Rositas große Reise

Autoren
Illustrator
Susanne Straßer
Verlag
Tulipan Verlag

Zusammenfassung zu “Rositas große Reise”

Rosita ist ein Schwein und wird mit anderen sogenannten „Nutztieren“ auf einem Bauernhof gehalten. Sie ist aber anders als ihre Artgenossen. Statt viel zu fressen, um schnell das Schlachtgewicht zu erreichen, tut sie genau das Gegenteil. Sie übt von früh bis spät Kunststücke, springt in der Gegend herum, singt und macht im Hühnerstall sogar Klimmzüge. Die anderen Tiere des Hofs finden ihr Verhalten unerhört. So empören sich die Kuh, die Hühner und der Hofhund darüber, dass sie sich nicht ihrem (angeblichen) Lebenszweck entsprechend verhält, der da „Schweinespeck“ heißen soll. So kommt es, wie es kommen musste: Rosita ist traurig, weil sie nicht die „große Reise“ antreten darf, von der alle Tiere ihr erzählt haben und die sie, nachdem der Kater ihr auch noch davon berichtet, dass noch nie jemand davon zurückgekommen ist, auch unbedingt machen möchte. Doch nachdem eine Fliege ihr etwas für sie unerwartetes über die Reise erzählt, schöpft sie neuen Mut und springt wieder herum. Der dann folgende Besuch eines Fiedlers könnte für Rosita kein glücklicherer Zufall sein…

Wichtige Charaktere

  • Rosita
  • der Bauer
  • der Schlachter
  • der Dorfkater
  • der Hofhund
  • eine Kuh
  • Hühner
  • eine Fliege

Zitate

„Auf dem Weg liegt eine leere Dose. Kick! Und schwupp! Rosita balanciert sie auf dem Rüssel. Das ist sauschwer! – Aber nicht für Rosita!Und weil sie auch musikalisch ist, tanzt und singt sie sogar dabei. ‚Vorwärts, rückwärts, seitwärts, hopp, lustig ist der Schweinsgalopp!‘ Damit weckt sie den Hofhund, der in der Mittagssonne döst.“

„Früh am nächste Morgen knattert ein rostiger Lieferwagen auf den Hof. Ein dicker Mann mit rotem Gesicht steigt aus. Rositas Ringelschwänzchen zuckt vor lauter Reisefieber. Da kommt der Bauer mit dem Dicken auch schon in den Schweinestall.“

Links

Leseprobe (beim Verlag)

Persönliche Bewertung

Ein schön gestaltetes Bilderbuch, dessen Inhalt mehr ist als die Summe seiner Teile

4 von 5

Brigitte Endres legt mit „Rositas große Reise“ ein Bilderbuch vor, das nicht zufällig auf einem Bauernhof spielt. Wo anders, und vor allem für wen anders, macht es einen fundamentaleren, lebensverlängernderen Unterschied, seinen eigenen Weg zu gehen als für ein Schwein in der Landwirtschaft? Rosita hätte auch eine Kuh oder ein Huhn sein können. Allen Tieren ist es wohl fremd, nur deshalb zu leben, um den Menschen den höchstmöglichen wirtschaftlichen Nutzen zu bringen. Hier ist es also nun ein singendes und tanzendes Schwein. Endres zeichnet gelungen den Prozess der Verunsicherung nach, den selbst ein Schwein wie Rosita durchlebt, wenn sie von allen immer nur zu hören bekommt, wie falsch sie lebt und wie richtig die anderen. Da braucht es dann auch mal jemanden wie die Fliege, der einen darin bestärkt, seinen eigenen Weg weiter zu gehen. Im besten Fall findet man dann sogar noch Gleichgesinnte, wie den Sraßenmusiker Finn.

Das Buch ist durchdrungen von sarkastischen Anspielungen auf die Fleischindustrie, die schon beim Titel beginnen. Unterbewusst liest man irgendwie immer automatisch „Rositas letzte Reise“ mit, zu offensichtlich ist das Reiseziel, zumindest dem erwachsenen Leser bewusst. Wenn der Schlachter mit blutverschmierter Schürze und Messer in der Gesäßtasche im Schweinestall auftaucht und kurz danach zwei Schweine mit einem weißen Taschentuch aus seinem (auch durch ein Symbol) Viehtransporter winken, weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll, zu skurril ist die Situation. Spätestens auf der vorletzten Seite, als Rosita im Handstand an dem mit Fleisch behangenen Schaufenster vorbeikommt, in dem das Schild „Heute: Schnitzel vom Schwein“ steht, dürfte jedem noch so kleinen Leser das Reiseziel der anderen Schweine klar werden. Eltern dürfen dann beim nächsten Besuch des Biohofladens den Kindern bei den Schweinen erklären, warum nicht alle Schweine so ein Glück wie Rosita haben.

Das Buch ist eine klare Aufforderung zum Überdenken der eigenen Verhaltensweisen im Umgang mit Tieren. Nicht umsonst widmet die Autorin ihr Buch „…allen großen und kleinen Querköpfe(n), die sich nichts vormachen lassen“. Es scheint fast so, als gelte das auch für die anderen Tiere des Hofs, die so überzeugt von Rositas Sinn im Leben waren. Denn nach dem Ende der Geschichte, auf der letzten Seite, wo die Verlagsangaben stehen, sieht man sie alle selber Kunststücke aufführen. Klar dass die Geschichte den Part der anderen Tiere brauchte, um zu funktionieren, schön diese Anekdote, die das Buch so nachhaltig macht.

Natürlich darf nicht die hervorragende Bebilderung durch Susanne Straßer unerwähnt bleiben, ohne die die Geschichte nicht funktionieren würde. Ihr über je zwei Seiten reichender großformatiger Collagen-Stil zaubert ausdrucksstarke Charaktere herbei und darüber hinaus noch liebevolle Details. Denn neben den Hauptfiguren begleitet Rosita im Bild auch ein frisch geschlüpftes Küken, was sie für seine Mutter hält, am Nachthimmel steht ein sichelförmiger Mond, der eine Schweinenase umgebunden hat oder die Flugspur der Fliege hinterlässt bei Rositas Abschied einen ironischen „Ätsch“-Schriftzug. Besonders traumhaft ist sicherlich das letzte Bild: Rosita liegt von Finn umarmt bei Vollmond unter einem Baum, das man gerne auch als Poster sehen würde!

Fazit

Ein gelungenes Bilderbuch, das hoffentlich nicht nur Sympathien für die Heldin hervorruft, sondern auch für das Schicksal all der anderen „armen Schweine“ sensibilisiert.

ISBN10
3939944815
ISBN13
9783939944812
Dt. Erstveröffentlichung
2012
Gebundene Ausgabe
36 Seiten
Empfohlenes Lesealter
Ab 4 Jahren