Melkvieh Mittelschicht

Wie die Politik die Bürger plündert

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Redline Verlag

Zusammenfassung zu “Melkvieh Mittelschicht”

Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler Clemens Wernhoff, der seit 2002 in einem DAX-Konzern für die betriebliche Altersvorsorge zuständig ist, legt hier ein sehr fundiertes Werk über den Zugriff des Staates auf die Arbeitnehmereinkommen vor. In einem leicht lesbaren Schreibstil erläutert Wernhoff komplexe finanzpolitische Phänomen und entlarvt die alltäglich üblichen Phrasen der Politiker als das, was sie sind, als Verschleierungen oder gar als Lügen. Wernhoff beginnt mit der Phrase „Die Leute haben mehr Geld“, die er gekonnt entlarvt, indem er die Gehaltsabrechnung eines Durchschnittsverdieners durchdekliniert, angefangen damit, wie Fiskus und Sozialversicherung bei Gehaltserhöhungen die Hand aufhalten, bis hin zu Inflation und indirekten Steuern als „leisen Lohnräubern“. Das zweite Kapitel titelt mit „Starke Schultern tragen mehr als Schwache“, hier werden die Denkweisen und Denkfehler der Umverteilungspolitiker auseinandergenommen und vorgeführt. Dass irgendetwas mit dem Sozialversicherungssystem nicht so ganz stimmt, ist wohl fast jedem klar, aber was es mit diesem Gefühl konkret auf sich hat, welche Fehlfunktionen dafür sorgen, dass der Arbeitnehmer für immer mehr Geld immer weniger Leistung erhält, und wohin dieses viele Geld fließt, wird im Kapitel drei unter der Überschrift „Sozialversicherungen sind soziale Versicherungen“ beschrieben. Das Kapitel „Die Krankkassen sind unterfinanziert“ setzt sich mit diesem Dauerthema der deutschen Politik auseinander, unter ausgesprochener Würdigung der einflussreichen Lobbyisten-Verbände. Das fünfte Kapitel ist einem weiteren Dauerbrenner gewidmet: der „Rente“. Richtig unangenehm wird es in Kapitel sechs, in dem es um die angebliche „Gerechtigkeit“ des deutschen Steuersystems geht. Nicht nur, dass dieses natürlich alles andere als gerecht ist, zudem nimmt es einen weiteren ausgesprochen unangenehmen Irrweg, indem es auf „Überwachung statt Vereinfachung“ setzt. Hier lauert explosives Ungemach auf den deutschen Steuerbürger. Mit der allgegenwärtigen Phrase „Steuersenkungen können wir uns nicht leisten“ setzt sich das siebente Kapitel auseinander. Wie in jedem anderen Kapitel versucht Wernhoff auch hier, Alternativen zum derzeitigen Desaster aufzuzeigen, und beschreibt auf Seite 176 einen „Weg zu gesunden Staatsfinanzen“. Kapitel acht greift wiederum eine fast alltägliche Headline auf, die vom „Exportweltmeister“. Der Autor fragt, ob weniger Lohn bei mehr Export tatsächlich gut für den Arbeitnehmer ist, oder ob sich das Ganze nicht vielleicht doch genau andersherum verhalten könnte. Nachdem Kapitel eins bis acht aufs Feinste untermauert haben, dass die Arbeitnehmer tatsächlich das „Melkvieh“ sind, werden in der „Arbeitnehmer-Agenda“ des neunten Kapitels konkrete, wohl auch umsetzbare Vorschläge unterbreitet, wie sich dieser Zustand ändern ließe. Womit dem mündigen Bürger, an den Autor appelliert und für den er dieses Buch geschrieben hat, konkrete (und wohlbegründete) Forderungen in die Hand gegeben werden, die er an „seine“ Politiker stellen könnte.

