Die Landkarte der Zeit

Autoren
Übersetzer
Willi Zurbrüggen
Verlag
Rowohlt Taschenbuch Verlag (rororo)

Zusammenfassung zu “Die Landkarte der Zeit”

Andrew Harrington hat sich Hals über Kopf in die Prostituierte Marie Kelly verliebt und kämpft mit der Schwierigkeit, dies seinem wohlhabenden Vater zu erklären. Derweil treibt Jack the Ripper in dem Londoner Stadtteil Whitechapel sein Unwesen und bedroht auch das Leben von Andrews Geliebten. Schon bald wünscht dieser sich, in die Vergangenheit zu reisen und den Lauf der Dinge ändern zu können. Dafür sucht sein Cousin Charles bei der Firma „Zeitreisen Murray“ sowie bei dem Schriftsteller H. G. Wells Hilfe.

Claire Haggerty, eine Zeitgenossin Andrews, zieht es hingegen in die Zukunft. Gelangweilt und abgestoßen von der Gesellschaft, flüchtet sie sich in den Gedanken, in einem weit entfernten Jahrhundert weiter leben zu können. Als die Firma „Zeitreisen Murray“ ihr ermöglicht, ihrem Traum ein Stück näher zu kommen, verliebt sie sich prompt in den Hauptmann Derek Shackleton, der allem Anschein nach aus dem Jahr 2000 stammt.

Auch Inspektor Garrett nutzt das Angebot der Zeitreisen-Firma, allerdings nicht aus eigenen Interessen, sondern für das Gemeinwohl: Er glaubt, den Mörder mehrerer Menschen nur in der Zukunft finden zu können, da dieser mit Waffen getötet hat, die es in seiner Zeit noch gar nicht gibt. Es ergibt sich, dass H. G. Wells Garrett bei den Ermittlungen hilft – und er deckt Erstaunliches auf.

Wichtige Charaktere

  • Gilliam Murray
  • Andrew Harrington
  • Charles Winslow
  • Claire Haggerty
  • Herbert George Wells
  • Jane Wells
  • Tom Blunt
  • Inspektor Garrett
  • Marcus Rhys

Zitate

„Ja, ich weiß. Zu Beginn habe ich Ihnen eine wunderbare Zeitmaschine angekündigt, und ich versichere Ihnen, es wird sie geben. Wir werden es noch mit mutigen Entdeckern und wilden Eingeborenenstämmen zu tun bekommen, die ja in keinem guten Abenteuerroman fehlen dürfen. Aber alles zu seiner Zeit. Muss man, bevor man eine Partie beginnt, nicht erst die Figuren aufstellen?“

„Wie sollte er sich angesichts dieser metaphysischen Ethik verhalten, die sich da andeutete? Welches der Leben, die vor seinen Augen abzweigten, sollte er leben; welches war der Weg, den er einschlagen sollte? Gab es eine Möglichkeit, das herauszufinden?“

Die Trilogie

1. Die Landkarte der Zeit
2. Die Landkarte des Himmels
3. noch nicht erschienen

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Persönliche Bewertung

Ein Spiel mit dem Thema Zeitreisen, den Erwartungen des Lesers und der Erzählkunst, das jedoch nicht eindeutig überzeugen kann

3 von 5

In drei Erzählsträngen zeigt uns Félix J. Palma Menschen aus dem 19. Jahrhundert, die in irgendeiner Weise mit dem Phänomen Zeitreisen in Berührung kommen. Meist aus einem Wunsch heraus, die eigene Situation zu ändern, stellen sie den scheinbar natürlichen Lauf der Dinge in Frage. Da unterhaltsame, leichte Episoden den Roman dominieren, kommen Spannungshöhepunkte oder anspruchsvolle, philosophische Gedanken über das Paradoxon Zeitreisen seltener vor. Aus diesem Grund bleibt das Leseerlebnis recht oberflächlich und ein völliges Eintauchen in die Geschichte kommt nicht zustande. Die Verknüpfung der drei Teile ist allerdings ein großer Pluspunkt des Romans. Die Art, wie die Geschehnisse und Personen zusammenhängen, sorgt beim Lesen häufig für Aha-Erlebnisse und interessante Sichtweisen. So zeigt sich erst im Nachhinein, wie komplex die Handlung angelegt war.

Der Erzählstil ist ungewöhnlich, da der Erzähler sich selbst häufig zu erkennen gibt, indem er betont, dass er mehr weiß als seine Figuren, ankündigt, dass er in der Chronologie der Geschehnisse hin- und herspringt und kommentiert. So entsteht schon ganz zu Beginn der Eindruck, man befinde sich auf einem Jahrmarkt und lausche einem Geschichtenerzähler: „Los geht’s, geehrter Leser, versenke dich in die ergreifenden Seiten unseres Büchleins, in welchem du Abenteuer findest, an die du nicht einmal im Traum gedacht hast. […] Staunen und Schrecken garantiert!“. Eine Abenteuergeschichte wird es allerdings nur am Rande, eine Mischung aus historischem Roman, Liebesgeschichte, Science Fiction und Krimi trifft es eher.

Abweichend vom Klappentext ist es eigentlich nicht der „dämonische Bibliothekar“, bei dem alle Fäden der Geschichte zusammenlaufen. Zwar erklärt diese am Ende des Buches auftauchende Figur einiges auf und gibt der Handlung eine neue Wendung, als Dreh- und Angelpunkt aller drei Erzählstränge kann aber eher die Firma „Zeitreisen Murray“ oder aber die Figur H. G. Wells bezeichnet werden. Auch in anderen Dingen ist der Klappentext ungenau und irreführend, weshalb der Leser mit diesem Buch nicht unbedingt das bekommt, was er erwartet hat. Auf diese Art überrascht zu werden, kann sowohl negativ als auch positiv sein.

Die Figur des H. G. Wells ist von den Protagonisten die Einzige, die an eine wahre Person angelehnt ist: Félix J. Palma stellt den Autor von „Die Zeitmaschine“ als Vater der Zeitreisen-Romane dar und lässt ihn in „Die Landkarte der Zeit“ eine zentrale Rolle spielen. Es lässt sich sogar vermuten, dass Palma den Roman bewusst zu dessen Lebzeiten spielen lässt, damit diese Hommage an den Schriftsteller möglich war. Zu guter Letzt geht es nicht nur um Zeitreisen, sondern es wird auch ein Gesellschaftsbild um 1890 entworfen.

Fazit

Für Zeitreisen-Fans sowie für alle, die sich für das 19. Jahrhundert interessieren, ist der Roman lesenswert, einigen wird „Die Landkarte der Zeit“ allerdings nicht das geben, was sie erwartet haben.

ISBN10
3499253194
ISBN13
9783499253195
Dt. Erstveröffentlichung
2010
Taschenbuchausgabe
768 Seiten