Kranichflug und Blumenuhr

Naturphänomene im Garten beobachten, verstehen und nutzen

Autoren
Illustrator
Margret Schneevoigt
Verlag
pala Verlag

Zusammenfassung zu “Kranichflug und Blumenuhr”

Zusammen mit Autor Peter Wohlleben unternimmt man in diesem Buch eine Entdeckungsreise in die Natur vor der Haustür – im eigenen Garten, am Himmel, im nächsten Wald oder sogar Park. In der Einleitung unter den Titel „Der Natur auf der Spur“ beschreibt der Autor die Bedeutung dieses Buches und seine persönliche Motivation dafür, ein solches Buch zu schreiben. In den elf Kapiteln erklärt er die verschiedensten Phänomene und gibt praktische Tipps für Garten und Alltag. Es geht um das Wetter und um Möglichkeiten, wie sich Temperatur und Unwetter vorhersagen lassen, um die Bedeutung von Regen und Schnee. Der Autor widmet sich den Planeten und den Mondphasen und zeigt auf, wie sich die Tageszeit anhand von Vögeln, Blumen oder der Sonne – zumindest annähernd – bestimmen lässt. Er beschreibt den Verlauf der Jahreszeiten in Natur und Garten und thematisiert den Klimawandel. In den letzten Kapiteln geht es um die Zusammensetzung des Gartenbodens, um heimische und exotische Tiere und Pflanzen und welche Probleme diese mit sich bringen. Und schließlich, im allerletzten Kapitel, beschäftigt sich der Autor mit den Sinnen und macht deutlich, wie verkümmert unsere Sinne sind, da wir uns viel zu sehr auf das Sehen konzentrieren. Das Buch endet mit dem abschließenden Abschnitt „Zurück zur Natur“ und einem Kurzportrait des Autors sowie einem alphabetischen Index mit den wichtigsten Schlagworten.

Zitate

„Da unsere Wildtiere permanent durch Jäger belauert werden (allein in Deutschland gibt es 350 000 Jagdscheininhaber), leben sie ständig in Angst und Schrecken. Ihr Verhalten passen sie an den Menschen perfekt an. Obwohl etwa Rehe und Hirsche über den ganzen Tag verteilt fressen müssen, um genug pflanzliche Nahrung zu verdauen, kommen sie nur nachts aus Wäldern und Hecken. Denn sie haben die bittere Erfahrung gemacht, dass bis in die Dämmerung hinein auf sie geschossen wird. Erst bei absoluter Dunkelheit hört der Beschuss auf, sodass sie ungestört auf der Wiese fressen können. Tagsüber flüchten die Tiere in unübersichtliche Waldgebiete, in denen sie dann vor Hunger Knospen und Blätter der Laubbäume, manchmal sogar deren Rinde verzehren, um ihr Magenknurren zu besänftigen.“

„Wenn Pflanzen unter Stress Warnsignale ausstoßen können, so gilt dies auch für die Exemplare in Ihrem Garten. Stimmen die Bedingungen nicht, fühlen sich die Zöglinge nicht wohl, so wabert negative Stimmung über Rasen, Baum und Strauch. Oder umgekehrt fehlen die Stresssignale überall dort, wo sich die Pflanzen wohl fühlen, wo ihnen der Standort zusagt und die Versorgung mit Wasser und Nährstoffen optimal ist.
Ist es Zufall, dass wir uns in solchen Gärten besonders wohl fühlen? Niemand kann es so recht erklären, aber ist es nicht denkbar, dass unser Geruchssystem unserem Unterbewusstsein ein intaktes Ökosystem signalisiert, in dem es allen gut geht und in dem es sich besonders gut leben lässt?“

„Ich plädiere nun nicht für die Rückkehr zu unseren Wurzeln, für einen Verzicht auf den modernen Lebensstil. Dafür gefällt er mir selbst viel zu gut. Es geht mir vielmehr darum, dass wir alle wieder unsere Sensibilität, unsere Beobachtungsgabe frei legen, die unter der modernen Oberfläche verborgen liegt. Denn die Nutzung dieser Kapazitäten bringt spannende und entspannende Erlebnisse vor der Haustür und im Garten. Die Welt wird größer, wenn wir sie in all ihrer Vielfalt wahrnehmen.“

