Melina und das Geheimnis aus Stein

Autoren
Illustrator
Felicitas Horstschäfer
Verlag
Ravensburger Buchverlag
Anspruch
5 von 5
Lesespaß
5 von 5
Schreibstil
5 von 5
Spannung
4 von 5

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Zusammenfassung zu “Melina und das Geheimnis aus Stein”

Es ist Melinas erster Schultag an ihrer neuen Schule, und er läuft nicht gut. Auch zu Hause ist Melina unglücklich: Seit ihr kleiner Bruder Jonas starb, kümmert sich ihre Mutter nicht mehr um ihre Tochter und den Haushalt. In ihrer Trauer liegt sie häufig im Bett, sogar ihr Frühstück muss Melina sich selbst machen. Wie gut, dass Melina Dinge durch ihre Berührung zum Leben erwecken kann! Ihr Trost und einzige Freundin ist das Playmobilmädchen Pippa, das Melina immer in ihrer Tasche mitnimmt und mit dem sie spricht. Bei einem Besuch des Friedhofs, auf dem ihr Bruder liegt, kommt sie auf die Idee, etwas Größeres zum Leben zu erwecken: einen geflügelten Jungen aus Stein, Will. Zunächst kann Melina bestimmen, wann Will zum Leben erwacht und wann sie ihn – nachdem er ihr Gesellschaft geleistet hat – wieder zu Stein erstarrt. Doch Will beginnt sich nach der Welt außerhalb des Friedhofs zu sehnen, nach einer Familie, einem Menschenleben…

Neben Will und Pippa scheint Melina nun auch eine Menschenfreundin gefunden zu haben: Jessie, ein Mädchen aus ihrer Klasse. Da sie niemandem von ihrer Fähigkeit erzählen möchte, gibt Melina Will als ihren Cousin aus, was jedoch zu weiteren Fragen und Problemen führt. Und auch Melina selbst verändert sich: Sie nutzt es aus, einen so übermenschlich starken Freund wie Will zu haben, um sich gegen Maik aus ihrer Klasse zu wehren. Schließlich ist ihr der Steinjunge hörig und was soll es schaden, ihn um Hilfe zu bitten? Nachdem er feststellt, wie er Maik und seinem kleinen Bruder Angst eingejagt und Maik wehgetan hat, ist Will jedoch nicht mehr der Meinung, das Richtige getan zu haben. Er entfernt sich von Melina und freundet sich mit Jessie an…

Wichtige Charaktere

  • Melina Bender
  • Pippa, ein vorlautes Playmobil-Mädchen
  • Will, ein Junge aus Stein
  • Melinas Eltern
  • Jonas
  • Jessica „Jessie“ Muth
  • Maik und sein kleiner Bruder Tim
  • Hubertus

Zitate

„‚Ich meine nur, wir könnten doch mal wieder Urlaub machen?‘ Das war der falsche Satz. Wir wollten im Sommer nach Italien ans Meer fahren. Mit Jonas. Ich will die Worte wieder zurück in meinen Mund stopfen und runterschlucken. Da sollen sie liegen bleiben, tief unten auf dem Grund meines Magens, bei dem Klumpen Salz-Popcorn.
Im blauen Licht des Fernsehers sehe ich, dass Mamas Gesicht wieder zu versteinern beginnt. Bis die Mundwinkel so schwer sind, dass sie sich nicht mehr für ein Lächeln heben können, bis selbst ihre Stimme so flach und farblos klingt wie die Eiswüste von Lappland.“

„Paps und ich werfen uns über den Tisch einen Blick zu. Dann versuchen wir beide, unsere letzten Nudeln ganz langsam zu essen. Ich schließe die Augen und schmecke die Sonne und den Regen, die das Gemüse zum Wachsen gebracht haben, schmecke die Kräuter, die wir gemeinsam gezupft haben.
Will hat Recht. Es ist wirklich gut.“

Persönliche Bewertung

Zauberhafte und nachdenkliche Freundschaftsgeschichte

5 von 5

Auf den ersten Blick ist „Melina und das Geheimnis aus Stein“ vor allem eine Freunschaftsgeschichte zwischen unterschiedlichen Charakteren, die Geschichte um ein einsames Mädchen, das sich einen Freund erschafft, weil es im echten Leben schwieriger scheint, Freundschaften zu schließen. Es geht um die Frage „Was ist Freundschaft?“ und „Kann man diese erzwingen?“, doch daneben ist dieses Buch noch so viel gehaltvoller, als es zunächst scheinen mag: Zunächst geht es um die Ausgangssituation, die Trauerbewältigung Melinas und ihrer Eltern, den unterschiedlichen Umgang verschiedener Menschen mit dem Tod und dem Verlust eines Familienmitgliedes. Melina sieht sich zusätzlich mit Einsamkeit und der Vernachlässigung durch ihre Eltern konfrontiert. Vor allem ihre Mutter ist so in ihrer Trauer gefangen, dass sie den Blick für ihr verbleibendes, lebendes Kind und dessen Bedürfnisse verloren hat.

