Generation Wodka

Wie unser Nachwuchs sich mit Alkohol die Zukunft vernebelt

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adeo Verlag

Zusammenfassung zu “Generation Wodka”

‚Generation Wodka‘ hört sich erst einmal relativ harmlos an. Kommt das Wörtchen ‚Komasaufen‘ dazu, wird es schon etwas bedrohlicher. Und doch ist kaum jemandem in aller daraus abzuleitender Konsequenz bewusst, dass ‚Saufen‘ (und zwar eher Wodka als Bier) zu einem festen Bestandteil der Kinder- und Jugendkultur geworden ist. Mittlerweile konsumiert jeder 10. Jugendliche unter 12 Jahren regelmäßig Alkohol. Das Autorenteam stellt die These auf, dass in unserem Land eine Generation heranwächst – besagte Generation Wodka – deren körperliche und geistige Entwicklung wie bei keiner Generation zuvor durch eine legale Droge beschädigt ist, nämlich durch das Nerven- und Zellgift Alkohol. Eine unter (männlichen und weiblichen) Jugendlichen fast allgemeingültige Regel lautet: ‚Wer mithalten will, muss auch mittrinken‘. Alkoholismus als schwere Krankheit, mit häufig tödlichem Ausgang, wird ignoriert, zumeist aus reiner Unwissenheit – zumindest seitens der Kids. So ist es nicht verwunderlich, dass die Jugendlichen kaum noch in der Lage sind, einen Zusammenhang zwischen dem Alkoholmissbrauch und ihren ureigenen Problemen herzustellen. Wobei natürlich viele Probleme erst durch den Alkohol entschärft werden – oder auch verschärft werden, das ist immer eine Frage der Betrachtung. Genau hier setzt dieses Buch an. Es zeigt nicht nur die Misere, die der Alkohol bei der Generation Wodka anrichtet, es zeigt auch sehr genau auf, warum eine vernachlässigte Generation sich da permanent ins Koma säuft. Es zeigt, wie schwer und fast unmöglich es für den einzelnen ist, gegen den Strom zu schwimmen und aus dem eigenen Teufelskreis auszubrechen. Es zeigt, dass es nichtsdestotrotz manchmal gelingt. Aber viel öfter gelingt es nicht. Was die Autoren jedoch nicht unkommentiert hinnehmen wollen. So unterbreiten sie sehr konkrete Vorschläge, wie sich das Problem entschärfen ließe (Verbot von Alkohol in der Öffentlichkeit, höhere Alkoholsteuer etc., Alkohol und Nikotinverbot für Schwangere) und vergessen auch nicht die Bigotterie anzuprangern, die darin liegt, staatlicherseits die Branntwein- und Zigarettenindustrie jährlich mit 140 Millionen zu sponsern, aber gerade 100 Euro pro Jahr pro Kind für die zusätzliche Bildung von Hartz-IV-Kindern lockerzumachen. Am Schluss des Buches steht die Aufforderung an jeden einzelnen, genauer hinzuschauen und etwas gegen Alkoholmissbrauch zu unternehmen. Vielleicht lässt sich das gesamtgesellschaftliche Experiment ‚Generation Wodka‘ noch entschärfen.

Zitate

„Warum muss man in der Öffentlichkeit Alkohol konsumieren dürfen? Wenn man in der Kneipe nicht mehr qualmen darf – warum soll dann das Saufen auf dem Marktplatz akzeptabel sein?“

„Man muss sich das einmal vorstellen: Da wird ein Busfahrer von alkoholisierten Jugendlichen mit einem Messer angegriffen und verletzt – und wir diskutieren in der Öffentlichkeit darüber, ob die Jugendlichen für diese Straftat überhaupt verantwortlich gemacht werden dürfen? Das ist doch pervers. Unsere Gesellschaft ist verantwortlich für ihre Kinder, und manchmal müssen wir diese auch vor sich selbst schützen. Wenn wir in Deutschland betrunkenen Mitbürgern untersagen, Bus, Bahn oder das Taxi zu benutzen, werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die ausgeübten Straftaten in diesen Verkehrsmitteln deutlich zurückgehen. Und das allein rechtfertigt schon einen solchen Schritt.“

„Warum steht eigentlich auf Spirituosenflaschen nicht der Hinweis, dass Alkohol ein erhebliches Gesundheitsrisiko darstellt? Sollten hier nicht die gleichen Vorschriften gelten wir für Zigaretten.“

„Die ‚Generation Wodka‘ braucht positive Vorbilder, damit diese Generation nicht wächst, sondern kleiner wird. Wo sind diese Vorbilder?“

„Warum scheitern viele unserer Kinder? Wir lassen sie scheitern! Die normalen Schulen sind für eine optimale Förderung nur mangelhaft ausgestattet. Und es ist kein Geld da für Nachhilfeunterricht, ja für ein ganz normales, kindgerechtes Lernen. Oft suchen sich diese Kinder dann andere Aktivitäten, um sich zu beweisen. Das ist zum einen die früh gelebte Sexualität, aber auch das Sichbetäuben durch Alkohol und andere Drogen.“

„Wer einen einzigen Menschen vor dem Absturz bewahrt, hat schon Ungeheures geleistet.“

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Persönliche Bewertung

Erschütternd lebensnah! Eine ganze Generation feiert das (Alkohol)-Koma, und alle schauen weg.

5 von 5

Gerne wird Siggelkow & Co vorgeworfen, sie würden mit ihren Thesen übertreiben. Doch schaut man sich genauer um, und schaut auf andere Autoren (Serin, Stepan mit seiner Schulmisere; Winterhoff mit seiner Ausbildungsmisere) liegt der Verdacht nahe, dass diejenigen, die den Verfassern von Generation Wodka Übertreibung vorwerfen, vielleicht nicht unbedingt diejenigen sind, denen die Interessen der Kinder- und Jugendlichen am Herzen liegen. So ist die Analyse des Phänomens Alkoholmissbrauch in diesem Büchlein sachlich untermauert und mit schaurigen Fallbeispielen belegt, von denen jeder schon mal irgendwie gehört hat, der sich auch nur ein wenig mit Jugendlichen unterhält. Die Lage ist dramatisch, da gibt es kaum noch etwas zu beschönigen. Anstatt Übertreibung könnte man den Autoren hier schon eher einen Zweckoptimismus vorwerfen. Aber vielleicht sind die Kids ja auch pfiffiger als man denkt. Da die Zukunft eh keine Perspektive bietet, kann man sich darauf auch einen ‚backen‘, oder eben ‚abfeiern‘. Denn wie soll diese Generation nüchtern mit den Hinterlassenschaften klar kommen, die wir ihnen aufbürden? Aber sie sollten zumindest die Chance erhalten, ihren klaren Blick zu behalten. Dafür werden einige Maßnahmen vorgeschlagen – die sicher kein Politiker umsetzen wird. Und doch ist es wichtig, dass Siggelkow & Co zumindest ihre Stimme erhoben haben. Damit am Ende niemand sagen kann, er habe ja von nichts gewusst.

Fazit

Erschütternd lebensnah! Eine ganze Generation feiert das (Alkohol)-Koma, und alle schauen weg. Vielleicht geht ja alles noch mal gut???

ISBN10
3942208458
ISBN13
9783942208451
Dt. Erstveröffentlichung
2011
Broschierte Ausgabe
188 Seiten

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