Schwarzer Mond über Soho

Autoren
Übersetzer
Christine Blum
Verlag
Deutscher Taschenbuch Verlag (dtv)
Anspruch
4 von 5
Humor
5 von 5
Lesespaß
5 von 5
Schreibstil
5 von 5
Spannung
5 von 5

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Zusammenfassung zu “Schwarzer Mond über Soho”

Während seine Kollegin Lesley sich davon erholt, dass ihr Gesicht in ihrem ersten gemeinsamen Fall (siehe Band 1) durch magische Kraft größtenteils zerstört wurde, und sich auch sein Vorgesetzter noch von den Strapazen erholen muss, wartet der nächste Fall auf Constable Peter Grant: An der Leiche von Cyrus Wilkinson stellte der Pathologe Dr. Walid bei einer Routineautopsie fest, dass der Mann möglicherweise unter Einwirkung von Magie starb. Peter nimmt an der Leiche ein Vestigium wahr, einen magischen Abdruck ähnlich einer Erinnerung. In Cyrus‘ Fall besteht das Vestigium aus einem Jazzstück, einem Saxofonsolo von Body and Soul.

Peter gerät in seinen Untersuchungen in die Londoner Jazzszene und freundet sich mit den ehemaligen Bandkollegen von Cyrus Wilkinson, James, Max und Daniel, an. Da Peters Vater früher ein berühmter Jazzmusiker war, fühlt er sich als sein Sohn in der Szene nicht fremd. Sein Vater und sein Wissen öffnen ihm so manche Tür bei seinen Ermittlungen. Zu der ehemaligen Geliebten des Toten entwickelt Peter eine besonders innige Beziehung. Doch dann gibt es weitere Tote, die eines grausamen, übersinnlichen und höchst mysteriösen Todes sterben und Peter muss feststellen, dass die Lösung des Falles in seinem direkten Umfeld zu suchen ist…

Wichtige Charaktere

  • Constable Peter Grant
  • sein Vater
  • Detective Chief Inspector Thomas Nightingale
  • Constable Lesley May
  • Dr. Abdul Haqq Walid
  • Detective Sergeant Stephanopoulos
  • Detective Chief Inspector Zachary Thompson
  • Alexander Smith
  • Cyrus Wilkinson
  • Simone Fitzwilliam
  • Peggy and Cherie
  • Peters „Hilfstruppen“ James, Max und Daniel
  • Molly
  • Hund Toby

Zitate

„Ich mengte mich kurz unter den Verkehr auf dem Strand und bog dann quer durch den Gegenverkehr in die Savoy Street ab, eine schmale Gasse, die gleich westlich der Waterloo Bridge schnurgerade ans Wasser hinunter führt. Im Zentrum von London sind Parkplätze schwer zu bekommen, und die Leute neigen dazu, ihre Autos in jede winzige Lücke am Straßenrand zu quetschen, ohne die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass vielleicht mal ein Fahrzeug größeren Ausmaßes mit jemandem am Steuer, der nicht die hundertprozentige Kontrolle darüber hat, vorbeikommen könnte. Alles in allem belief sich der Schaden auf knapp zwanzigtausend Pfund, hauptsächlich Lackschäden, Seitenspiegel, Seitenbleche und zwei Rennräder, die von vornherein nicht auf einen Dachgepäckträger gehört hätten. Nicht eingerechnet der Schaden am Rettungsfahrzeug, ich bin sicher, der war rein kosmetisch.“

„Sie war ziemlich hübsch – feine Wangenknochen, oliv-farbene Haut und pechschwarzes Haar, das ihr in zierlichen Locken auf die Schultern fiel. Erst als sie sich so weit entspannt hatte, dass sie es wagte, sich aufzusetzen, wobei die Bettdecke herunterglitt und eine haarlose, vollkommen flache Brust entblößte, dämmerte mir, dass er gar keine Sie war.
‚Sind Sie ein Mann?‘, fragte ich. Bloß um zu beweisen, dass das Training in Hendon in Fragen der ‚korrekten Herangehensweise bei sensiblen Themen‘ nicht umsonst gewesen war.
‚Nur biologisch‘, sagte er. ‚Und du?'“

Alle Bände der Reihe

1. Die Flüsse von London
2. Schwarzer Mond über Soho
3. Ein Wispern unter Baker Street
4. Der böse Ort

Links

Website-Special zur Reihe beim Verlag

Persönliche Bewertung

Humorvoller Urban Fantasy Roman für Jazzfans und Krimiliebhaber

5 von 5

Schon der erste Band von Ben Aaronovitchs Reihe um Constable Peter Grant überzeugt durch seinen einmaligen Humor und seine gelungene Mischung aus einem Krimi und einem Urban Fantasy Roman. Die klassische Polizeiarbeit wird durch übersinnliche Verbrechen, phantastische Täter und Zeugen sowie eine urbane Londoner Kulisse angereichert und ergibt eine unwiderstehliche Mischung. Auch in diesem Band treffen so reale Probleme wie Drogen, Prostitution und Sklaverei/Menschenhandel auf jahrhundertealte Charaktere, Flussgötter und ihre Angehörigen sowie den Einsatz von Magie bei Peters Ermittlungsarbeit. Magie trifft auf Wissenschaft und wird dabei so überzeugend geschildert, dass man fast daran glauben möchte.

Ben Aaronovitch erzählt diese Kriminalgeschichte mit gewohntem Sprachwitz (der von Christine Blum großartig ins Deutsche übertragen wurde) und weitgehend klischeefreien Handlungen und Charakteren. Wunderbar amüsant ist zum Beispiel die Figur der burschikosen Detective Sergeant Stephanopoulos, aber auch die Familie der Flussgötter zeugt vom Witz und der Phantasie des Autors. Leser, die mit der Welt des Jazz und ihren Stilrichtungen vertraut sind, werden an diesem Band besondere Freude haben; wer mit Jazz wenig anzufangen weiß, wird dem Autor die gelegentlichen musikalischen Aussschweifungen angesichts der spannungsvollen Geschichte verzeihen.

Zusammen mit Grant, aus dessen Sicht die Geschichte in Ich-Form erzählt wird, ermittelt der Leser in den Mordfällen, lernt die Historie der englischen Magier und ihre Verstrickungen in politische Geschehnisse, übt sich selbst mit quälend langsamen Fortschritten in der Magie und besucht den berühmten Stadtteil Soho. Allein die Tatsache, dass Peter auch im zweiten Band mit einem der involvierten Charaktere eine Affäre beginnt, ist ein Muster, das von manchem Leser vielleicht als unnötig angesehen wird und das für die Handlung nicht unbedingt zwingend erforderlich gewesen wäre. Davon abgesehen ist Aaronovitchs kriminalistische und phantastische Reise durch Londons Soho ein echter Lesegenuss für jeden Krimifan mit Sinn für kreative Phantastik.

Fazit

Ein äußerst gelungener zweiter Band, der durch seine Kreativität und seinen Humor sowie durch seine geschickte Kombination mehrerer Genres überzeugt. Spannend, ansprechend geschrieben und höchst unterhaltsam!

Originaltitel
Moon over Soho
ISBN10
3423213809
ISBN13
9783423213806
Dt. Erstveröffentlichung
2012
Taschenbuchausgabe
416 Seiten