Raum

Autoren
Übersetzer
Armin Gontermann
Verlag
Piper Verlag

Zusammenfassung zu “Raum”

Der fünfjährige Jack und seine Ma leben in Raum. Raum ist die ganze Welt, die Jack kennt. Eine kleine Welt. Der Leser betritt diese zu Jack fünftem Geburtstag mit dem Kapitel „Geschenke“. Das Besondere: Der Erzähler ist der kleine Jack selbst, der sich für die Beschreibung seiner Erlebniswelt einer ganz eigenen – völlig faszinierend strukturierten – Sprache bedient. Im zweiten Kapitel, das „Entlügen“ heißt, erfährt Jacks Realität, die, soviel sei hier verraten aus gerademal eineinhalb Menschen (einmal Ma und ein halbes Mal Old Nick besteht) besteht und aus 14 Quadratmeter fast lichtlosem Raum, erste Risse. Die Welt ist nicht so, wie sie scheint. Das versucht Ma, ihrem Sohn ganz vorsichtig zu erklären. Wobei dem Fernsehen und dem, was darin vorkommt, eine ganz besondere Rolle zukommt. Im Kapitel „Sterben“ bricht Raum auseinander. Ma und Jack verlassen die Welt, in der sie seit fünf Jahren zusammenlebten – in einer dramatischen Aktion, in der dem kleinen Jungen eine Heldenrolle zukommt. Alles scheint auf ein Happy End zuzusteuern, doch die Autorin fügt noch das Kapitel „Danach“ hinzu. Hier betreten Ma und Jack die reale Welt. Und der Leser erfährt, wie diese auf einen kleinen, tapferen, klugen und innig geliebten fünfjährigen Jungen wirkt. Zunächst einmal erschütternd! All das Neue überschreitet fast Jack Verarbeitungskapazitäten. Und noch schlimmer: Er und Ma sind nicht mehr die einzigen Menschen auf der Welt. Aber auch hier ist noch nicht Schluss, denn Jack und Ma geben nicht auf. Sie wagen sich in das „Leben“ – so der Titel des fünften und letzten Kapitels. Die Welt ist nicht mehr ganz so neu und muss ja schließlich bewältigt werden. Und plötzlich wirkt „Raum“ auch ganz anders auf den kleinen Jack.
Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden, vielleicht nur noch ein Zitat von Audrey Niffenegger „Wenn du Raum gelesen hast, mag die Welt noch so sein, wie sie ist. Aber du selbst hast dich verändert.“

Wichtige Charaktere

  • Jack
  • Ma
  • „Raum“
  • Old Nick

Zitate

„Im Schrank versuche ich immer, meine Augen ganz fest zuzumachen und schnell auszuschalten, damit ich nicht höre, wenn Old Nick kommt. Dann wache ich am Morgen auf und liege mit Ma im Bett und kriege was, und alles ist okay. Aber heute abend bin ich noch an, der Kuchen sprudelt in meinem Bäuchlein. Mit der Zunge zähle ich meine oberen Zähne von rechts nach links bis zehn und dann meine unteren Zähne von links nach rechts und dann noch mal in die andere Richtung. Jedes Mal muß ich bis zehn kommen, und zweimal zehn ist zwanzig, so viele habe ich.“

„Dann sehe ich was, das Coolste überhaupt, so ein riesiges Glas mit Ecken, aber statt Dosen und Schokoriegeln sind da lebendige Fische drin, die schwimmen und spielen Verstecken mit Steinen. Ich zerre, aber Ma will nicht mitkommen, sie redet immer noch mit der Aufnahme, die hat auch einen Namen auf ihrem Etikett, ihrer ist Pilar.“

