Jack Morrow und das Grab der Zeit

Autoren
Übersetzer
Frank Böhmert
Verlag
Heyne Verlag
Anspruch
4 von 5
Humor
4 von 5
Lesespaß
5 von 5
Schreibstil
5 von 5
Spannung
5 von 5

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Zusammenfassung zu “Jack Morrow und das Grab der Zeit”

Jack Morrow ist zwölf Jahre alt, seine Mutter ist schon seit fünf Jahren nicht mehr am Leben, als sein Vater für längere Zeit ins Gefängnis muss. Als Jack in seiner Verzweiflung das Grab seiner Mutter aufsucht und ihren Grabstein berührt, macht er eine Reise in die Vergangenheit. Er findet sich auf dem gleichen Friedhof wieder, jedoch fünf Jahre zuvor. Dort trifft er auf seinen Großvater David Vale, der ihm eröffnet, dass Jack ein Springer ist, der sich mit Hilfe von Tränentunneln durch die Zeit bewegen kann, mit Hilfe der Verbindung zwischen einem Grabstein und dem dazugehörigen Todestag. Sein Großvater warnt ihn außerdem, dass er im Jahr 2008 nicht sicher sei und schickt ihn zurück ins London des Jahres 1940, wo er sich mit der jungen Version David Vales anfreunden soll.

Im Jahr 1940 angekommen, gelingt es Jack zwar ohne große Probleme, die Bekanntschaft von Davey, seines jungen Großvaters, zu machen, doch muss er schnell lernen, dass er kaum jemandem vertrauen kann und dass schon in diesem Jahr der finstere Rouland und seiner Diener hinter ihm her sind. Rouland hat es auf eine gewisse Rose abgesehen, die Jack vor ihm schützen soll, doch dafür muss er zunächst herausfinden, worum es sich dabei überhaupt handelt. Und so macht sich Jack zusammen mit Davey und Eloise, eine Untote, die früher zu Roulands Gefolge gehörte, auf die Reise durch die Zeiten, um die Rose aufzutreiben…

Wichtige Charaktere

  • Jack Morrow
  • Jacks Großvater David „Davey“ Vale
  • Jacks Mutter Catherine Morrow
  • Eloise de Montauban
  • Rouland Delamare
  • Captain de Vienne
  • Warnock
  • Montgomery „Monty“ Falconer

Zitate

„Ganz in der Nähe wirbelte ein Windstoß eine Staubwolke auf. Sie stieg in die Luft empor und hielt sich dort auf widernatürliche Weise, eine schmale tanzende Säule aus Schmutz. Erde und trockenes Laub flogen dorthin und fügten sich in den dünnen Faden ein. Während die Staubwolke anwuchs, zuckte und drehte sie sich zu dem groben Umriss einer Gestalt.“

„Das volltönende Läuten des Big Ben hallte über den Park. Jack zählte elf Schläge. Er hatte länger geschlafen als gedacht. Trotz der fremden Umgebung, der Ereignisse der vergangenen Nacht und seiner Gedächtnislücke verspürte er kein bisschen Panik, nur Staunen und Ehrfurcht. Während er den weiten Panoramablick in sich aufnahm, wurde er sich der Bedeutsamkeit des Ganzen bewusst. Die Vergangenheit war für ihn nichts Totes mehr, kein eingefrorener Moment, den die Langeweile eines Schulbuchs noch verhüllte. Sie war lebendig, lebhaft, voller Farben und Geräusche. Er fühlte sich heimisch hier, zwischen dem Rauch und den Ruinen, und kam sich vor wie eine Sternschnuppe, die sich tief in irgendeinen unkartografierten Winkel der Welt gegraben hatte. Sein Zuhause in der Siedlung, die Schule, sogar sein Vater – sie waren jetzt kaum mehr als flüchtige Erinnerungen. Die Gegenwart, in der er gelebt hatte, verblich im Vergleich zu seiner Vergangenheit. Und doch spürte er deshalb keine Furcht, kein Bedauern. Er fragte sich, warum er so empfand.“

Trailer zum Buch

Links

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Persönliche Bewertung

Rasantes Zeitreiseabenteuer der besonderen Art

5 von 5

„Der Tag, an dem Jack Morrow diese Welt verließ, war so schön, dass es nicht mehr normal war.“ Mit diesem verheißungsvollen Satz beginnt Jack Morrows Abenteuer, und so vielversprechend die Geschichte beginnt, so fesselnd und fantasievoll gestalten sich auch die übrigen 320 Seiten. Natürlich ist das Motiv der Zeitreise absolut kein Neues, man könnte es fast abgegriffen nennen, doch Niel Bushnell hat sich einige Besonderheiten einfallen lassen, die dieses Buch von vergleichbaren unterscheiden: So bedient sich der Zeitreisende etwa des „Tränentunnels“, reist mithilfe von Grabsteinen zum darauf eingravierten Todesdatum und erlebt dabei das Leid rund um den Tod des Grabinsassen am eigenen Leib.

„Jack Morrow“ überzeugt sowohl durch Bushnells plausible Beschreibungen von Charakteren und Kulissen (hier besonders das London der Vergangenheit, in dem sich Jack zurechtfinden muss) als auch durch die Spannung, die sich durch das gesamte Buch zieht. Zwar ist ein roter Faden deutlich erkennbar, an dem sich die Geschichte orientiert, doch tauchen verschiedene neue Gestalten und Wendungen auf, die der Handlung Würze verleihen. Hier und dort finden sich zudem malerische Wendungen („Die Sonne nagte schon an den Vorhangkanten“), an denen jeder Sprachliebhaber unter den Lesern seine Freude hat. Hier gebührt das Lob natürlich dem Übersetzer Frank Böhmert ebenso wie dem Autor!

Durch die Geschichte begleitet ein personaler Erzähler, der auf Jack fokussiert, der exakt im gleichen Alter wie die Zielgruppe ist und damit vermutlich gut als Identifikationsfigur geeignet ist. Man hätte sich einen etwas vielschichtigeren Charakter als Hauptfigur gewünscht, vielleicht lässt der Nachfolgeband eine etwas tiefgründigere Bekanntschaft mit Jack zu. Auch über die Anderswelt, die als Motivation des „Bösewichts“ in gewisser Weise im Zentrum der Handlung steht, gäbe es sicherlich noch einiges zu schreiben und so bleibt gespannt die Fortsetzung abzuwarten.

Fazit

Dieser erste Band der Reihe um Jack Morrow ist so reich bevölkert von interessanten Charakteren, die Einstmalstoten etwa, die Schwarzwichte und Weber, dass schnell klar ist, welches Potenzial für weitere Bände in Bushnells Welt steckt. Jetzt, da Jack seine Begabung als Springer, sogar als Zeitenschmied, kennt, stehen die Tore für weitere Abenteuer offen. Und das ist sehr erfreulich, denn die Mischung aus realer historischer Kulisse, Fantasyelementen und einer Prise Science Fiction, die der Autor hier zusammengerührt hat, ist unwiderstehlich.

Originaltitel
Sorrowline Book 1
ISBN10
3453268180
ISBN13
9783453268180
Dt. Erstveröffentlichung
2013
Broschierte Ausgabe
320 Seiten
Empfohlenes Lesealter
Ab 12 Jahren