Zitate

„Denn obwohl das Grundgesetz den Schutz des Eigentums garantiert – für eine ganz bestimmte Art des Eigentums gilt das offenbar nicht: für die Löhne und Gehälter der Arbeitnehmer. Mit größter Selbstverständlichkeit greift der Staat immer gieriger auf sie zu. Schon ein Durchschnittsverdiener arbeitet fast sieben Monate im Jahr nur für das Finanzamt und sogenannte Sozialversicherungen – Tendenz steigend.“

„Besonders bedenklich ist auch die Selbstverständlichkeit, mit der in den letzten Jahren mittels ständig neuer Überwachungsgesetze die Bürgerrechte immer weiter beschnitten werden.“

„Die Arbeitnehmer leiden nicht nur unter der Grundeinstellung vieler Politiker, die Lohn und Gehalt der Arbeitnehmer als frei verfügbare Masse für ‚politische Gestaltungsoptionen‘ ansehen. Zusätzlich bleibt Deutschland weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Denn in den Parteien herrscht ein gewaltiger Mangel an ökonomischem Sachverstand. In Verbindung mit der Dominanz von Berufspolitikern, die außerhalb der Politik oder des öffentlichen Dienstes keine nennenswerte Berufserfahrung vorweisen können, führt das dazu, dass riesige Geldsummen in unnötiger Bürokratie versickern und selbst einfachste Zusammenhänge nicht verstanden werden – oder nicht verstanden werden wollen. Viel Politiker halten stattdessen lieber ihrem falschen, statischen Denkansatz die Treue, wonach ein bestimmter, unveränderlicher Kuchen zu verteilen sei. Folglich sehen sie die einzige Möglichkeit für die Umsetzung ihres obersten politischen Ziels – die Steigerung der staatlichen Einnahmen – in der Erhöhung der Steuern und Abgaben.“

„Das bedeutet also: Wenn sich die Arbeitnehmer nicht wehren, werden sie weiterhin das Standardopfer der Politik bleiben. So groß der Frust also auch ist – Nichtwählen ist deshalb keine Alternative. Schließlich zählt für die Politiker nicht, was die Mehrheit der Bevölkerung denkt, sondern welcher Partei die Mehrheit der abgegebenen Stimmen zukommt. Wer nicht wählt, hat damit auch eine Wahl getroffen: nämlich die, das andere entscheiden.“

Persönliche Bewertung

Geschrieben für den Bürger, der verstehen will, um dann vielleicht seine Rechte zu artikulieren.

4 von 5

Ein in gut lesbarem Stil und mit viel Sachverstand geschriebenes Buch über ein echtes Reizthema. Der Autor vermeidet jedweden demagogischen Tonfall. Er vermeidet es, den Leser mit Statistiken und unverständlichen Wissenschafts-Formulierungen zu erschlagen. Also eine empfehlenswerte Lektüre für jedermann, der noch die Hoffnung hegt, dass es doch noch möglich sein könnte, der Spirale aus immer mehr Steuern und Abgaben, die sogleich in immer undurchsichtigeren Kanälen versickern, gekoppelt an eine zunehmende Überwachung durch den Staat, die sicherstellen soll, dass dieses Geld auch eingetrieben wird, zu entkommen. Ob das klappen kann, wird die Zukunft zeigen. Ob es tatsächlich noch hilft, zur Wahl zu gehen, wie Wernhoff empfiehlt, steht auf einem anderen Blatt. Aber auch ohne den Vorschlägen und Schlussfolgerungen des Autors zu folgen, bleibt festzuhalten, dass dieses Buch auf jeden Fall eine exzellente, unaufdringliche, unaufgeregte Analyse der bestehenden Situation vornimmt. Und das ist schon viel mehr, als viele andere Bücher zu diesem Reizthema zu sagen haben.

Fazit: Präzise, unaufgeregte Bestandsaufnahme eines Ist-Zustandes, ergänzt um fundierte Vorschläge, welche die Hoffnung erwecken, die erdrückende Spirale aus Abgaben, Steuern und Überwachung ließe sich noch stoppen. Herausragend: der Schreibstil, der selbst komplizierteste Zusammenhänge klar verständlich erscheinen lässt.

ISBN10
3868810226
ISBN13
9783868810226
Dt. Erstveröffentlichung
2009
Gebundene Ausgabe
220 Seiten