„Die Frau mit den plustrigen Haaren nickt ganz viel. ‚Und Sie mussten ihn ganz allein aufziehen, ohne irgendwelche Bücher oder Fachleute nicht einmal Verwandte gab es. War das nicht fürchterlich schwierig?‘ Ma zuckt mit den Achseln. ‚Ich glaube, am meisten wollen Babys eigentlich, dass ihre Mütter immer bei ihnen sind. Nein, meine einzige Angst war, Jack könnte krank werden … oder ich, er war darauf angewiesen, dass ich gesund blieb. Eigentlich habe ich nur das beherzigt, was wir in der Schule gelernt haben, Sachen wie die Hände zu waschen, alles gut abzukochen…‘ Die Frau nickt. ‚Sie haben ihn gestillt. Ich höre sogar, und das mag einige Zuschauer befremden, dass Sie es immer noch tun.‘ ‚Ist das etwa an der ganzen Geschichte wirklich das Schockierendste?'“

Trailer zum Buch

Links

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Englischsprachige Website zum Buch

Persönliche Bewertung

Die ganze Vielschichtigkeit unserer Welt mit den Augen eines kleinen Helden betrachtet.

5 von 5

Ein ganz großartiger Roman! Zu dem sich kaum Parallelen in der Literatur entdecken lassen. Zwei Dinge stechen hervor: Zum einen wird die Geschichte vom fünfjährigen Jack in seiner eigenen Sprache erzählt. Die für den Leser ungewohnt ist, aber dafür sorgt, dass es wirklich möglich ist, sich in einen ganz eigenen, äußert ungewöhnlichen Blickwinkel einzuleben – in das Staunen des Kindes und seine Freude an der Welt. Dinge werden personalisiert, Alltägliches wird neu erzählt, Ungewohntes wird zu Alltäglichem? Zum Zweiten gelingt es der Autorin, eine grausame Geschichte, die Entführung, die Gefangennahme, die Isolationshaft und den sexuellen Missbrauch, dem Ma ausgesetzt ist, aus einer ganz ungewohnten Perspektive darzustellen. Im Vordergrund stehen nicht die Brutalität (und die Perspektive des Täters) sondern die Überlebensfähigkeit der Opfer. Das ist neu! Alles was passiert, passiert immer zuerst auch in unserem Kopf. Wir sind in der Lage selbst grausamste Dinge zu ertragen, wenn wir die Hoffnung nicht verlieren – und nicht allein sind. Auch davon berichtet dieses Buch. In der Summe gelingt es Emma Donoghue, die bisher hauptsächlich historische Romane schrieb, die ganze Schönheit, Grausamkeit und Vielschichtigkeit unserer Welt aufzuzeigen, indem sie einfach mal komplett die Sehgewohnheiten verändert – wahrhaft grandios und wärmstens zu empfehlen.

Fazit

Große Literatur in der Sprache eines Fünfjährigen! Berührend, befremdend, spannend, grausam und erwärmend. Die ganze Vielschichtigkeit unserer Welt mit den Augen eines kleinen Helden betrachtet.

Originaltitel
Room
ISBN10
3492054668
ISBN13
9783492054669
Dt. Erstveröffentlichung
2011
Gebundene Ausgabe
409 Seiten

Eine Antwort zu
Raum

  1. Stefan

    5 von 5

    Raum ist ein Buch das man nicht liest son­dern „erlebt“.

    Als ich das Buch been­det hat­te war ich erst­mal sprach­los. Die­ses The­ma wur­de von Dono­ghue ein­fach geni­al in Sze­ne gesetzt. Auch die Spra­che von Jack emp­fin­de ich als sehr rea­lis­tisch obwohl das bei eini­gen Leser zu einer Abwer­tung des Buches geführt hat. Obwohl ich „Raum“ erst seit die­sem Jahr besit­ze habe ich es schon 4 x gele­sen. Erst beim noch­ma­li­gen Lesen von „Raum“ fie­len mir die vie­len klei­nen ver­steck­ten Andeu­tun­gen auf, die Dono­ghue ein­ge­streut hat. Zum Bei­spiel war­um Ma so gern das Buch „Das Häs­chen das weg­läuft“ liest. „Raum“ ist mein abolu­tes Lieb­lings­buch und ich wünsch­te, ich könn­te mal erfah­ren wie es mit Jack und sei­ner Ma wei­ter­geht. Aber so kann ich mich noch auf den Film freu­en den ich noch nicht gese­hen habe.