Die Chroniken von Anbeginn (2) – Das Buch Rubyn

Autoren
Übersetzer
Alexandra Ernst
Verlag
cbj Verlag

Zusammenfassung zu “Die Chroniken von Anbeginn (2) – Das Buch Rubyn”

Ihre Eltern haben die Geschwister Kate, Michael und Emma immer noch nicht gefunden während ihrer Abenteuer, die ihnen das mächtige Buch Emerald bescherten. Wegen diesem Buch sind der grässliche Magnus und seine Morum Cadi noch immer hinter ihnen her. Auch der Zauberer Dr. Pym hat sie verlassen und zurück in das Waisenhaus der furchtbaren Miss Crumley geschickt. Zwar schreibt Kate ihm regelmäßig Briefe, doch eine Antwort erhält sie nicht. Als die Morum Cadi auf der Geburtstagsfeier der Heimleiterin auftauchen, gelingt den drei Geschwistern die Flucht nicht wie geplant und sie werden voneinander getrennt. Während Kate mit Hilfe des Buches Emerald in die Vergangenheit reist, werden Michael und Emma von Dr. Pym gerettet und an einen fremden Ort gebracht ohne eine Möglichkeit, Kate wiederzufinden.

Kate findet sich in New York wieder, jedoch hundert Jahre zuvor. Zu dieser Zeit waren die magische und die normale Welt noch nicht voneinander getrennt, die magischen Geschöpfe lebten unter den Menschen, wenn sie auch wenig akzeptiert und erst recht nicht geschätzt wurden. Bei der Bande der Wilden von Rafe, einer Gruppe magiebegabter Kinder, findet Kate Unterschlupf. Der geheimnisvolle Rafe scheint sie bereits zu kennen, und sie findet schließlich heraus, welch große Rolle er im späteren Kampf spielen wird. Michael und Emma suchen gleichzeitig nach dem zweiten magischen Buch, dem Buch Rubyn. Ihre Suche führt sie in den hohen Norden, wo sie in Gabriels Begleitung auf Elfen, Drachen und weitere Schwierigkeiten stoßen…

Wichtige Charaktere

  • die Geschwister Kate, Michael und Emma
  • Dr. Stanislaus Pym
  • der grässliche Magnus
  • Rafe und Abigail
  • Mrs. B und Scruggs
  • Gabriel
  • Declan Rourke
  • Dr. Hugo Algernon
  • die Morum Cadi

Zitate

„Michael hob den Kopf und blickte Gabriel in die Augen.
‚Du bist nicht mehr der Junge von damals. Tag für Tag entscheiden wir, allein durch unsere Taten, wer wir sind.'“

„Die Kirche stand an der Ecke der First Avenue und einer schmalen Querstraße. Der Mob drängte sich auf der Hauptstraße. Es waren Männer und Jungen, die Fackeln, Messer und Knüppel dabeihatten. Sie schrien, lachten und jubelten, schleuderten Pflastersteine und Flaschen durch die Fenster der Kirche. Ihre Gesichter waren im Licht der Flammen rot und dämonisch verzerrt. Hinter der rasenden Menge blieb Kate stehen.
Wie konnten sie nur so etwas tun? Woher kam dieser entsetzliche, unbändige Hass? Es waren doch bloß Kinder! Sie hatten nichts Böses getan!“

„‚Nein! Ich meine, ja, vieles war nicht so schmerzhaft oder quälend. Aber der Sinn des Lebens besteht nicht darin, den Schmerz zu vermeiden. Der Sinn des Lebens ist, lebendig zu sein. Er bedeutet, das Gute und das Schlechte zu akzeptieren. Natürlich gibt es den Schmerz und das Leid. Aber es gibt auch Freude, Glück, Freundschaft und Liebe. Und es ist die Sache wert, glaube mir. Deine Mutter und ich haben zehn Jahre unseres Lebens verloren, aber in dieser Zeit haben wir jede Sekunde die Liebe für dich und deine Schwestern gespürt. Und das würde ich nicht gegen alles in der Welt eintauschen. Lass dich nicht von der Angst vor Gefühlen beherrschen. Wähle das Leben, mein Sohn.'“

Alle Bände der Reihe

1. Emerald
2. Das Buch Rubyn
3. noch ohne Titel

Links

Leseprobe (PDF) beim Verlag
Website zur Reihe

Persönliche Bewertung

Der zweite Teil einer unwiderstehlichen phantastischen Abenteuergeschichte

5 von 5

Auf knapp 500 Seiten erzählt John Stephens eine phantastische Geschichte, die ihre Leser auf eine Reise durch fremde und teilweise sehr düstere Welten und ferne Zeiten schickt. Im Fokus stehen die drei sehr unterschiedlichen Geschwister Kate, Michael und Emma. Da die drei Hauptcharaktere in diesem Band getrennt werden, richtet der auktoriale Erzähler den Blick abwechselnd auf Kates Erlebnisse und auch Michaels und Emmas Abenteuer. Durch die Sicht auf die zwischenmenschlichen Probleme zwischen den Geschwistern und die widersprüchlichen Gefühle jedes Charakters, zum Teil auch untereinander (Neid, Unsicherheit und Schuldgefühle genauso wie Verständnis und Liebe), ist nicht nur eine spannungsvolle Abenteuergeschichte, sondern auch eine sehr menschliche Erzählung entstanden.

