Serafina (1) – Das Königreich der Drachen

Autoren
Übersetzer
Petra Koob-Pawis
Verlag
cbj Verlag
Anspruch
3 von 5
Humor
3 von 5
Lesespaß
4 von 5
Schreibstil
4 von 5
Spannung
4 von 5

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Zusammenfassung zu “Serafina (1) – Das Königreich der Drachen”

Serafina wächst als Tochter des Anwalts Dombegh im Königreich Goredd auf. Dank ihrer musikalischen Begabung ist sie als Musikmamsell am Königshof angestellt. Ihre Mutter hat Serafina nie kennengelernt, doch sie weiß, dass Linn ein düsteres Geheimnis umgibt: Ihr Vater, ein Mensch, hat sich ohne sein Wissen mit einem Drachen in menschlicher Gestalt eingelassen, darum ist Serafina ein Halbdrache. Damit ist sie ein Geschöpf, das es nicht geben darf, das schmale Schuppenband an Arm und Hüfte muss sie von allen verstecken, ihre wirkliche Mutter verleugnen. Auch dass ihr Lehrer Orma ihr Onkel ist, darf niemand wissen, denn auch er ist ein Drache.

In Goredd herrscht schon seit 200 Jahren Frieden zwischen Menschen und Drachen. Viele Menschen stehen diesem Friedensabkommen jedoch skeptisch gegenüber, die Drachen werden bei Hof gemieden und genießen keinen guten Ruf. Als schließlich Prinz Rufus, der einzige Sohn des Königs, ermordet und kopflos aufgefunden wird, ist klar: Das muss die Tat eines Drachen gewesen sein! Serafina untersucht den Mord zusammen mit Lucian Kiggs, Hauptmann, Cousin und Verlobter von Prinzessin Grisselda, und bekommt bald einen schrecklichen Verdacht: Der Täter könnte ihr eigener Großvater Imlann sein, der sich unerkannt in seiner menschlichen Gestalt bei Hofe eingeschlichen hat. Die Situation wird nicht einfacher, als sich Serafina immer mehr in ihre Lügen und die Leugnung ihrer Herkunft verstrickt und zudem ihre Gefühle für Kiggs unterdrücken muss.

Gleichzeitig macht Serafina die aufregende und ein wenig beunruhigende Entdeckung, dass sich der gedankliche Garten in ihrem Kopf verselbstständigt. Die Wesen, die darin leben, um die sie sich gedanklich kümmert und die sie ihre „Grotesken“ nennt, scheinen alle im realen Leben zu existieren. Einer davon ist der Schützling ihres musikalischen Lehrers Viridius, Lars, der nur ihretwegen an den königlichen Hof gekommen ist. Serafinas „Grotesken“ vereint ein düsteres Geheimnis, von dem sie alle bisher glaubten, damit allein auf der Welt zu sein. Im Kampf gegen ein geplantes Attentat auf den Hof spielen Serafina und die mit ihr Verbundenen eine wichtige Rolle, die sie in Gefahr bringt, jedoch auch eine große Chance für sie darstellt…

Wichtige Charaktere

  • Serafina Dombegh, genannt Fina
  • Prinzessin Grisselda, genannt Selda
  • Prinz Lucian Kiggs
  • Orma
  • Serafinas Vater Claude Dombegh
  • Serafinas Mutter Linn
  • Viridius
  • Josef, Graf von Apsig
  • Lars
  • Imlann
  • Königin Lavonda
  • Prinzessin Dionne
  • Dame Okra Carmine
  • Lady Corongi
  • Ardmagar Comonot
  • Eskar
  • Basind
  • Abdo

Zitate

„Das war überhaupt das Geheimnis eines jeden Künstlers: die Leidenschaft. Der richtige Ton, zaghaft gespielt, hinterlässt keinen Eindruck; wird er hingegen selbstbewusst vorgetragen, fragt niemand, ob er richtig ist. Wenn man an die Wahrhaftigkeit der Kunst glaubte – und das tat ich -, dann war es geradezu verstörend, wie eng verwandt die Kunst des guten Vortrags und die Lüge sind. Vielleicht war die Lüge auch eine Art von Kunst. Ich dachte häufiger darüber nach, als gut für mich war.“

„Bei all meinen Begegnungen mit Saarantrai hatte ich noch nie zuvor gesehen, wie sich ein Saarantras von seiner Menschengestalt in einen Drachen verwandelte. Der nackte Mann richtete sich auf, streckte und reckte sich. Es sah seltsam natürlich aus, wie er das machte, seine menschlichen Glieder entsprachen Drachengliedmaßen, seine Schultern wurden zu Flügeln, seine Wirbelsäule verlängerte sich und mündete in einen Schwanz, sein Gesicht zog sich in die Länge, auf seiner Haut sprossen Schuppen. All das gelang ihm, ohne Grisselda loszulassen. Als die Verwandlung vollendet war, hielt er sie fest zwischen den Krallen seiner Vorderfüße.“

