Jeder stirbt für sich allein

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Aufbau Verlag
Anspruch
5 von 5
Humor
4 von 5
Lesespaß
4 von 5
Schreibstil
4 von 5
Spannung
5 von 5

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Zusammenfassung zu “Jeder stirbt für sich allein”

Der Inhalt des Romans ist schnell zusammengefasst: Es handelt sich um das Jahr 1940. Das Arbeiterehepaar Quangel erfährt um den Tod ihres einzigen Sohnes, der im Krieg gefallen ist. Daraufhin beschließen sie, sich völlig ins Private zurückzuziehen und sich gegen Hitler und seine Schergen zu wenden. Ihre Mittel sind allerdings sehr bescheiden. Otto Quangel schreibt Postkarten, die er in Berlin verteilt. Seine Frau Anna hilft ihm dabei. Beide hoffen, mit ihren einfachen, eindringlichen Sätzen das schreckliche Gesicht des Naziregimes zu offenbaren. Die Utopie: Möglichst viele Haushalte sollen davon Kenntnis erhalten, damit Hitler am Ende gestürzt werden kann. Neben den Quangels existieren noch eine Menge anderer Figuren. Sie bilden einen Querschnitt durch das Deutschland der damaligen Zeit. Es handelt sich dabei unter anderem um Eva Kluge und ihren Ex-Mann Enno, der ihr immer noch nachstellt sowie um Frau Rosenthal, Anna Schönlein, Emil Borkhausen und um die regimetreue Familie Persicke. Spitzel, Säufer, Prostituierte – keiner darf in Hans Falladas Buch fehlen. Alle gehören für ihn zum alltäglichen Leben dazu. Im Zentrum steht jedoch der stille Widerstand der Quangels. Natürlich bleibt die Postkarten-Aktion bei der Gestapo nicht unbemerkt. Kommissar Escherich wird auf die Widerständler angesetzt. Er wartet auf einen Fehler – und packt im entscheidenden Moment zu…

Wichtige Charaktere

  • Otto und Anna Quangel, Arbeiterehepaar
  • Eva Kluge, Briefzustellerin
  • Enno Kluge, Weiberheld
  • Kommissar Escherich

Interpretation

Hans Fallada? Wer ist das, mögen manche fragen. Und es stimmt: Im Gegensatz zu Thomas Mann aus dieser Zeit ist Fallada unbekannter. Das mag an seinen ungeschönten, sprachlich einfachen Werken liegen. „Jeder stirbt für sich allein“ erschien erstmals 1947 und orientiert sich am Bespiel der Familie Hampel. Hans Fallada verwendete für seine Recherchen die Gestapo-Akte der Hampels. Der Roman ist jedoch nicht nur wegen der Authentizität etwas Besonderes. Es ist zu dieser Thematik das erste Buch eines Schriftstellers, der nicht emigriert ist. Erst im 21. Jahrhundert wurde der Roman neu entdeckt und in mehrere Sprachen übersetzt. Ein Bestseller. Das im Fokus stehende Arbeiterehepaar Quangel zeigt nämlich auf rührende Art und Weise den (erfolglosen) Kampf gegen das Hitlerregime. Der Roman zeigt auch, wie das System es verstanden hat, Menschen gegeneinander auszuspielen und ihre Schwächen zu eigenen Zwecken auszunutzen. Doch die Geschichte soll auch Mut machen. Mut, sich gegen herrschende Ungerechtigkeit zu wehren – auch (und besonders), wenn der Feind übergroß erscheinen mag. Der Stoff ist aufgrund seiner einfachen, ungekünstelten Darstellung sehr eindringlich und aufwühlend geschildert. Es ist eine realistische Darstellung über das Leben unauffälliger, kleiner Leute. Kein Wunder, dass der Roman mehrfach verfilmt wurde.