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Leseprobe beim Verlag

Persönliche Bewertung

Wunderschönes Buch über die Faszination Natur, im Garten und außerhalb

5 von 5

„Kranichflug und Blumenuhr“ ist ein Buch, das durch seine gekonnten realistischen Illustrationen (ein großes Kompliment hier an die Illustratorin Margret Schneevoigt!) und die kurzweilige und gleichzeitig informative Schreibweise des Autors überzeugt. Peter Wohlleben schafft es, Interesse zu wecken und auch Lesern ohne Vorkenntnisse eine leicht lesbare und teilweise sogar humorvolle Lektüre zu bieten. Damit ist sein Buch nicht nur ein wertvoller Ratgeber für erwachsene Gartenbesitzer, sondern kann auch als Anregung dienen, mit Kindern die kleinen Wunder vor der eigenen Haustür zu entdecken. Ein Garten ist übrigens keinesfalls notwendig, um dieses Buch zu genießen und sich davon inspirieren zu lassen. Den Himmel oder die Vögel der Umgebung zu betrachten, gelingt auch ohne Garten ganz wunderbar – und gleichzeitig ist es eine gute Anregung, einen Ausflug in den nächstgelegenen Wald oder in die Felder zu unternehmen.

Die Gliederung des Buches ist übersichtlich, die Zwischenüberschriften und Illustrationen lockern den Text auf. Der Autor schreibt genau im richtigen Maß von persönlichen Erfahrungen und Emotionen, ohne seine Seriösität und Professionalität einzubüßen. Der Leser merkt: Peter Wohlleben verfügt nicht nur über einen reichen Erfahrungsschatz, er steht auch mit Leidenschaft und Begeisterung hinter dem, was er (be)schreibt. Der authentische Schreibstil lässt es fast so erscheinen, als würde man ihn auf eine Wanderung durch seinen Garten und in die Natur begleiten und sich die beschriebenen Phänomene persönlich erklären lassen. Nebenbei gibt er praktische Tipps für den eigenen Garten und beschreibt, wie sich das erworbene Wissen und die beobachteten Ereignisse in der Praxis zum Beispiel für Wettervorhersagen und Gartenarbeit nutzen lassen. Alles wie in einem kleinen Workshop vor Ort. Und genau das macht die Lektüre auch so vergnüglich und abwechslungsreich!

Ein weiterer Pluspunkt ist der kritische Umgang des Autors mit landläufigen Meinungen: So räumt er zum Beispiel mit der weit verbreiteten Meinung auf, dass Wildschweine sich wegen des Klimas oder erhöhtem Nahrungsangebot so unkontrolliert verbreiten (und angeblich gejagt werden müssen, um die Bestände zu verkleinern). Tatsächlich sind es die Jäger selbst, die die Tiere füttern und damit für die steigende Population und die „Wildschweinplagen“ sorgen – um sie dann selbst legitimiert abschießen zu dürfen. Eine Heuchelei sondergleichen: Die beklagte Plage wurde selbst erschaffen, um sie anschließend zu bekämpfen. Peter Wohlleben, selbst ein Förster, zeigt diesen Umstand auf und meint, nur ein Verbot der Fütterung wäre wirksam gegen die wachsenden Wildschwein- und Rehbestände – das jedoch weiß die Jagdlobby selbst zu verhindern! Dass die Tiere zudem in die Städte flüchten und hier für Ärger sorgen, geht ebenfalls auf das Konto der Jagd: Nur in der Stadt müssen Tiere wie Wildschweine den Menschen nicht fürchten, während sie außerhalb in ständiger Angst vor der Unmenge an Jagdscheininhabern in Deutschland leben müssen. Die Jagd ist also keinesfalls die unverzichtbare Lösung für ein Problem, sie schafft das Problem erst selbst!

So widerlegt Peter Wohlleben verschiedenste Vorurteile und zeigt darüber hinaus, dass falsch verstandene Hilfe oft mehr schaden als helfen kann. Damit ist dieses Buch für jeden Gartenbesitzer eine wichtige Lektüre, um die eigenen Maßnahmen im Garten kritisch zu hinterfragen: Sollte man wirklich im Winter füttern? Sind Nistkästen hilfreich? Wie geht man mit Schädlingen um? Auch erfahrene Gärtner finden sicherlich noch die eine oder andere Anregung, denn – wie der Autor zeigt – auch Fachleute haben nicht immer unumstößlich Recht und es lohnt sich immer, das eigene Tun kritisch zu hinterfragen.

Fazit

Ein reichhaltiger Schatz an Erfahrungen und ein Plädoyer dafür, die Natur vor der Haustür zu verstehen und mit allen Sinnen zu genießen. Lehrreich, unterhaltsam und inspirierend!

ISBN10
3895663107
ISBN13
9783895663109
Dt. Erstveröffentlichung
2012
Gebundene Ausgabe
160 Seiten

Eine Antwort zu
Kranichflug und Blumenuhr

  1. ADA

    Ich habe das Buch mit Begeis­te­rung gele­sen, und nun liegt es immer griff­be­reit zum Nach­schla­gen.

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