Der kleine Herr im schwarzen Samt

Autoren
Illustrator
Patrick Benson
Übersetzer
Sigrid Ruschmeier
Verlag
Aladin Verlag

Zusammenfassung zu “Der kleine Herr im schwarzen Samt”

In Mr Franklins Garten wohnt ein besonderer Nachbar: Ein magischer Maulwurf, der sprechen kann und der es schätzt, wenn ihm vorgelesen wird. Als sich Mr Franklin ein Bein bricht und das Haus hüten muss, bittet er Bess, die Enkelin seiner Haushälterin, sich auf die Wiese zu setzen und vorzulesen. Das Mädchen macht schon bald Bekanntschaft mit dem sprechenden Maulwurf, der ihr beginnt aus seinem bewegten und langen Leben zu erzählen. Bess erfährt, warum der Mauwurf sprechen kann und warum er schon deutlich länger lebt als ein gewöhnlicher Maulwurf.

Verborgen von Mrs Allum, ihrer Großmutter, trifft sich Bess regelmäßig mit dem Maulwurf, liest ihm vor, unterhält sich mit ihm und ermuntert ihn, das Zaubern zu üben. Nur mit Mr Franklin möchte der Erdbewohner nichts zu tun haben, denn er nimmt ihm sehr übel, dass er in ein Terrarium gesperrt werden sollte, obwohl der Maulwurf seine Freiheit sehr schätzt. Für Bess ist die Bekanntschaft mit dem kleinen schwarzen Tier eine wichtige und besondere Freundschaft. Der Maulwurf jedoch wünscht sich nichts sehnlicher als wieder ein ganz normaler unmagischer Maulwurf zu sein…

Wichtige Charaktere

  • der Maulwurf
  • Mr Franklin
  • Bess Allum
  • Mrs Allum, ihre Großmutter
  • Bess‘ Mutter
  • Kater Moon
  • Miss X
  • Master Y
  • Mrs Macduff
  • Madeleine, genannt „Maddie“

Zitate

„‚Du musst wissen‘, sagte der Maulwurf, ‚dass ich während meiner Reisen nicht nur Miss X und Master Y, sondern auch andere Menschen kennengelernt habe. Alle, das stellte ich bald fest, hätten mich im Zweifelsfall verraten. Sie hätten zum Beispiel eine Zirkusvorführung mit mir veranstaltet und mich öffentlich gegen Eintrittsgeld zur Schau gestellt. Solche Menschen konnte ich nur verachten. Vor ihnen bin ich geflohen. Selbst dein Mr Franklin hätte mich zu seinem Gefangenen gemacht -‚“

„‚Du bist in England geboren worden, also bist du Engländer.‘
Aufgebracht sagte der Maulwurf: ‚Ich bin weder Schotte noch Engländer! Ich bin Maulwurf, lateinisch talpa europaea! Mein Heimatland ist die Erde, das Erdreich, durch das ich mich grabe. Was scheren mich Monarchen und ihre Streitereien? Throne, Länder, Nationalitäten, Vaterlandsliebe – sie bedeuten mir nichts. Rein gar nichts.'“

Persönliche Bewertung

Eine bezaubernde Geschichte um eine besondere Hauptfigur

5 von 5

Der Maulwurf als charmanter Hauptcharakter einer Geschichte ist seit dem „Wind in den Weiden“ bekannt. Hier ist es ein weiser, mitunter aber auch etwas mürrischer Maulwurf, angesichts seines unfreiwillig langen Lebens sogar ein wenig frustriert. Zwar hat die Originalausgabe dieses Buchs deutlich weniger Jahre auf dem Buckel als Grahames Geschichte, zum Klassiker taugt die Freundschaft zwischen Mädchen und Maulwurf dennoch. Dies ist nicht zuletzt den Vignetten von Patrick Benson zu verdanken, die dem Buch einen besonderen nostalgischen Flair verleihen.

Philippa Pearce hat mit diesem Buch zwar keine klassische Fantasygeschichte geschrieben, es finden sich aber dennoch phantastische Elemente in ihr, wie der sprechende Maulwurf, aber auch die Hexe in der Geschichte und die Zauberkraft des Maulwurfs beweisen. Doch ist „Der kleine Herr im schwarzen Samt“ noch so viel mehr als nur eine unterhaltsame phantasievolle Geschichte um ein Tier und ein Mädchen. Durch das lange Leben des Maulwurfs erhalten Leser eine kleine Geschichtsstunde aus dessen Erzählungen, es finden sich philosophische Gedanken über das Leben und den Tod sowie den Patriotismus und dessen (Un)Sinn, aber auch Informationen über das Leben von Maulwürfen und Anspielungen auf das Mensch-Tier-Verhältnis, das aus Sicht des Maulwurfs als sehr zerrütet bezeichnet werden kann.

Es geht um Freundschaft und den Konflikt zwischen Loyalität und Egoismus, dem sich Bess stellen muss, bevor sie am Ende erkennt: Wer liebt, ist bereit, einen anderen gehen zu lassen, echte Liebe bzw. Freundschaft kennt kein Besitzdenken. Und dann ist Philippa Pearces Buch auch eine Geschichte über das Erwachsenwerden, über den Tod und das Bedürfnis, „ganz normal“ zu sein sowie über die Last der Unsterblichkeit. Auf den knapp 200 Seiten der Geschichte finden sich so viele Anspielungen und Gedankenanregungen, dass dieses Buch getrost noch ein zweites Mal gelesen werden kann, um alles aufnehmen zu können.

Fazit

„Der kleine Herr im schwarzen Samt“ ist eine zeitlose Geschichte, an der Klein und Groß ab 8 Jahren ihre Freude haben dürften. Die nostalgischen Illustrationen von Patrick Benson und die Mischung aus Freundschaftsgeschichte, Historie, Fantasy und Tiergeschichte machen dieses Buch zu einer unwiderstehlichen Lektüre, die unterhält, bezaubert und gleichzeitig zum Nachdenken anregt.

Originaltitel
The Little Gentleman
ISBN10
3848920271
ISBN13
9783848920273
Dt. Erstveröffentlichung
2014
Gebundene Ausgabe
184 Seiten
Empfohlenes Lesealter
Ab 8 Jahren