 5

Der Traum vom Fliegen – Antoinette Lühmann greift dieses beliebte und faszinierende Thema mit ihrer Geschichte auf und bettet es in einen historischen Kontext. Die Hauptfigur ist der wissensdurstige Waisenjunge Benedict, den ein Geheimnis zu umgeben scheint. So geht es im Verlauf der Handlung nicht nur darum, dass er seinem großen Traum näherkommt, sondern auch um seine persönliche Geschichte. Der auktoriale Erzähler der Geschichte setzt den Fokus klar auf Benedict, folgt jedoch auch anderen Charakteren wie beispielsweise der Nonne Marie oder dem Schüler Sebastien. Der Schreibstil ist hierbei einfach und flüssig zu lesen, jedoch keineswegs anspruchslos.

Durch die lebensnah beschriebenen historischen Kulissen und Einflechtung der Lebensumstände der damaligen Zeit erfahren Leser vieles über das Paris Mitte des 19. Jahrhunderts. Die ärmlichen Verhältnisse vieler Handwerker, die Ausbeutung der Arbeiter, die mangelnden hygienischen Zustände, die Situation der Frau, all dies bettet die Autorin in ihre Geschichte ein, ohne zu offensichtlich belehren zu wollen. So ist „Sternengreifer“ nicht nur eine spannungsvolle ansprechend erzähle Abenteuergeschichte, sondern auch eine Lektüre, die subtil historisches bzw. wissenschaftshistorisches Wissen vermittelt.

Jedes Kapitel dieses Buches beginnt mit einem Zitat des fiktiven Erfinders M. Bateaux, der die wissenschaftlichen Prinzipien (zum Stand der damaligen Zeit) der Luftfahrt erörtert, in den letzten Kapiteln jedoch zusätzlich private Details aus seinem Leben preisgibt. Der reale Hintergrund der Handlung, der im Nachwort erläutert wird, ist der Erfinder Baptiste Henri Jacques Giffard, der 1851 ein von einer Dampfmaschine angetriebenes Luftschiff konstruierte, mit dem er 1852 von Paris aus 27,5 Kilometer weit flog.

„Sternengreifer“ kann als zweiter Band einer Reihe historischer Abenteuergeschichten von Antoinette Lühmann gesehen werden, die beiden Bücher sind jedoch vollkommen voneinander unabhängig. Gemeinsam ist ihnen nur der Fokus auf eine vergangene Zeit, in der ein Junge ein Abenteuer erlebt. Dieser zweite Band ist wissenschaftlicher gehalten als „Das Geheimnis des Spiegelmachers“, das dafür phantastische Elemente enthielt. So können beide Bücher problemlos einzeln gelesen werden, es besteht kein inhaltlicher Zusammenhang zwischen ihnen.

Fazit

Es gelingt Antoinette Lühmann vorbildlich, wissenschaftshistorische Fakten und eine fesselnde Abenteuergeschichte miteinander zu verknüpfen. Das Ergebnis ist ein Jugendbuch, das Wissen vermittelt und in seinen Bann zieht. Es ist zu wünschen, dass sich die Autorin weiterer geschichtlicher Themen annimmt und diese ebenso ansprechend präsentiert.

ISBN10
3649615355
ISBN13
9783649615354
Dt. Erstveröffentlichung
2015
Gebundene Ausgabe
352 Seiten
Empfohlenes Lesealter
Ab 11 Jahren

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