Die Gärten von Dorr

Autoren
Illustrator
Charlotte Dematons
Übersetzer
Hans-Joachim Schädlich
Verlag
Urachhaus Verlag
Anspruch
4 von 5
Humor
4 von 5
Lesespaß
5 von 5
Schreibstil
5 von 5
Spannung
5 von 5

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Zusammenfassung zu “Die Gärten von Dorr”

Einst hieß die Prinzessin „Verlier-mich-nicht“, so genannt von ihrem Freund und Liebsten, dem Gärtnerjungen, den sie „Komm-zurück“ nennt. Ihr Vater jedoch, der König, hat sich von einer Hexe bezaubern lassen, die im Schlossturm wohnt. Und so merkt er nicht, wie die Hexe Sirdis plant, das Glück der Prinzessin zu zerstören. Als eines Tages Sirdis den Gärtnerjungen in eine Blume verwandelt, ist die Prinzessin zu Tode betrübt. Doch es gibt Hoffnung: Der Hofnarr, ein Freund der Prinzessin, entlockt der Hexe das Geheimnis, dass die Gärtnerjungen-Blume in den Gärten von Dorr eingepflanzt werden muss, wenn aus ihr wieder der Junge Komm-zurück werden soll.

Die Prinzessin macht sich also mit ihrer Blume auf einen langen Weg, bis sie sich eines Tages von einem Zwerg übersetzen lässt, um in die verlorene Stadt Dorr zu gelangen. Als Bezahlung für die Überfahrt muss sie sich vom Zwerg küssen lassen. Das schwarze Mal, das der Kuss zurücklässt, trägt ihr fortan den Namen „Zwergliebchen“ ein. Vor der Stadt trifft sie auf den Torwächter, den Soldaten Jiri, der ihr seine Geschichte erzählt und sie vor Dorr warnt, wo es keine Gärten mehr gibt die Einwohner verwelken. Zwergliebchen lässt sich jedoch nicht beirren und betritt die Stadt, um die Gärten mit Hilfe verschiedener Einwohner der Stadt (die alte Frau Jojo, der blinde Zauberer Aljassus oder die Kröte Glop) zu finden. Doch Dorr ist gefährlich, die Stadt wird beherrscht von der Angst und einer unheimlichen Besatzungsmacht unter dem Einfluss einer Hexe…

Wichtige Charaktere

  • die Prinzessin „Verlier-mich-nicht“, genannt „Zwergliebchen“
  • der Sohn des Gärtners „Komm-zurück“
  • der Spielmann Jarrik
  • der König
  • die Hexe Sirdis
  • der Zauberer Aljassus
  • Eipse
  • Mücke
  • Glop, die Kröte
  • der alte Soldat Jiri, der Torwächter
  • der Zwerg

Zitate

„Das Mädchen wollte gerade einen gellenden Schrei ausstoßen, da fiel plötzlich ein leiser Regen nieder. Keine Wassertropfen, sondern Schmetterlinge. Tausende und Abertausende. Sie kamen von allen Seiten und setzten sich auf den Mann. Auf Arme und Beine und Bauch und Brust und Rücken. Auf Haare und Wangen und Ohren. Und auf die Augen. Er sah die Blume nicht mehr, und als er die Schmetterlinge fortjagte, flogen immer neue herbei. Er war ein Schmetterlingsflügelmann geworden, farbenprächtig. Wie ein Kaiser oder ein Märchenprinz sah er aus, aber er führte sich auf wie ein Rasender, er sprang, tanzte und schrie. Doch die Schmetterlinge blieben sitzen und hüllten ihn ein, und als der Mann schließlich schreiend fortlief, sah er wie ein Drache aus, der im Feuerglanz den Berg hinunterfliegt.“

