Mr. Peregrines Geheimnis

Autoren
Übersetzer
Kirsten Borchardt
Verlag
Heyne Verlag

Zusammenfassung zu “Mr. Peregrines Geheimnis”

Nach dem Tod seiner Eltern muss der elfjährige Darwen aus einer englischen Kleinstadt zu seiner Tante in den USA ziehen. An materiellem Wohlstand mangelt es nicht, doch Darwens Tante weiß wenig mit ihm anzufangen und ist damit überfordert, ihm in seiner Trauer beizustehen. Auch seine neue Schule verspricht wenig Trost: Darwen ist nun Schüler einer Eliteschule, an der Prestige und Klasse alles bedeuten und sein britischer Akzent ihn zum Außenseiter machen. Doch es gibt einen Lichtblick: Darwen freundet sich mit einer anderen Außenseiterin (Alexandra) und einem Sportler (Rich) an.

Auch außerhalb der Schule wird Darwen nicht langweilig. Als er im Einkaufszentrum einen höchst seltsamen Vogel bis in einen ebenso mysteriösen Laden verfolgt, macht er Bekanntschaft mit Mr. Peregrine und seinem Spiegelladen. Darwen bekommt sogar einen Spiegel geschenkt, den er in seinem Zimmer im Kleiderschrank versteckt aufhängt. Und dort macht er eine kuriose Entdeckung: Der Spiegel zeigt nicht sein Spiegelbild, sondern gibt den Blick auf eine andere Welt frei! Doch nicht nur das: Darwen gelangt durch den Spiegelrahmen in die fremde Welt und lernt dort die Talfee Motte kennen. So idyllisch Silbrica, die Welt hinter dem Spiegel, jedoch erscheint, auch hier lauert Gefahr in Form von unheimlichen Wesen wie Schrubblern und Knatschern. Im nächsten Archäologie-Club, den Darwen Rich zuliebe besucht, muss er außerdem feststellen, dass die Gefahr auch seine Welt bedroht, als sie bei ihren Ausgrabungen ein Skelett von einem Wesen finden, das Darwen von seinem Besuch in Silbrica sehr bekannt vorkommt…

Durch ihre Neugier muss Darwen Alexandra einweihen und sogar nach Silbrica mitnehmen, wo Mottes Welt kurz vor der Zerstörung ist. Als sie bei Mr. Peregrine Antworten suchen, erfahren sie von Toren innerhalb Silbricas, von Wächtern und davon, dass nur Darwen die Schrubbler und ihren unbekannten Verbündeten aus der Menschenwelt aufhalten kann. Also begibt er sich erneut in die Welt hinter dem Spiegel, um mit Alexandras Unterstützung die Wächter zu suchen. Als dann jedoch die ersten Wesen aus Silbrica in der Menschenwelt auftauchen und Mr. Peregrine überfallen wird, sind Darwen, Alexandra und Rich auf ihren eigenen Einfallsreichtum und Mut gestellt…

Wichtige Charaktere

  • Darwen Arkwright
  • Alexandra O’Connor
  • Richard „Rich“ Haggerty
  • Mr. Peregrine
  • Mr. Jasinski
  • Miss Murray
  • Chip Whittley und Nathan Cloten
  • Darwens Tante Honoria
  • Officer Perkins
  • Motte, die Talfee
  • Schrubbler, Knatscher und der Flitterfalk
  • das Schattum

Zitate

„Obwohl der Regen inzwischen heftiger fiel, war es noch immer warm. Darwen lief mit gesenktem Kopf über das Schulgelände und durch den Zypressenring auf das Einkaufszentrum zu. Die Bäume, die man hier gepflanzt hatte, um die Schule von den dahinterliegenden Geschäften abzuschirmen, waren tatsächlich viel jünger. Der ursprüngliche Baumkreis hätte einen Teil des Einkaufszentrums eingeschlossen – jenen Teil, in dem sich Mr. Peregrines Geschäft befand.
Vielleicht gibt es da einen Zusammenhang. Vielleicht hat dieser Ort etwas an sich…

„Darwen, der sich kaum zu atmen traute, bewegte sich nicht, aber dennoch kam das andere Wesen auf ihn zu, die dünnen Arme weit ausgebreitet. Er dachte verzweifelt nach, und im selben Augenblick, in dem Alexandra Kopf voran unter den Insektenbeinen des Geschöpfs an der Tür hindurchkroch, beugte er sich zum Tisch. Er nahm die Teetasse mit ihrem ekligen Inhalt und warf sie gegen eines der Fenster neben dem Herd.
Als das eine Ungeheuer, das ihm auf den Fersen gewesen war, zum Fenster sprang, sprintete Darwen los, rannte durch die Tür und rutschte unter den Beinen des anderen hindurch.“

Links

Leseprobe (PDF) beim Verlag

Alle Bände der Reihe

1. Mr. Peregrines Geheimnis
2. Darwen Arkwright and the Insidious Bleck (bisher nicht auf deutsch erschienen)
3. Darwen Arkwright and the School of Shadows (bisher nicht auf deutsch erschienen)

Persönliche Bewertung

Phantasievolle Geschichte, deren Übersetzung leider ihrem Inhalt nicht gerecht wird

