Nacht aus Rauch und Nebel

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Loewe Verlag

Zusammenfassung zu “Nacht aus Rauch und Nebel”

Seit Flora eine „Wandernde“ geworden ist, seit sie jede Nacht bewusst die Reise nach Eisenheim antritt, seit sie herausgefunden hat, dass ausgerechnet ihr Vater der Schattenfürst ist, und seit sie einen wichtigen magischen Stein stahl und versteckte, hat sich ihr Leben vollkommen verändert. Der Eiserne Kanzler, der wichtigste Vertraute ihres Vaters in Eisenheim, ist hinter ihr her und bedroht ihre Freunde in der realen Welt, und ihr Freund Marian nimmt ihr übel, ihm den Stein nicht überlassen zu haben, denn er hätte seine Schwester vor einem Leben als Ungeheuer bewahren können. Während Floras beste Freunde Wiebke und Linus rund um die Uhr von einem Seelenwanderer bewacht und beschützt werden, breitet sich das Nichts in Eisenheim aus und Asche regnet vom Himmel. Ein Stadtteil nach dem anderen und viele Menschen fallen ihm seit Jahrzehnten zum Opfer, doch noch nie bewegte es sich so häufig voran.

Um seine Tochter zu schützen, sperrt der Schatttenfürst Flora im Buckingham Palast Eisenheims ein. Ihre Warnungen vor dem Eisernen Kanzler stoßen bei ihm auf taube Ohren. Und nicht nur das, er lässt sich außerdem vom Kanzler zu einer vollkommen sinnlosen vermeintlichen Lösung für das Problem mit dem Nichts überreden: Der Bau eines gigantischen Aquariums in den Pyramiden von Gizeh als Attraktion für die Bewohner Eisenheims. Floras Einwände beachtet er nicht, der Kanzler hat den Schattenfürsten unter Kontrolle. Die Schattenreiter, die Wächter Eisenheims, entziehen sich jedoch zunehmend dem Einfluss des Kanzlers, er verliert die Kontrolle über sie. Flora begegnet unterdessen der geheimnisvolle Mantikor. Wird er ihr im Kampf gegen das Nichts und den Kanzler beistehen oder steht er auf der anderen Seite? Um Eisenheim und seine Bewohner zu retten, muss Flora sich ihren Ängsten stellen und sich auf eine Reise ins Nichts begeben…

Wichtige Charaktere

  • Flora Gerstmann
  • Floras Vater Kasimir, Fürst der Schattenwelt
  • Floras Freund Marian Immonen
  • Floras beste Freunde Wiebke und Linus
  • Christabel, die Haushälterin
  • der Großmeister Fluvius Grindeaut
  • die Dame
  • Madame Mafalda
  • der Eiserne Kanzler Alexander von Berg
  • Amadé
  • Marians Schwester Ylva

Zitate

„Ich antwortete nicht, mein Körper war zu sehr damit beschäftigt weiterzuatmen. Stattdessen hing mein Blick an Marians Lippen, die immer wieder von Leichenblässe ins tiefste Finsternis umschlugen. Es dauerte einen Moment, bis der Schock beiseitewich und anderen Gefühlen Platz machte, einer trüben Brühe aus Empfindungen, die auf mich einströmte. Zunächst war da die Erleichterung darüber, dass es keiner der Einbrecher war, der mit einem Messer auf mich losging. Und ja, ich freute mich auch, Marian zu sehen. Doch gleichzeitig war da auch dieser Abstand. Allein der Gedanke daran schmeckte bitter. Wir waren kein Paar mehr, ich durfte mich nicht in seine Arme werfen, und wenn ich es mir noch so sehr wünschte.“

