Geier am Grabe van Goghs

und andere hässliche Geschichten aus der Welt der schönen Künste

Autoren
Verlag
Dumont Buchverlag

Zusammenfassung zu “Geier am Grabe van Goghs”

In diesem Buch werden Geschichten aus der Welt der Kunst erzählt – aber nicht von ihrer offiziellen, grandiosen Leistung, nicht vom Heldenmut der Avantgardisten, nicht von feinsinnig inszenierten Kunstskandalen, nicht von der Kunstwelt als Inbegriff des schönen Scheins und von ihren kultivierten Kennern – nein, hier wird von den Abgründen und Verbrechen hinter all dem erzählt. Eine Welt entblättert sich, die scheinbar ebenso facettenreich ist, wie die „echte“ Kunstwelt auch. So erzählt das erste Kapitel unter der Überschrift „Kaufen Sie nie ein Original, dessen Kopie im Louvre hängt!“ von den großen Fälschern der Kunstgeschichte, nebenbei erfährt der Leser noch, warum der Arzt Doktor Gachet seinem Patienten van Gogh nicht das Leben rettete. Eine andere Seite der Kunst beleuchtet das zweite Kapitel mit dem Titel „Holy Shit! Blasphemie im Kunsttempel“. Es geht schlicht darum, dass Kunst sich besser verkauft, wenn sie provoziert …und so mancher Künstler legte es wenig kunstfertig genau darauf an. Bei Kapitel drei spricht die Überschrift für sich: „XXL-Kunst für Führer, Gott und Vaterland“ – Kunst entsteht eben auch im Dienste für die Machthaber – beleuchtet wird das hier am Beispiel des Staatskünstlers Jacques-Louis David. Im Kapitel vier kommt ein anderer Verkaufschlager zu Wort – der Sex: Unter der Überschrift „Saubere Kunst und schmutziger Sex“ ist einiges darüber zu erfahren, wie sich Pornografie in Kunst verwandeln lässt oder einfach dazu gemacht wird. Auch über den Charme von XXL-Modellen wird ausgiebig parliert. Im fünften Abschnitt des Buches wird es richtig spannend. Es wird von Räubern, Dieben und Gesindel berichtet. Man erfährt, wie die Mona Lisa aus dem Louvre verschwand, aber auch das napoleonische Modell der Beutekunst kommt genauso wenig wie die Sammelwut der Nazi-Bonzen zu kurz. Interessant wird es im sechsten Kapitel mit dem Titel „Bilderstürme“. Hier geht es um die Zerstörung von Kunst, denn diese kann die jeweils Machthabenden sehr verstören. Nett erläutert wird dieser Sachverhalt beispielsweise im Abschnitt „Mafiaterror gegen Kunst. Was wusste Berlusconi?“. Von stalinistischer Kunst wird unter der Überschrift „Goodbye Lenin“ Abschied genommen. Das letzte, das achte Kapitel bildet noch mal einen Höhepunkt. Es geht um „Mord im Reich der Kunst“. Warum ein Maler „Jack the Ripper“ gewesen sein soll, möge der Leser selbst herausfinden.

Zitate

„Beim Thema Fälschungen denkt man immer an kopierte Bilder oder Grafiken großer Meister, doch im Kunstbetrieb können neben den Werken selbst sogar ganze Identitäten gefälscht sein.“

„Staatskünstler zu sein, Denkmäler für starke Männer zu entwerfen, Propandakunst für politische Parteien zu betreiben – dies alles gilt heute als unvereinbar mit der Freiheit des Künstlers. Dieses Selbstverständnis der Kunst ist allerdings ein westliches Ideal, das nicht überall auf Gegenliebe stößt. Der Maler Faruk Hosni (geb. 1938) diente dem Mubarak-Regime lange Zeit als Kulturminister und am Ende seiner Laufbahn als ägyptischer Bewerber für den Posten des Unesco-Generalsekretärs.“

„Manchmal wird eine Mordtheorie selbst zum Gegenstand von Kunst.“

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Leseprobe beim Verlag

Persönliche Bewertung

Beieindruckende Faktensammlung über die Schattenseiten des Kunstmarktes – leider wenig mitreißend erzählt

3 von 5

Ein interessantes Buch über die etwas andere Seite der Kunst. Viele gut erzählte und gut recherchierte Geschichten und Geschichtchen verstecken sich zwischen den gar nicht mal übermäßig vielen Seiten. Und genau da wird die Schwäche des Buches offensichtlich. Es erzählt zu vieles, in zu kurzen, zu wenig einfühlsamen Geschichten auf einmal. Dem Leser bleibt keine Gelegenheit, der einzelnen Geschichte – die oft eher den Charakter einer ausgewachsenen Tragödie haben, egal ob es sich um den sterbenden van Gogh oder das Schicksal des grandiosen Fälschers Mrugalla handelt, nachzuspüren. Schade – hier wäre mehr möglich gewesen. So verbleibt am Ende nur der Eindruck einer schnell erzählten, daher auch schnell vergessenen Faktensammlung.

ISBN10
3832190937
ISBN13
9783832190934
Dt. Erstveröffentlichung
2010
Taschenbuchausgabe
302 Seiten