Ich, Kater Robinson

Autoren
Illustrator
Peter Schössow
Verlag
Hanser Verlag

Zusammenfassung zu “Ich, Kater Robinson”

ICH ist ein Kater, der in einem Karton bei dem Mädchen Gaby landet, die ihn Robinson nennt. Gaby spielt mit ihm und badet ihn, sehr zu seinem Missfallen. Dann fährt Familie Gaby jedoch in den Urlaub und kann den Kater nicht mitnehmen. Da sie keine Unmenschen sind, geben sie ihn in einer Katzenpension ab. Auch dort bleibt ICH/Robinson nicht lange, es gelingt ihm zusammen mit einigen anderen Gästen die Flucht, nach der jeder seiner Wege geht. Die Abenteuer des kleinen Katers in der großen Stadt führen dazu, dass ihm sein Schwanz abgehackt wird, dass er kurzzeitig Unterschlupf bei Prostituierten findet, bevor ihn ihr Zuhälter wieder fortschickt, und dass er sich mit Ratten um eine Mahlzeit prügelt…

Wichtige Charaktere

  • Kater ICH aka Robinson aka Schnuller
  • Gaby

Zitate

„Wenn der Krach nicht wäre, könnte ICH den Gedanken zu Ende denken, und der vollständige Gedanke würde, vollständig zu Ende gedacht, lauten: Wenn Konfetti essbar wäre, könnte man es essen.“

„Bitte schön, hier ist sie nun, die goldene Freiheit. Nur echt ohne Gebrauchsanweisung.“

„Und was die Blaumeisen tschilpen, ist sowieso das reinste Tsutsidutsidö. Blaumeisen sind übrigens so was Ähnliches wie Eier, nur älter und schwerer zu kriegen.“

„Wurst ist so was Ähnliches wie Meise. Wurst macht nicht tsutsidutsidö und kann nicht fliegen, ist aber auch nicht leicht zu stehlen.“

Links

Lesprobe (PDF) beim Verlag

Persönliche Bewertung

Kluge und absurde Geschichte, jedoch wenig kindgerecht und mit einigen Mängeln

4 von 5

Harry Rowohlt ist für seine Wortgewandtheit und seine Liebe zur Absurdität bekannt. Nicht umsonst machte er sich mit einer genialen Übersetzung von Philip Ardaghs „Schlimmes Ende“ und den weiteren Bänden der Eddie Dickens Reihe einen Namen. „Ich, Kater Robinson“ ist sein bisher einziges Kinderbuch, das erstmalig 1988 erschien.

Der Verlag gibt als Empfehlung die Zielgruppe Kinder ab 4 Jahren an, die wir unter dem Punkt „Lesealter“ berücksichtigen. Da wir diese Einschätzung jedoch nicht teilen können, haben wir es hier in das Genre „Bücher ab 8 Jahren“ einsortiert – unserer Ansicht nach das Mindestalter, in dem man Kindern dieses Buch zumuten kann. Zum einen ist der Sprachwitz für Kinder ab 4 Jahren kaum verständlich, zum anderen scheinen die Kulissen und Handlungen zum Teil wenig kindgerecht: heruntergekommene Gegenden mit Prostituierten und Zuhältern sowie ein Kater, dem brutal der Schwanz abgehackt wird und der von einer Kröte „angepisst“ wird! Natürlich sind nicht nur rosarote Bilderbücher, die von einer heilen Welt erzählen, für Kinder geeignet, in dieser Geschichte lässt sich jedoch zu viel finden, das Lesern ab 4 Jahren noch nicht vorgelesen und gezeigt werden sollte – oder wenn, dann auf eine behutsamere Weise, als es Harry Rowohlt in dieser Geschichte tut. Positiv ist auf jeden Fall der kritische Umgang des Buches mit dem Thema Haustierhaltung – wie oft werden schließlich gedankenlos Tiere verschenkt, die besonders zur Urlaubszeit zu einem Problem werden!

Insgesamt lässt sich sagen, dass vermutlich ältere, wenn nicht erwachsene Leser den größten Spaß an diesem Buch haben werden, denn ihnen erschließen sich der Wortwitz und die absurden Formulierungen besser als Kindern. Sprachlich versteht Harry Rowohlt sein Handwerk (dass er seinen Kater ICH nennt, führt zu raffinierten sprachlichen Wendungen, dürfte Kinder und Zuhörer jedoch eher verwirren), es gibt jedoch ein großes Manko, das nicht unkommentiert bleiben darf: Im Jahr 2012 geht es einfach nicht, in einem (Kinder-)Buch eine afroamerikanische Frau Bimbo-Betty* zu nennen und das nicht zu überarbeiten! Wenn dieser Name auch Rowohlts Ironie geschuldet ist, ist sie an dieser Stelle völlig unangebracht und hinterlässt einen mehr als bitteren Beigeschmack! Von dieser Verfehlung abgesehen begeistert Harry Rowohlt mit seinem einzigartigen Humor und einer Geschichte, die neben dem ernsten Hintergrund – der grausamen Welt, in der sich ein kleiner Kater zurechtfinden muss – amüsiert und unterhält.

Fazit

Kindgerecht erscheint dieses Buch aus vielen Gründen kaum, der erwachsene Leser freut sich jedoch über Harry Rowohlts sprachliche Brillianz, die stimmungsvollen Bilder Peter Schössows und den unvergleichlich absurden Witz. Es bleibt jedoch zu wünschen, dass „Bimbo-Betty“ in einer Neuauflage gestrichen wird und einen akzeptablen Namen erhält!

* Nach freundlicher postalischer Anmerkung von Herrn Harry Rowohlt (siehe Autor) muss zu „Bimbo-Betty“ folgendes angemerkt werden: „Nicht ich nenne sie so, sondern im PUFF wird sie so genannt, und deshalb: BIMBO-BETTY SOLL LEBEN! BIMBO-BETTY BLEIBT!“ (Zitat aus dem Brief). Wie man dazu steht, sei jedem selbst überlassen.

ISBN10
3446238980
ISBN13
9783446238985
Dt. Erstveröffentlichung
1988
Gebundene Ausgabe
48 Seiten
Empfohlenes Lesealter
Ab 4 Jahren