„Denn in diesem Augenblick brach die Hölle los.
Es begann mit einem ohrenbetäubenden Donnern, das direkt aus dem Innern der Erde zu kommen schien. So fühlte es sich jedenfalls an: als bräche etwas in der Tiefe unter uns weg. Der Balkon erzitterte, hinter mir erklang das Geräusch von Sandstein, der auf Sandstein mahlte. Rauchschwaden stiegen zu uns herauf, zusammen mit dem Geruch von Schwefel, der mir in die Nase biss.
Dann folgte ein weiteres Grollen, näher dieses Mal und so laut, dass ich befürchtete, es würde mir die Trommelfelle zerreißen. Gesteinsbrocken wirbelten durch die Luft, Staub drang mir in die Lungen. Ich fuhr herum, erkannte aus dem Augenwinkel, wie sich der Eiserne Kanzler schützend vor meinen Vater warf. Gerade noch rechtzeitig, bevor die Spitze der Pyramide zersplitterte wie gefrorenes Glas.“

Alle Teile der Schattenwelt-Dilogie

1. Stadt aus Trug und Schatten
2. Nacht aus Rauch und Nebel

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Leseprobe (PDF) beim Verlag

Persönliche Bewertung

Ein gelungener Abschluss für die faszinierend düstere Schattenwelt und ihre Charaktere

4 von 5

Wie im ersten Band erzählt Flora die Geschichte als Ich-Erzählerin, spannend und mit einer Prise Humor. Mechthild Gläsers Stärke liegt hier klar auf detailreichen Beschreibungen von Kulissen und Szenen. Flora selbst ist eine Hauptfigur, mit der sich die Hauptzielgruppe – jugendliche Mädchen – sicherlich gut identifizieren können. Sie wirkt authentisch und entwickelt sich von einer „normalen“, nicht besonders mutigen Jugendlichen zu einer Prinzessin, die Gefahren deutlich unerschrockener gegenübertritt, aber dennoch mitunter von Selbstzweifeln geplagt wird.

Zwar besteht einer der Handlungsstränge aus der problematischen Liebesgeschichte zwischen Flora und Marian – ihre Gegensätze, seine Enttäuschung darüber, dass Flora seiner Schwester nicht helfen kann (will?) und der Bruch, als Flora sich zwischen Marian und der Rettung Eisenheims entscheiden muss und Eisenheim den Vorzug gibt. Dennoch ist „Nacht aus Rauch und Nebel“ auch eine düstere und ernste und manchmal grausame Geschichte, die Probleme wie Alkoholismus und Folter anschneidet. Die Kulisse Eisenheims mit dem alles bedrohenden Nichts (das sicherlich viele an die unendliche Geschichte erinnern wird) bleibt auch in diesem zweiten Band faszinierend. Politik spielt hier eine ebenso wichtige Rolle wie in der realen Welt der wachen Menschen. Auch hier „lösen“ die Mächtigen ihre Probleme, indem sie das Volk ablenken, anstatt echte Lösungen zu finden. Auch hier gibt es Verrat und erschlichenes Vertrauen – der Kanzler erinnert hier an das klassische Märchenmotiv, den bösen Großwesir aus 1001Nacht. Ebenso flechtet Mechthild Gläser mit dem Luftschiff und dem U-Boot-ähnlichen Gefährt des Großmeisters typische Steampunk-Motive in ihre Geschichte ein.

Zwar wechselt die Handlung teilweise rasant zwischen der wachen Welt und der Schattenstadt, doch ist dies immer gut nachvollziehbar, denn es gibt zwar Ortswechsel, verwirrende Zeitsprünge bleiben jedoch aus. Insgesamt bleibt die Geschichte bis zum Ende fesselnd und löst sich mit einer interessanten Wendung auf. Es empfiehlt sich übrigens in jedem Fall, den ersten Band vorab zu lesen, denn dieser baut darauf auf und ist trotz einiger Wiederholungen der wichtigsten Ereignisse aus dem Vorgänger für sich allein gelesen nur schwer verständlich.

Fazit

Ein gelungener Abschluss einer Dilogie, die in einer düsteren faszinierenden Kulisse spielt und von interessanten Charakteren geprägt wird.

ISBN10
3785574452
ISBN13
9783785574454
Dt. Erstveröffentlichung
2013
Gebundene Ausgabe
397 Seiten
Empfohlenes Lesealter
Ab 13 Jahren