„Zieh silberne Schuhe an, das hilft, aber sie hat schon einen verloren. Geh nicht dorthin, aber sie ist doch gegangen. Vergiss ihn, aber sie konnte ihn nicht vergessen. Lass ihn stehen, im Wind, aber sie hat ihn mitgenommen. Der Schlossgarten war so schön, sie konnte den Garten nicht vergessen. Es standen keine Blumen darin, aber diese Gärten stehen voller Blumen. Wie lange schon? Du kommst nie mehr von dort zurück. Vergiss, bleib fort, geh zurück. Worauf lass ich mich da ein? Auch wenn ich sie nie vergesse, nie. Das ist nichts für einen närrischen Kerl. Er soll nur Späße machen, die Leute zum Lachen bringen. Und Tränen? Tränen darfst du nicht trocknen. Nur immer lachen.
Vorwärts und rückwärts und bunt durcheinander gingen die Gedanken in dem steinernen Standbild Jarrik, und schließlich wurde ein Traum daraus, der so klar und hell war wie eine wahr Geschichte.“

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Persönliche Bewertung

Ein Märchen über Liebe und Mut, zauberhaft illustriert

5 von 5

Eine Prinzessin, die durch die Welt reist, um ihren Liebsten, einen Gärtnerjungen, aus dem Pflanzendasein zu retten… die Grundmotive der Geschichte sind aus zahlreichen Märchen bekannt: Liebe, der Zauber einer bösen Hexe und die Beziehung der Prinzessin zu einem Sohn aus einfachem Haus. Von platten Klischees kann dennoch keine Rede sein, und dies ist nicht nur der Verdienst der teilweise absonderlichen Figuren, die Biegel für seine Geschichte erschafft, sondern auch durch seinen besonderen Erzählstil begründet. Der Autor bedient sich eines geschickten erzählerischen Schachzugs, indem er die Handlung nach und nach durch seine Charaktere erzählen lässt. Es gibt einen bzw. genau genommen zwei rote Fäden: Die Geschichte der Prinzessin und die der Stadt Dorr, die sich im Verlauf der Handlung zu einer verweben. Auf den ersten Seiten beginnt die Geschichte in der Mitte der Handlung, erst in Rückblicken und den Erzählungen verschiedener Charaktere offenbart sich langsam ihre Entstehung, während gleichzeitig die Handlung der Gegenwart weiterläuft bis zum Ende. Eine anspruchsvolle und sehr gelungene Erzählweise, die die Spannung aufrechterhält. Die sehr warmherzige und poetische Sprache Paul Biegels, die von Hans Joachim Schädlich überzeugend und zeitlos ins Deutsche übersetzt wurde, tut ihr Übriges zu einem Märchen, das zum Träumen einlädt, dabei aber auf rosaroten Kitsch verzichtet.

„Die Gärten von Dorr“ gilt als das Meisterwerk Paul Biegels. Angemessenerweise erscheint diese Neuausgabe als gebundenes Buch mit Halbleinenrücken. Mit den märchenhaft schönen Illustrationen von Charlotte Dematons ist es nicht nur ein wunderbares Märchen, sondern auch ein Prachtexemplar für das Bücherregal. Die erste Originalausgabe wurde in den Niederlanden von der vor allem als Autorin bekannten Tonke Dragt illustriert, in Deutschland erschienen „Die Gärten von Dorr“ erstmals 1973 im Thienemann Verlag, mit Illustrationen von Eva Johanna Rubin. Gleichgeblieben ist der Übersetzer. Welchen Illustrationsstil man bevorzugt, ist vor allem Geschmackssache. Unbestritten dürfte jedoch sein, dass Dematons‘ zarte Illustrationen, mal pastellig, mal sehr düster, perfekt den Zauber des Märchens einfangen.

Fazit

Paul Biegel erzählt eine Märchengeschichte mit traditionellen Motiven und Figuren. Seine poetische Sprache und die unwirklich schönen Illustrationen von Charlotte Dematons verbinden sich zu einem traumhaften Geschenkbuch für Märchenfreunde, Träumer, Poeten und Romantiker.

Originaltitel
De tuinen van Dorr
ISBN10
3825178064
ISBN13
9783825178062
Dt. Erstveröffentlichung
2014 (1973)
Gebundene Ausgabe
214 Seiten
Empfohlenes Lesealter
Ab 8 Jahren