Mach das! Lass das!

Erziehung für kleine und große Anfänger

Autoren
Illustrator
Sepp Buchegger
Verlag
Klöpfer & Meyer Verlag

Zusammenfassung zu “Mach das! Lass das!”

In diesem Erziehungsratgeber geht es darum, durch Perspektivwechsel zu einem entspannten Umgang mit vielen allgegenwärtigen Ge- und Verboten in der gängigen Erziehungspraxis zu gelangen. Geschrieben wird nicht aus dem Blickwinkel der allwissenden Autorin, sondern es wird versucht, dass innere Kind im Erwachsenen anzusprechen. So wird der Leser beispielsweise geduzt. Auch der Stil sämtlicher Erklärungen ist eher an frühe Teenager als an Erwachsene gerichtet. Die Themen sind jedoch allesamt Erziehungs-Klassiker, die Eltern und Kinder gleichermaßen betreffen. Eröffnet wird mit ‚Lies doch mal ein Buch‘. Hier werden im Du-Erklärungs-Stil reichlich Klischees zur Wichtigkeit des Lesens für das Leben auseinander genommen, frei nach der Devise: Allein vom Lesen ist noch kein Kind perfekt geworden. Das nächste Reizthema ‚Mach den Kasten aus!‘ handelt vom Sinn- und Unsinn des Fernsehens. Es entschärft die vielbeschworenen Gefahren des Fernsehens und führt vor, dass auch Erwachsene allzu gerne vor der Glotze hängen, obwohl es sich mittlerweile herumgesprochen hat, dass Fernsehen dick und dumm macht. Weiter geht es mit allseits beliebten Floskeln, wie beispielsweise ‚Verschwende kein Taschengeld‘, ‚Lern was für die Schule!‘, ‚Iss nicht so viel Süßes!‘, ‚Geh endlich ins Bett!‘, ‚Räum dein Zimmer auf!‘ und schließlich mit der täglichen Aufforderung wohlmeinender Eltern an ihren Sprössling ‚Erzähl was von dir!‘. Jeden dieser altbekannten Sprüche beleuchtet die Autorin jeweils aus der Perspektive der Eltern und der Kinder- bzw. korrekter Teenager. Sie versucht beide Standpunkte zusammenzubringen. Warum nerven die Eltern so mit ihren Sprüchen (Weil sie manchmal gar nicht so genau über das nachdenken, was sie da sagen) und Warum mögen die Kinder so selten einfach nur gehorchen und sollten es vielleicht doch tun (Weil nämlich manchmal auch was dran ist, an dem die Eltern sagen). Insgesamt eine ausgewogene Darstellung, die um die 99 besten Ausreden ergänzt wird, die Kinder an ihren Eltern ausprobieren können. Illustriert ist im übrigens nicht jede Seite, sondern vornehmlich die Eingangsseiten der Kapitel – im Familien-Kalender-Comic-Stil.

Zitate

„Eltern und Kinder können dieses Buch miteinander, gegeneinander und auch allein lesen. Am besten eignet es sich zum Vorlesen.“

„Das die Eltern selber oft vor dem Fernseher kleben bleiben, vergessen sie in solchen Momenten immer. Vor dem Computer bleiben sie seltener hängen, der ist für sie eher ein Arbeitsinstrument. Aber manchmal fragst du dich, warum Erwachsene den Spaß, den sie beim Fernsehgucken haben, so oft verleugnen.“

„Sind Erwachsene Aufräumhelden? Viel mehr Aufräumtipps wollen wir nicht geben, denn schließlich ist eines noch langweiliger als das Aufräumen selbst: zu lesen, wie man richtig aufräumt. Man sollte es nicht glauben, aber die Erwachsenen lieben es, solche Ratgeber zu lesen oder zumindest zu kaufen. Ein Buch voller Tipps zum Aufräumen steht auf einem der oberen Plätze der Bestsellerliste des vergangenen Jahrzehntes. Es steht auf der Liste der Sachbücher, also nicht auf der Liste, auf der die Harry-Potter-Bücher stehen. Auf der Liste der meistverkauften Bücher belegt Harry Potter übrigens die ersten drei Plätze. Potter scheint mehr Spaß zu machen als Aufräumen. / Die große Nachfrage nach dem Aufräumbuch zeigt, dass auch die Erwachsenen mit der Ordnung kämpfen. Auch sie bekommen die Ordnung nicht so leicht hin, wie es immer scheint.“

„Ausrede Nr. 78: Wenn ich schlafe, habe Albträume, deshalb schlafe ich nur kurz.“

„Ausrede Nr. 88: Dein Schreibtisch sieht auch nicht besser aus als mein Zimmer.“

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Leseprobe beim Verlag

Persönliche Bewertung

Manchmal amüsant und gelassen, manchmal etwas versteckt belehrend. Nur die Zielgruppe ist völlig unklar!

3 von 5

Nun ja! Mehr Gelassenheit in der Erziehung ist eine Meinung, die in der Vielfalt der Stimmen auf dem Erziehungsratgebersektor immer häufiger ertönt. Hier wird mal ein etwas anderer Ansatz versucht. Die Autorin, studierte Pädagogin und Kulturwissenschaftlerin, gelernte Redakteurin beim Schwäbischen Tagblatt und Mutter zweier Söhne, versucht der Gelassenheit durch einen Perspektivwechsel nahezukommen. Sie betrachtet die Welt aus der Sicht der Heranwachsenden. Versucht zu ergründen, was die Erwachsenen wohl dazu bringt, so komischer Dinge wie Bücherlesen und rechtzeitig schlafen zu gehen oder Hausaufgaben zu machen permanent in den Vordergrund zu stellen. Dabei wird auffällig, dass die Erziehungsanforderungen oft gar nicht so uneigennützig sind, wie die Erwachsenen es immer darstellen, und das sich die Erwachsenen vor allem selbst nicht immer daran halten. Aber während die Autorin die Sichtweise des zu erziehenden Kindes einnimmt, verlässt sie diese doch immer wieder, um in auf Teenager getrimmtem Tonfall doch noch Lebensweisheiten oder Welterklärungen unterzujubeln. Etwas unentschieden also das Ganze. So weiß man am Ende gar nicht, wer eigentlich angesprochen wird. Die Kinder oder die Erwachsenen? Aber die Autorin sagt es selbst – dieses Buch ist zum gemeinsamen Vorlesen gedacht. Aber – wie peinlich wäre denn das? Zumindest aus Sicht eines Teenagers? Also: Zielgruppe verfehlt. Aber ganz sicher ist dieses Buch, wenn auch sonst nicht viel mit ihm anzufangen ist, immer noch eine super Geschenkidee für aufgeklärte Teenager, die auf Lockerung bei den elterlichen Ermahnungen spekulieren. Einfach mal an die den eigenen Eltern verschenken! Wohl selten wird ein Buch für mehr Freude sorgen. Denn endlich fühlen sich die Eltern mal ernst genommen – auf pseudohumorvolle Weise versteht sich.

Fazit

Manchmal amüsant und gelassen, manchmal etwas versteckt belehrend. Nur die Zielgruppe ist völlig unklar! Teenager neigen selten dazu, Erziehungsratgeber zu lesen.

ISBN10
3863510151
ISBN13
9783863510152
Dt. Erstveröffentlichung
2011
Gebundene Ausgabe
240 Seiten