Fabian – Die Geschichte eines Moralisten

Autoren
Verlag
Atrium Verlag
Anspruch
5 von 5
Humor
5 von 5
Lesespaß
5 von 5
Schreibstil
5 von 5
Spannung
5 von 5

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Zusammenfassung zu “Fabian – Die Geschichte eines Moralisten”

Der Roman spielt im Berlin Ende der 1920er Jahre. Hauptfigur Jakob Fabian ist als Werbetexter tätig. Aufgrund vieler Enttäuschungen glaubt er nicht mehr an eine Verbesserung der gesamten Menschheit. Lediglich sich selbst könne er noch verändern, lautet seine Meinung. Anders verhält es sich mit seinem alten Studienfreund Labude. Labude glaubt an die Weiterentwicklung in der Welt. Nach einer persönlichen Enttäuschung sucht Labude sein Glück bei verschiedenen Frauen, doch niemals wird er richtig glücklich. Fabian dagegen stolpert zufällig in das bunte Berliner Nachtleben hinein. Bordelle, Künstlertreffs und schäbige Kneipen sind nun seine Aufenthaltsorte. Er wird mit hemmungsloser Sucht nach Genuss ebenso konfrontiert wie mit der Verlogenheit der Menschen. Dabei behält er überwiegend eine beobachtende Position. Außerdem gerät Fabian ohne sein Zutun mitten hinein in die Konflikte der Kommunisten und Nationalsozialisten. Auf einmal begegnet er in einem Künstlerhaus Cornelia Battenberg. Zwischen ihnen entwickelt sich eine zarte Liebesbeziehung und es scheint, als würde Fabian seine pessimistische Haltung aufgeben. Doch Cornelia ist berechnend: Um ihren Traum von der Schauspielkarriere voranzutreiben, schläft sie mit einem Filmdirektor. Sie hofft dabei auf Fabians Verständnis. Vergeblich. Jakob Fabian versagt ihr sein Wohlwollen und trennt sich von ihr. Zeitgleich verliert er seine Arbeit als Werbetexter. Als sich schließlich auch noch Labude das Leben nimmt, gerät Fabians Welt ins Wanken. Er entschließt sich dazu, der Großstadt mit all ihren Verlockungen den Rücken zu kehren. Ziel ist sein kleiner Heimatort. Doch dort wird er nie ankommen…

Wichtige Charaktere

  • Jakob Fabian, Germanist
  • Cornelia Battenberg, seine Geliebte
  • Labude, Fabians Studienfreund

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Persönliche Bewertung

Ein ironisierendes Buch über den moralischen Verfall der Gesellschaft.

5 von 5

Der Roman liest sich sehr leicht und flüssig. Die Beschreibungen wirken dezent und an keiner Stelle obszön oder gar pornografisch, was dem Roman besonders zur Zeit des Nationalsozialismus oft als Vorwurf anhaftete. Fast auf jeder Seite blitzt Sprachwitz hervor. Dies ist typisch für ein Werk von Erich Kästner. Jedoch wird an keiner Stelle darüber hinweg getäuscht: Das entworfene Gesellschaftsbild ist ein äußerst pessimistisches. Jakob Fabian glaubt nicht mehr an das Gute, an das Veränderungswillige im Menschen. Dennoch kann er nicht anders, als immer wieder und unermüdlich seine moralisch korrekten Haltungen zum Einsatz zu bringen. Dies äußert sich beispielsweise im Verhalten nach seiner beruflichen Entlassung als auch im Umgang mit seiner Geliebten Cornelia Battenberg. Cornelia beginnt ein Verhältnis mit einem bekannten Filmdirektor, um ihre eigene Karriere anzukurbeln. Fabian kann Cornelias Verhalten nicht gutheißen. Er zieht einen Schlussstrich und trennt sich von ihr.

All das weist immer wieder auf den Titel des Buches hin: Die Geschichte eines Moralisten. Am Ende scheint nur die Resignation als einziger Ausweg zu bleiben. Fabian wartet nicht mehr darauf, dass ein anständiges Verhalten der Menschen zum Erfolg führen könnte. Der arbeitslose Germanist ist längst desillusioniert geworden. Bei ihm ist die Wandlung zum Realisten eingetreten. Doch auch diese Resignation lässt Erich Kästner nicht bis in alle Konsequenzen gelten: Er lässt den gescheiterten Fabian bei dem Versuch, einem kleinen Kind das Leben zu retten, ertrinken. Ein Weiterleben in einer unmoralischen Welt hält der Schriftsteller demnach keineswegs für erstrebenswert. Der Niedergang der Weimarer Republik scheint für ihn besiegelt zu sein. Dennoch dürfen moralische Normen ihre Gültigkeit zu keinem Zeitpunkt verlieren. Einen Zerrspiegel wollte der Autor dem Leser vorhalten, um ihn damit zum veränderten Handeln aufzufordern.

Fazit

Dieses Buch ist eine provokante und brilliant geschriebene Satire vom damaligen Leben in den großen Städten, die gewiss auch heute von ihrer Gültigkeit noch nichts eingebüßt hat. Ein Muss in jedem Bücherregal!

ISBN10
3855353727
ISBN13
9783855353729
Dt. Erstveröffentlichung
2010 (1931)
Gebundene Ausgabe
272 Seiten

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