Mythos Bauhaus

Verlag
Reimer Verlag

Zusammenfassung zu “Mythos Bauhaus”

In diesem Bauhaus-Buch geht es nicht in erster Linie um den Bauhaus-Stil, oder gar um die Vertreter dieses Stiles, sondern es geht um die „Mythen“, die sich um das Bauhaus gerankt haben. Diese Mythen sollen zuerst einmal an das Tageslicht gehoben werden, um danach reflektiert und bewertet zu werden. Dieses geschah nicht nur in einsamer Schreibtischarbeit, sondern eine Gruppe hochkarätiger Wissenschaftler traf sich auf einer zweitägigen Tagung, deren Ergebnisse den Grundstein des Buches bildeten. So gibt es dann auch kein durchgängiges Thema, sondern jeder schreibt, was ihn so interessiert am Mythos Bauhaus. Wenn denn den Artikeln ein gemeinsames Element innewohnt, dann der Versuch, aus einem konkreten Bauhausobjekt, oder dem Werk eines konkreten Künstlers einen oder mehrere sogenannte „Bauhaus-Mythen“ zu konstruieren und diese dann zu reflektieren, einzuordnen oder auf ihre Folgen hin zu bewerten. So analysiert Robin Schuldenfrei unter dem Titel „Luxus, Produktion, Reprodukiton“ die Metallwerkstatt und deren Erzeugnisse unter konsumhistorischen Gesichtspunkten und unter diskurstheoretischer Zuhilfenahme von Walter Benjamins Aura-Konzept. Ganz anders Dietrich Neumann, der in seinem Beitrag „Barcelona Pavillon“, der eigentlich von Mies van der Rohe handelt, den Mythos entlarvt, dass das Deutsche Reich den Barcelona-Pavillion finanziert habe, und dabei auf die Rolle des IG Farben Managers und Reichskommissars Georg von Schnitzlers verweist. Ähnlich komplex sind alle Beiträge geraten– insgesamt sind es ihrer achtzehn Stück. Interessant im Layout: Abbildungen und Fußnoten sind in der Randspalte abgebildet und abgedruckt. Kurzbiografien der Autoren und Herausgeber runden das Buch über die Bauhaus-Mythen ab.

Zitate

„Im Bauhaus-Jubiläumsjahr erscheint nun dieses Buch, welches den neuesten Stand der Bauhausforschung festhält und die Erkenntnisse der Tagung „Die Bauhaus-Moderne und ihre Mythen“ in Bielefeld bündelt – eine neuartige, systematische Annährung an die Mythen, die das Bauhaus heute umranken. Wir freuen uns darüber, die hochkarätige Publikation unterstützen zu können.“

„Das Bauhaus hatte uns den Glauben vermittelt, es gebe eine scheinbar zeitlose Grammatik der modernen Kunst, deren Lehrer Itten, Klee und Kandinsky hießen. Die „vollständige Rationalisierung der Kunst“ schien machbar. Doch das war nicht der einzige Mythos, der seit den siebziger Jahren langsam zerbrach. Ebenso mächtig, wenn nicht noch mächtiger waren die Mythen, mit denen sich die Künstler zu Heroen und Pionieren einer neuen Kunst stilisierten, in der Kunst und Männlichkeit untrennbar waren. Diese Naturalisierung des kulturell-historisch Gewordenen ist das zentrale Thema der Genderforschung. …Dazu gehört der Mythos der männlichen Kreativität, der in deutlicher Abgrenzung und Abwertung des Weiblichen konstruiert wurde und zur Nobilitierung der gegenstandslosen Kunst beitrug.“

Persönliche Bewertung

Hardcore Sozial- und Kunst-Wissenschaft, leicht assoziiert an das Thema Bauhaus, ansonsten kaum auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen.

3 von 5

Harter Stoff zum Thema Bauhaus! Aber Vorsicht – hier geht es ja gar nicht so sehr um den Bauhaus-Stil, sondern vielmehr um die Mythen, die sich aus diesem Stil konstruieren lassen. Und derer sind es viele! So bekommt der Leser in diesem Buch achtzehn wissenschaftliche Aufsätze zu lesen, die irgendwie mit dem Bauhaus assoziiert sind, wenngleich sich das nicht immer leicht erschließt. Apropos leicht: Leicht ist in diesem Buch gar nichts, denn die Artikel wurden von Wissenschaftlern für Wissenschaftler geschrieben. Was den Otto-Normal-Leser zumeist schon von vorneherein ausschließt. Schade eigentlich, denn hinter all dem komplex und kompliziert geschriebenen Wort versteckt sich sicher die eine oder andere Idee, die es wert gewesen wäre, einer größeren Leserschaft zugänglich gemacht zu werden. Aber sicher werden diese Ideen bald von dem einen oder anderen eher populär-wissenschaftlich orientierten Sachbuch zum Bauhausstil aufgegriffen. Vorausgesetzt, irgendwer macht sich die Mühe, durch diese Texte wirklich durchzusteigen.

ISBN10
3496013990
ISBN13
9783496013990
Dt. Erstveröffentlichung
2009
Gebundene Ausgabe
367 Seiten

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