Mensch und Kultur

Band 9 der zusammengefassten Werke von C. G. Jung

Autoren
Verlag
Walter Verlag

Zusammenfassung zu “Mensch und Kultur”

In „Mensch und Kultur“ werden, wie in den anderen Bänden der Reihe auch, Reden, Vorträge und Schriften des 1875 geborenen Psychologen C. G. Jung thematisch zusammengefasst. Das erste Kapitel handelt vom „Werden der Persönlichkeit“ und grenzt grandios Persönlichkeit vom Erziehungsziel des „zur Persönlichkeit erziehen“ ab. In „Die Frau in Europa“ werden die vielfältigen Konfliktfelder, in welche die Frau der Gegenwart verstrickt ist, scharfsinnig analysiert. „Die Ehe als psychologische Beziehung“ skizziert die grundlegend verschiedenen Betrachtungsweisen von Männlein auf Weiblein auf ihre Ehe beziehungsweise die Beziehung. Das vierte Kapitel „Die Lebenswende“ schreibt über das Leben, nachdem dessen Mitte de facto überschritten wurde, und plädiert dafür, den (nahenden) Tod als Bestandteil des Lebens zu betrachten. Das fünfte Kapitel befasst sich mit der „Seele und dem Tod“, hier wird als Erklärungsmodell häufig der Archetypus herangezogen. „Das Gewissen in psychologischer Sicht“ klärt über individuelle Entscheidungsmuster auf (die oft gar nicht so individuell sind), und versucht zur Herausbildung eigenständiger Wertvorstellungen zu ermuntern. In das „Gute und Böse der analytischen Psychologie“ wird die Materie extrem komplex und ist für den Laien kaum noch verständlich. „Psychologie und Dichtung“ ist als eigenständiges Kapitel für jeden Dichter und Literaturstudenten von Interesse. Das Kapitel „Die träumende Welt Indiens“ wie auch die beiden nachfolgenden „Zur Psychologie der östlichen Mediation“ und „Was Indien uns lehren kann“ entführen den Leser tief in die Welt Indiens, die nach Meinung des Autors ganz anders denkt und fühlt als der Westen. Im Kapitel „Vorwort zum I Ging“ befasst Jung sich mit mit gleichnamigen Orakel, vielmehr mit der tatsächlichen Aussagekraft desselben. Die beiden Kapitel „Die Visionen des Zosimos“ und „Paracelsus als Arzt“ sind sehr spezifisch und wohl eher für ein Fachpublikum gedacht. In „Sigmund Freud“ setzt C. G. Jung sich mit seinem großen Mentor, Mit- und Gegenspieler auseinander und bewertet dabei dessen Lebenswerk.

Zitate

„Das Bewußtsein bewegt sich in engen Schranken, eingespannt in eine kurze Zeitstrecke zwischen Anfang und Ende, die erst noch etwa um ein Drittel durch periodischen Schlaf verkürzt wird. Das Leben des Körpers dauert etwas länger, es fängt stets früher an und hört sehr oft später auf als das Bewußtsein.“

„Die sogenannte Gegenwart ist eine dünne Oberflächenschicht, die in den großen Zentren der Menschheit erzeugt wird. Ist sie sehr dünn, wie im frühen Rußland, so ist sie irrelevant; erreicht sie eine gewisse Stärke, dann spricht man von Kultur und Fortschritt, und dann entstehen die Probleme, die für eine Zeit charakteristisch sind. In diesem Sinn besitzt Europa eine Gegenwart, und es gibt Frauen, die in ihr leben und an ihren Problemen leiden. …So ist die Frau vielfach und unlösbar verknüpft mit der Welt des Mannes und daher, ebenso wie er, allen Erschütterungen seiner Welt ausgesetzt.“

Weitere Bücher von C. G. Jung aus der Reihe

Grundfragen zur Praxis
Archetyp und Unbewusstes
Persönlichkeit und Übertragung
Traumsymbole des Individuationsprozesses
Symbol und Libido
Heros und Mutterarchetyp

Persönliche Bewertung

Erspart das Lesen moderner Ratgeberliteratur zu den Fragen Erziehung, Beziehung, Lebensmitte und Lebenssinn

5 von 5

Sicher enthält dieses Buch einige Kapitel, die für den Laien kaum lesbar sind (siehe Inhaltsangabe). Aber die Kapitel in den ersten zwei Dritteln dieses C. G. Jung Bandes sind in ihrer Aktualität kaum zu überbieten. Mit seinen Anmerkungen zur „Erziehung zur Persönlichkeit“ könnte Jung heute jederzeit als Bestsellerautor in den Markt für Erziehungsliteratur einstiegen (These: nur Persönlichkeiten können Kinder zu Persönlichkeiten erziehen, und gerade Kindererzieher sind oft keine Persönlichkeiten, womit sich die Katze in den Schwanz beißt). Gleiches gilt für das Kapitel über die Rolle die Frau, die Ehe und die Lebenswende – jedes Wort ist eine Bereicherung und ersetzt ein halbes Dutzend der in den Buchhandlungen ausliegenden Ratgeberliteratur. Unglaublich scharfsinnig analysiert Jung komplexeste Problemfelder. Zwar sind seine Sätze lang, und wirken auf den ersten Blick sperrig, hat man sich in die Sprache jedoch erst mal eingelesen, bewundert man nicht nur Jungs Gedankenreichtum, sondern auch seine Sprachgewalt und -gewandtheit, die es bei aller Brillanz nie an einer Prise Humor fehlen lässt. Ein unglaublich farbiger Blick auf die Welt zwischen den real fassbar Dingen eröffnet sich dem Leser – am Ende bleibt nur die Frage: Wenn das alles schon mal gedacht und geschrieben wurde, warum sind dann die Ratgeberregale der Buchhandlungen so voll mit Büchern, die um dieselben Themen kreisen, und auf vielen Seiten so viel weniger zum Thema zu vermelden haben??? Unbedingte Leseempfehlung!

ISBN10
3530407895
ISBN13
9783530407891
Dt. Erstveröffentlichung
2000
Gebundene Ausgabe
303 Seiten