Eve sieht es anders

Autoren
Übersetzer
Maren Illinger
Verlag
Knesebeck Verlag

Zusammenfassung zu “Eve sieht es anders”

Eve lebt mit ihrer alternativen Mutter in einer selbstgebauten geodätischen Kuppel und wird zu Hause unterrichtet. Das letzte Jahr möchte sie auf einer normalen Highschool verbringen. Schon vor dem ersten Schultag lernt sie Jacinda und Rajas kennen und freundet sich mit den beiden an. So ist der Einstieg in die Schule zwar anfangs problemlos, doch schon bald merkt Eve, dass die von ihrer Mutter vermittelten und gelebten Werte sie an der Schule vor Schwierigkeiten stellen. Überall begegnen ihr Ungerechtigkeiten und ungewohnte Konformität, die sie zunächst im Philosophiekurs mit dem Lehrer diskutiert, misstrauisch verfolgt von der Klasse.

Als ein Mädchen aus Jacindas Cheerleader-Gruppe von der Lehrerin vor der Gruppe gedemütigt wird, sieht sich Eve gezwungen zu handeln. So ruft sie gemeinsam mit Jacinda und Rajas den Blog PLUTOS (Plattform gegen Unterdrückung und für Toleranz, Offenheit und Selbstermächtigung) ins Leben, auf dem sie Ungerechtigkeiten anprangern und Leser zur Teilnahme auffordern. Mit der Missbilligung der Schule haben die drei Verbündeten gerechnet, doch nicht damit, dass ihr Projekt ein Eigenleben entwickelt und sie selbst in den Fokus geraten könnten…

Wichtige Charaktere

  • Eve
  • Rajas
  • Jacinda
  • Eves Mutter Martha
  • Mr Brookner
  • Marcie
  • Ms Gliss
  • Dr Folger

Zitate

„Alle Augen sind auf mich gerichtet. Ich schlucke hart. Meine Wortgefechte mit Brookner haben sich rumgesprochen, genau wie die Verweise, die ich mir eingehandelt habe, und meine Briefe an die Schülerzeitung. Jacinda und Rajas haben noch nichts gesagt, aber ihre Sorge ist greifbar. Offenbar habe ich in kürzester Zeit einen Trip vom Kuriosum zum Ärgernis zurückgelegt, und die anderen Schüler reden über mich – und nicht unbedingt freundlich. In Philosophie sind Marcie und Chefredakteur Stiv umgänglich, aber die anderen sind nicht so großzügig. Vor allem Megan scheint einen richtigen Hass auf mich entwickelt zu haben.“

„Wie Sartre in ‚Geschlossene Gesellschaft‘ sagte: ‚Die Hölle, das sind die anderen.'“
Das perfekte Zitat für Brookners Tafel.
Mist. Ich werde mit jeder Minute resignierter. Martha würde die Institution Schule dafür verantwortlich machen. Und ich muss zugeben, im Augenblick täte ich nichts lieber, als wieder zu Hause zu lernen. Ein Ökodorf entwerfen, Gräser untersuchen, die Wolken beobachten, die Scheune ausmisten, eine Onlineaufgabe lösen, Wildkräuter und Tiere zeichnen. Stimmt nicht. Im Augenblick täte ich nichts lieber, als Zeit mit Rajas zu verbringen. Allein. Schmetterlinge flattern in meinem Bauch, schon beim Gedanken an ihn wird mir heiß.“

Persönliche Bewertung

Eindrucksvolles Beispiel, wie subjektiv die Gerechtigkeit sein kann

5 von 5

Schulkritik, fragwürdige Lehrer-Schüler-Beziehungen, Bevormundung, (Cyber-)Mobbing, Diskriminierung, Sexismus, Vorurteile, Auseinandersetzungen in einer Freundschaft, erste Beziehungen… es ist eine ganze Bandbreite an Themen, die in diesem Jugendroman angerissen und teilweise sogar tiefer beleuchtet werden. Durch die Wahl der Ich-Erzählerin Eve werden Leser in die Perspektive der kritischen Außenseiterin versetzt. Zustände, die im eigenen Leben oder in anderen Geschichten vollkommen normal sind, werden so hinterfragt. Gleichzeitig ist Eve Teil der Zielgruppe, in ihrer Gefühlswelt ein ganz normales Teenager-Mädchen, das verliebt ist und die neu gewonnene Freundin nicht verlieren möchte. So ist sie gleichzeitig Sympathieträgerin und mögliche Identifikationsfigur als auch ein Charakter, der einen neuen Blick offenbart und Einblick in ihr eigenes, durch ihre alternative Mutter geprägtes „Öko“-Leben gewährt.

Leser, die angesichts von Liebesgeschichten mit den Augen rollen, seien getröstet: Zwar erlebt Eve in der Geschichte die Höhen und Tiefen einer Teenagerliebe, doch steht diese Beziehung nicht im Fokus der Handlung. Wichtiger ist das Umfeld der Schule sowie Eves Reaktionen darauf und der gefährliche Selbstläufer, den sie ungewollt in ihrem Kampf um Gerechtigkeit hervorruft. Was anfangs wie eine gut Idee erscheint, entwickelt schnell ein Eigenleben und zeigt, dass Öffentlichkeit einer gewissen Verantwortung und eines Bewusstseins um die Konsequenzen bedarf und die Wahrheit und Gerechtigkeit zwei sehr subjektive Güter sind, die großen Schaden anrichten können.

Die Geschichte unterteilt sich in recht kurze Kapitel, denen jeweils ein passendes Zitat vorangestellt ist, das weitere Gedanken anregen und Grundlage für Diskussionen (vielleicht auch im Unterricht) bieten kann. J. J. Johnson schreibt in einer Sprache, die der Zielgruppe angemessen scheint und sich einfach liest. Die Erzählweise ist von der Hauptfigur geprägt, die zwar im jugendlichen Alter ist, aber dennoch durch ihre alternative Mutter geprägt wurde und daher stellenweise erfahrener und älter erscheint. (Interessant ist die Wahl des Titels in der deutschen Übersetzung: Während das Original mit „this girl“ sehr allgemein bleibt, jede(r) könnte „dieses Mädchen“ sein, nennt der deutsche Titel ihren konkreten Namen und macht „das Mädchen“ zu einer bestimmten Person.) Mit seinen gut 200 Seiten weist das Buch eine gute Länge auf, um im Unterricht eine Vielzahl von Themen, vor allem das Mobbing und die Gerechtigkeit, anzusprechen.

Fazit

J. J. Johnson liefert mit ihrem Jugendroman um die Außenseiterin Eve zum einen eine Geschichte, die lebensnah zeigt, welchen schweren Stand Kritisch- oder Andersdenkende in der Gesellschaft haben. Zum anderen zeigt sie auf, welche Probleme in der Selbstjustiz liegen und wie durchlässig die Grenze zwischen Gerechtigkeit und Mobbing sein kann. Ein Buch, das nachdenklich macht und sicherlich auch eine gute Diskussionsgrundlage im Unterricht bieten kann.

Originaltitel
This Girl is different
ISBN10
3868738193
ISBN13
9783868738193
Dt. Erstveröffentlichung
2015
Gebundene Ausgabe
316 Seiten
Empfohlenes Lesealter
Ab 14 Jahren

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