Zitate

„Während Herr Persicke, von seiner Familie umstanden, sich in immer aufgeregteren Ausführungen ergeht und die ersten Schnäpse schon hinter die Binde zu gießen beginnt, ist die Briefträgerin längst in die Etage darüber hinaufgestiegen und hat bei den Quangels geklingelt. Sie hält den Brief schon in der Hand, ist bereit, sofort weiterzulaufen. Aber sie hat Glück; nicht die Frau, die meist ein paar freundliche Worte mit ihr wechselt, sondern der Mann mit dem scharfen, vogelähnlichen Gesicht, dem dünnlippigen Mund und den kalten Augen öffnet ihr. Er nimmt wortlos den Brief aus ihrer Hand und zieht ihr die Tür vor der Nase zu, als sei sie eine Diebin, vor der man sich vorzusehen hat.“

„Aber obwohl jetzt ihre Augen ganz nahe den seinen sind, sieht sie ihn nicht an, sondern hält sie fast geschlossen. Ihr Gesicht ist gelblich blass, ihre sonst frischen Farben sind geschwunden. Auch das Fleisch über den Knochen scheint fast aufgezehrt, es ist, als sähe er einen Totenkopf an. Nur die Wangen und der Mund zittern, wie der ganze Körper zittert, von einem geheimnisvollen inneren Beben erfasst.“

Trailer zum Buch

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Persönliche Bewertung

Selten wurde so klar und unaufgeregt über den Widerstand im Dritten Reich geschrieben.

4 von 5

Der Roman ist meisterhaft in seinen detaillierten Beschreibungen. Man kann den Geruch der damaligen Zeit förmlich zwischen den Zeilen riechen. Die Sprache ist klar und schnörkellos, sie ist angepasst an die Figuren. Es ist damit ein Buch für Jedermann. In seiner beschriebenen Düsternis, in seiner Schilderung von alltäglichen, ungeheuerlichen Dingen erscheint der Widerstand der Quangels wie ein Lichtblick. Da gab es tatsächlich welche, die nicht den Kopf einzogen. Da gab es tatsächlich welche, die ihr Leben dafür opferten, um anderen Menschen die Augen über die Schrecken des Naziterrors zu öffnen. Sicherlich: Hans Fallada hat sprachlich nicht alles ausgereizt. Nicht immer wirkt der Roman bis zum Ende durchgearbeitet und korrigiert. Aber dies mag dem Fakt geschuldet sein, dass Fallada den Roman unter Drogeneinfluss und innerhalb nur weniger Wochen verfasste. Und es täuscht nicht darüber hinweg, dass „Jeder stirbt für sich allein“ ein Buch ist, welches innerhalb Deutschlands und dazu noch in den letzten Kriegstagen entstanden ist. Für all dieses ist es ein hervorragendes Stück über den Widerstand der kleinen Leute.

Fazit

Mit seiner einfachen Sprache ist „Jeder stirbt für sich allein“ für jeden leicht verständlich. Der Leser mag vielleicht nichts komplett Neues erfahren, aber er erfährt, wie es selbst mit geringen Möglichkeiten gelang, sich gegen Nazideutschland zu wehren. Trotz der ernsten Thematik besticht das Buch mit seinem zwischen den Zeilen versteckten Humor. Auch für Schüler lesenwert!

ISBN10
3351033494
ISBN13
9783351033491
Dt. Erstveröffentlichung
2011 (1947)
Gebundene Ausgabe
704 Seiten

Eine Antwort zu
Jeder stirbt für sich allein

  1. Beatrix Petrikowski

    Ein wirk­lich groß­ar­ti­ges Buch, vol­ler Sar­kas­mus!

  2. Eduard

    5 von 5

    Ein schrift­stel­le­ri­sche Glanz­leis­tung. Hut ab so etwas in 4 Wochen zu schrei­ben. Man kann sich in die han­deln­den Per­so­nen hin­ein­ver­set­zen und erlebt haut­nah die Greu­el der Nazi­zeit. Dass Falla­da die­ses Buch unter Dro­gen­ein­fluss geschrie­ben hat spie­gelt sich in vie­len unter­schwel­li­gen Details wie­der, er muss sich in einen rich­ti­gen Schreib­rausch hin­ein­ge­stei­gert haben. Jeden­falls rüt­telt er gehö­rig an den Gefüh­len des Lesers. Emp­feh­lens­wer­te 600 Sei­ten, aber man darf nicht zu zart besei­tigt sein.