Ostern in Sicht!

Die buntesten Geschichten

Verlag
Fischer Schatzinsel

Zusammenfassung zu “Ostern in Sicht!”

Dieses Taschenbuch versammelt zwölf österliche Geschichten verschiedener, zum Teil sehr bekannter (Kinderbuch-)Autoren. Es geht natürlich um den Osterhasen, um Hasen im Allgemeinen, um Küken und das Ostereier bemalen. Kinder traktieren ihre Eltern mit der Frage „Was ist Ostern?“, die diese nicht beantworten können oder wollen. Ein kleiner Junge hilft einem Osterhasen beim Eier-Bemalen. Geschwister streiten sich darum, wessen bemalte Ostereier die schönsten sind. Eine Gruppe wilder Hasen wird mit einem Schokoladenosterhasen konfrontiert. Eine Henne kann keine Eier legen und freut sich, vom Osterhasen Eier geschenkt zu bekommen, um diese auszubrüten.

Zitate

„Der Hahn flatterte auf den Misthaufen zu, segelte knapp darüber hinweg, beachtete die Körner überhaupt nicht, hatte nichts Besseres zu tun, als kurz hinter der Jauchepfütze zu landen und dann in einem dichten Brennesselgebüsch zu verschwinden. Nach einer halben Stunde hatten wir ihn endlich wieder.“

„Der grüne Wellensittich wurde Patenonkel. Er und die Henne Regula zogen die Küken groß, bis diese selber gestreifte und gepunktete Eier legten. Und weil die Kinder Regula und ihre Küken so gern hatten, scharrten sie alle noch nach Würmern, als Elfriede und die anderen Hennen längst in den kochtopf gewandert waren.“

Persönliche Bewertung

Durchwachsene Sammlung von Ostergeschichten

3 von 5

Eine Sammlung von Geschichten unterschiedlicher Autoren als Ganzes zu bewerten, ist immer schwierig und so kann nur eine Durchschnitts-Bewertung gegeben werden. Einige Geschichten sind voller Witz, poetisch und ansprechend geschrieben, spannungsreich und mit einem überraschenden Ende. Andere dagegen lassen ein wenig schriftstellerisches Talent vermissen und können allenfalls als durchschnittlich gesehen werden. Humorvoll und kreativ ist zum Beispiel Knisters Geschichte über den Nikolaus, der den Osterhasen auf seine eigene Art vertritt und für einige Verwirrung sorgt. Auch Fredrik Vahles Erzählung über die Suche nach einem perfekten idyllischen Bauernhof für einen Film ist ebenso witzig wie tiefsinnig, weist sie doch unterschwellig darauf hin, dass es Bauernhofidylle selten noch gibt, in der Überzahl sind Mastbetriebe und Legebatterien, die mit verkitschter Bauernhofromantik nichts gemeinsam haben sondern hochproduktive, wirtschaftliche und grausame Institutionen sind. Ganz so weit geht der Autor in seiner Bewertung natürlich nicht; die Geschichte kann jedoch eine gute Anregung bieten, um Kindern die Problematik der Tierhaltung aufzuzeigen.

Wenig durchdacht dagegen ist zum Beispiel die Geschichte Susanne von Schroeters über „Die Osterhasenverlosung“ – dass Tiere ein denkbar schlechter Gewinn bei einer Verlosung sind, sollte sich im 21. Jahrhundert herumgesprochen haben – überfüllte Tierheime voller gedankenloser „Geschenke“ zeugen davon. Dass ein Hase kein Gegenstand ist, den man unbedarft verlosen oder verschenken sollte, sollte auch Kindern deutlich gemacht werden. Diese Geschichte bewirkt das Gegenteil. In einer anderen Geschichte entscheidet ein Haustier sich gegen die Freiheit und dafür, lieber in Gefangenschaft zu bleiben – eine Verniedlichung der Haustierhaltung, die in der Praxis selten tierfreundlich und „artgerecht“ aussieht und in sich sicherlich die kein Tier freiwillig begeben würde.

Auch Bettina Obrechts „Die Henne Regula und ihre Küken“ ist sehr zwiespältig zu sehen: Die Moral der Geschichte, dass nicht alle gleich sein müssen und dass die andersartigen Hühner am Ende mit einem längeren Leben belohnt werden, hat einen sehr bitteren Beigeschmack, wenn am Ende explizit und in heiterem Tonfall gesagt wird, dass alle anderen Hühner (von denen sogar eines beim Namen benannt wird) schon längst geschlachtet wurden. Auch sollten Kinder, denen die Geschichte vorgelesen wird, stutzig werden, wenn aus den bunten Eiern vom Osterhasen, die für die Kinder und damit für den Verzehr gedacht sind, auf einmal Küken schlüpfen – sind also damit alle Ostereier potenzielle Küken, die nicht schlüpfen dürfen. Ob es erfreulich ist, wenn Kinder durch diese Geschichte (die das mit Sicherheit nicht beabsichtigt) kritisch über den Eierkonsum nachdenken, ist Ansichtssache, kann vor diesem Hintergrund jedoch sicherlich passieren. Mira Lobes Erzählung „Dann rufen alle Hoppelpopp“ dagegen ist ein erfreulicher Abschluss des Buches und zeigt auf kindgerechte und humorvolle Weise auf, wie Wettbewerb Zwietracht säen kann und dass es eigentlich nicht darum gehen sollte, wer der Beste, Klügste, Schnellste usw. ist. Die Gemeinschaft letztendlich macht stark, in der jedeR seine und ihre Stärken einbringen kann!

Fazit

Eine nette kleine Geschichtensammlung, die sowohl mit wirklich gelungenen und erfreulichen als auch mit durchschnittlich geschriebenen und gedankenlosen Geschichten aufwartet und darum nur begrenzt empfohlen werden kann.

ISBN10
3596807840
ISBN13
9783596807840
Dt. Erstveröffentlichung
2008
Taschenbuchausgabe
118 Seiten
Empfohlenes Lesealter
Ab 6 Jahren