„Was, wenn unsere Mütter gar nicht die Närrinnen waren, für die wir sie gehalten hatten? Was war Liebe wirklich wert? Hunderttausend Kriege?“

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Persönliche Bewertung

Solider Drachenfantasy-Roman mit einer großen Portion Liebesgeschichte

4 von 5

Rachel Hartman schafft mit dem Königreich Goredd eine eigene kleine Fantasywelt, die tiefgründiger sein könnte, die jedoch plausibel ausgeführt ist. Die Liebesgeschichte und die Charaktere dagegen könnten innovativer sein. Die unglückliche Liebesgeschichte des Hauptcharakters birgt wenig Überraschungen: Ihr düsteres Geheimnis verbietet ihr, den Prinzen zu lieben; zumal er der Verlobte einer Freundin und zugleich auch noch im Rang höhergestellt ist. Dass er ausgerechnet der Verlobte der Prinzessin ist, setzt der Geschichte praktisch die Krone auf und dürfte dem einen oder anderen Leser etwas zu klischeehaft sein.

Serafina ist im Großen und Ganzen ein sympathischer Hauptcharakter, auch wenn ihre Gedanken manchmal an Selbstmitleid angrenzen. Erfreulicherweise ist sie eine Heldin, die nicht auf einen starken Prinzen angewiesen ist, die sich weitgehend selbst zu helfen weiß. Kiggs dagegen wirkt ein wenig belanglos – natürlich ist er gutaussehend (wie könnte es bei einem Prinzen und Schwarm der Heldin auch anders sein?!), einen richtigen Charakter bekommt er jedoch nicht. Seine Verlobte, Prinzessin Grisselda, wirkt deutlich lebendiger und sogar erfrischend mit ihrer Leichtigkeit, die sie trotz ihrer schweren Bürde an den Tag legt.

„Serafina“ ist gut geschrieben und baut geschickt Spannung auf. Die gelegentlichen Vokabeln der fiktiven Sprache Goredds („Grausleine“ zum Beispiel bedeutet Mädchen) würzen die Konversationen. Ein kleiner Kritikpunkt: Die Sprache ist mitunter etwas inkonsequent – was vermutlich einem Übersetzerfehler geschuldet und damit nicht der Autorin anzulasten ist. Der Charakter Lars spricht meist mit einem signifikanten Akzent („ik“ statt „ich“), manchmal jedoch auch völlig akzentfrei (da heißt es dann „ich“).

Rachel Hartman schlägt in ihrem Roman mitunter sogar nachdenkliche Töne an: Es ist nicht die Perfektion, die die Musik (bzw. Kunst) ausmacht, sondern die Emotion. In ihrer Geschichte bedeutet dies, dass die emotionslosen Drachen keine guten Künstler sein können. Sie verfahren zu mechanisch nach bestimmten Regeln, ihre Kunst berührt nicht, ist quasi „seelenlos“. Gut dargestellt ist auch Serafinas Zerrissenheit, die Schwierigkeit dabei, sich selbst zu akzeptieren, wenn das Umfeld einem Teil ihres geheimgehaltenen Wesens solchen Abscheu entgegenbringt. Als Abschluss dieses ersten Bandes würde man sich ein etwas weniger hochdramatisches, tendenziell klischeehaftes Ende wünschen, für einen Großteil der Zielgruppe dürfte dies jedoch kein Problem darstellen.

Fazit

Für Drachenfans, die sich für romantische Geschichten nach bekanntem Schema begeistern, sehr zu empfehlen. Wer mit Drachengeschichten wenig anfangen kann, wird wenig Freude daran haben, doch das versteht sich von selbst. Rachel Hartmann schreibt ansprechend und erschafft mit Goredd eine eigene Fantasywelt, die stimmig wirkt und Fans des Genres zufrieden stellen dürfte.

Originaltitel
Seraphina
ISBN10
3570152693
ISBN13
9783570152690
Dt. Erstveröffentlichung
2012
Gebundene Ausgabe
512 Seiten
Empfohlenes Lesealter
Ab 12 Jahren

Eine Antwort zu
Serafina (1) – Das Königreich der Drachen

  1. Michael Petrikowski

    Die Geschich­te ist zwar sehr schön und auch unter­halt­sam geschrie­ben, doch plät­schert die Hand­lung vor sich hin und wird stre­cken­wei­se lang­wei­lig. Wirk­lich span­nend wird es nicht, denn der Auto­rin ist es nicht gelun­gen den Leser wirk­lich zu fes­seln. Es bleibt nut zu hof­fen, dass es im nächs­ten Teil span­nen­der wird.