Darüber hinaus macht „Melina“ auch in Bezug auf andere Themen nachdenklich: Es ist eine Geschichte über Machtmissbrauch, über die Verantwortung für das selbst geschaffene Leben. Es geht um Rache und Vorurteile, um die zwei Seiten von Menschen, die einem verborgen bleiben, so lange man ihnen nicht in anderen Umständen begegnet: In der Geschichte wird dieser Umstand durch Maik verkörpert, der in der Schule Melina hänselt, sich zu Hause jedoch rührend um seinen kleinen Bruder Tim kümmert. Sehr erfreulich ist, dass die Autorin mit konservativen Geschlechterklischees bricht: Melinas Freundin Jessie spielt Fußball und bekommt zum Geburtstag einen Fußball mit den aufgedruckten Unterschriften der Nationalmannschaft. Und nicht zuletzt findet sich eine Anspielung auf die Geschichte des Golems, der Leserinnen und Lesern Anlass bieten könnte, sich mit diesem klassischen Mythos zu beschäftigen.

Die Geschichte spielt klar in der heutigen Zeit (daran zu sehen, dass zum Beispiel ein Schüler mit seinem Handy filmt) und wird aus Melinas Sicht als Ich-Erzählerin mit dem Leser geteilt. Die vereinzelten grammatikalischen Fehler (Zeitenwechsel) sind sicherlich darauf zurückzuführen, dass eine authentische Sprache gewählt wurde, die einem etwa zehnjährigen Mädchen gerecht wird. Schade ist, dass sich die Autorin einen kleinen Schnitzer leistet: Das Rosarot im Farbkasten wird als “normale Hautfarbe” bezeichnet – natürlich ist die fragwürdige Aussage dahinter nicht gewollt, doch solche unbedachten Beschreibungen tragen nicht zu einer antirassistischen Erziehung bei.

Die Handlung ist nicht auf Humor ausgelegt, verleitet aber stellenweise zum Schmunzeln: wenn zum Beispiel Melina Will die Welt erklären muss – ähnlich wie man einem Kind Dinge zeigt und versucht begreiflich zu machen, die es nicht versteht. Junge (und auch ältere) Leser werden hierdurch dazu angeregt, über vermeintliche Alltäglichkeiten nachzudenken: „Wie funktioniert ein Auto? Was ist Strom? Warum schreiben Menschen Briefe?“

Es sind die Kleinigkeiten, die diese Geschichte so authentisch und bezaubernd machen: Melinas Lieblingsspeise Nudeln „mit dem ganzen Garten“ (Gemüse), das Herbarium für die Schule, ihre Erinnerung, wie ihre Mutter ihr gezeigt hat, wie man Popcorn macht. Marlene Röder erzählt zauberhaft und einfühlsam aus Melinas Sicht. Treffende Beschreibungen, eine sehr bildhafte Sprache mit Metaphern und eine Handlung, die zwar nicht durchgängig auf klassische Spannung aufbaut, aber dennoch auf jeder Seite Abwechslung und Gedankenanregungen bietet, sorgen für höchsten Lesespaß.

Fazit

Ein Buch, das genauso bewegt wie es unterhält und verzaubert. Wunderbar, wie Marlene Röder auf subtile Weise Themen wie Trauerbewätigung, Freundschaft und Machtmissbrauch anspricht und damit wichtige Gedankenanregungen schafft.

ISBN10
347336861X
ISBN13
9783473368617
Dt. Erstveröffentlichung
2013
Gebundene Ausgabe
224 Seiten
Empfohlenes Lesealter
Ab 10 Jahren

Eine Antwort zu
Melina und das Geheimnis aus Stein

  1. Melina

    5 von 5

    DAS MUCH IST ECHT SUPER UND EURE SEI­TE IST SEHR HILF­REICH ZU DEM BUCH. DAN­KEE­E­E­E­EE !!!!!!!!!!!!

  2. Minka

    5 von 5

    Dan­ke für den Arti­kel. Ich muss ein Refe­rat über das Buch machen und das ist end­lich mal ein hilf­rei­cher Arti­kel.

  3. Maria

    5 von 5

    Ich muss­te, wie auch Min­ka, ein Refe­rat zu dem Buch machen. Die­se Sei­te ist wirk­lich sehr hilf­reich und infor­ma­titv. Vie­len Dank!! :D