4 von 5

Die Geschichte um Darwen nimmt ihren Anfang im typischen Ausgangspunkt eines Jugendbuches: Ein Jugendlicher zieht an einen neuen Ort und muss sich an einer neuen Schule zurechtfinden, weil die Eltern gestorben (oder manchmal auch nur umgezogen) sind. Er sucht nach Erklärungen für ihren Tod, nach einem Platz im Leben, und muss mit seiner Trauer zurechtkommen. Die neue Schule entpuppt sich als ein Ort, der seine Eingewöhnung an das neue Zuhause keineswegs fördert, auch die Mitschüler stellen Darwen vor Herausforderungen. Zwar sind es keine verschiedenen Hautfarben, die Schüler voneinander trennen, doch führen Klassenunterschiede zu ähnlicher Gruppenbildung wie unterschiedliche ethnische Herkünfte. Der Autor thematisiert hier das Thema Mobbing und Ausgrenzung, zeigt jedoch auch einen Ausweg auf: Mit Alexandra, die sich nicht unterkriegen lässt, und durch die Darwen lernt, sich vor anderen zu behaupten. „Mr. Peregrines Geheimnis“ ist neben der abenteuerlichen und fantastischen Komponente darum ebenso eine Freundschaftsgeschichte.

Durch einen Spiegel in eine andere Welt: Es ist ein bekanntes Motiv, das Hartley hier aufgreift (ebenso die Quelle der Energie), doch ist die Welt, die Darwen durch seinen Spiegel kennenlernt, so komplex und dank der Portale und Wächter so vielseitig, dass man dem Autor keinen Mangel an Innovation vorwerfen kann. Zu skurril sind seine Gestalten, die Schrubbler und Knatscher, die Talfeen und Flitterfalken. Man fühlt sich mit Darwen an Harry Potter, aber durch Silbrica auch an Narnia und die absonderlichen Kreaturen in Alices Wunderland erinnert, die noch so viel Potenzial für weitere Bände bieten. Eine weitere Besonderheit an A. J. Hartleys Geschichte: Er setzt weniger auf fantastische, unerklärliche Phänomene, sondern bezieht ganz reale naturwissenschaftliche Prinzipien in seine Geschichte mit ein, die sich durch die Geschichte ziehen (der Archäologie-Club und das Projekt der „Blide“, die Darwen und seine Freunde konstruieren) und mit denen die Hauptfiguren ihre Probleme lösen (das Prinzip der Antimaterie).

Dank der Fantasie ihres Autors mangelt es der Geschichte zu keinem Zeitpunkt an Spannung. Allein die Auflösung am Ende der Geschichte ist teilweise vorhersehbar – Leser, die gut aufpassen, können die Lösung erahnen. Dies tut dem Lesespaß jedoch keinen Abbruch. Neben den einzigartigen Bewohnern von Silbrica sind es vor allem die drei Figuren der Jugendlichen und Mr. Peregrine, die der Geschichte Leben verleihen. Darwen als Hauptperson und intelligenter Sympathieträger, sein sportlicher Freund Rich und die zwar anstrengende aber erfreulich selbstbewusste Alexandra, der man dank ihres schrägen Äußeren auch ihre klischeehafte Neigung zu Glitzer und „Mädchenfarben“ verzeiht. Ein wenig schade ist, dass der Autor die Mädchen der Klasse gemäß ihrer Rollenklischees stöhnen lässt, als sie mit einem naturwissenschaftlichen Projekt konfrontiert werden. Auch dass es in Darwens Gruppe die Jungen sind, die für die Technik verantwortlich sind, während Alexandra das fertige Werk in ihren Lieblingsfarben bemalt, trägt nicht zu einem modernen Geschlechterbild bei. Hier würde man sich einen kritischeren Umgang mit Klischees wünschen.

Das größte Manko dieses Romans ist seine Sprache. Ein stichprobenartiger Vergleich mit dem englischen Original zeigt, dass dies nicht an A. J. Hartley liegt, sondern an einer Übersetzung, die dem Zauber seiner Fantasie leider nicht gerecht wird. Zugegeben stellt das Buch seine Übersetzer vor eine schwierige Aufgabe: Fantasienamen und verschiedene Dialekte müssen übersetzt werden. Der für die Geschichte wichtige Unterschied zwischen Darwens Britischem Englisch und dem Amerikanisch seiner Mitschüler ist praktisch unmöglich zu übersetzen und mutet daher mit Worten wie „jau“ oder „grottengrausam“ sonderbar an. Auch die Übersetzungen der Namen wirken zum Teil leider eher ein wenig seltsam („Scrobbler“ werden zum Beispiel zu „Schrubblern“). Sprachlich hätte man dem Autor und seiner vielseitigen faszinierenden Welt eine magischere, eine poetischere oder einfach eine sprachgewandtere Übersetzung gewünscht.

Fazit

A. J. Hartley versteht es, Welten zu erschaffen und Geschichten zu erzählen. In der deutschen Ausgabe des Buches trübt die Übersetzung ein wenig die Lesefreude und nimmt der faszinierenden Welt von Silbrica einiges von ihrem Zauber. Nichtsdestotrotz weckt dieser erste Band Lust auf seine Nachfolger!

Originaltitel
Darwen Arkwright and the Peregrine Pact
ISBN10
3453267648
ISBN13
9783453267640
Dt. Erstveröffentlichung
2013
Gebundene Ausgabe
464 Seiten
Empfohlenes Lesealter
Ab 12 Jahren