In der abenteuerlichen Geschichte bringt Stephens kleine Weisheiten unter, die zwar sehr banal sind, aber dennoch nicht abgedroschen wirken. Für die Zielgruppe (ab 10 Jahren) sind philosophischere Anspielungen, die schwieriger zu verstehen sind, ohnehin nicht geeignet in einer eigentlich unterhaltsamen Abenteuergeschichte. Ein Beispiel für den Tiefsinn im „Buch Rubyn“ ist Michaels Verarbeitung seines Verrats an seinen Schwestern im ersten Band und Gabriels Aussage hierzu (siehe Zitat). Was einen Menschen ausmacht, ist vor allem das, was er tut; seine Taten definieren ihn, nicht seine Herkunft, sein Aussehen oder die Fehler der Vergangenheit. Jeden Tag hat man die Möglichkeit, sich neu zu entscheiden, wer man sein möchte. Hierüber kann man sicherlich geteilter Meinung sein – man könnte ebenso argumentieren, dass die vergangenen Taten aussagekräftig sind und im Fall schwerer Verbrechen kaum vollkommen vergessen werden können. Doch um Mörder und Vergewaltiger geht es Stephens sicherlich nicht, die Aussage ist vor allem: Es ist nie zu spät, sich zu ändern, sich zu entscheiden, ein anderer Mensch zu sein.

Daneben geht es um Themen wie Intoleranz und die Verfolgung Andersartiger – es drängt sich hier der Vergleich zu den Hexenverbrennungen geradezu auf: Nur wegen einer irrationalen Angst und aus dem Neid heraus, nicht über Magie zu verfügen, werden die magischen Geschöpfe von den nichtmagischen Menschen verfolgt und beschmipft. In der magischen Welt führt dies zu Rachegelüsten, zu Hass und Verachtung für die „gewöhnlichen Menschen“. So entsteht ein Krieg, der von außen unverständlich wirkt, der sich allein aus Angst und Missgunst nährt. Michael dagegen baut seine Vorurteile gegen die Elfen ab, als er sie näher kennenlernt (hier lassen sich Parallelen zum Rassismus unter Menschen erkennen), bezeichnenderweise akzeptiert er das Elfenvolk jedoch erst, als sie für ihn kämpfen und bereit sind, ihr Leben für ihn und Emma zu geben.

Der Großteil der Geschichte baut auf Spannung (und zum Teil actionreiche Kämpfe im Stil des Herrn der Ringe, jedoch natürlich in altersgemäßer abgeschwächter Form, viele Tote gibt es jedoch leider auch hier) auf, es gibt jedoch auch leisere und nachdenklichere Passagen. Die wenigen romantischen Szenen in der Geschichte sind erfreulich unkitschig und geschmackvoll, und auch der Humor kommt nicht zu kurz. Zum Schmunzeln und auch für Kinder sicherlich herrlich ist die schwierige Beziehung zwischen Michael und der Elfenprinzessin, die sich in ihn verliebt hat und ihn „Hasi“ nennt. Für ihre Untergebenen, die Soldaten, wird damit aus dem Helden Michael, der ihre Prinzessin gerettet hat, „Sir Hasi“, und so heißt es folgerichtig und voller Ernst vorgetragen: „Ein Hoch auf Sir Hasi!“

Die Handlung fesselt auch in diesem Band von der ersten bis zur letzten Seite und zieht mit abenteuerlichen Kulissen wie der Expedition in den hohen Norden oder der Reise in eine längst vergangene Zeit in ihren Bann. Die klassischen Fantasywesen wie Gnome, Elfen, Hexen und Zauberer sowie die Morus Cadi (die schon aus dem ersten Band bekannt sind) bieten keine Überraschungen in den Figuren, doch dies tut dem Lesespaß und der Spannung keinen Abbruch. Einzelne Handlungsfäden werden im Laufe der Geschichte verknüpft, Probleme werden – zumindest vorübergehend – gelöst, bis „Das Buch Rubyn“ mit einem echten Cliffhanger endet, der die Wartezeit bis zum dritten Band und bis zu einem Wiedersehen mit Kate, Michael und Emma sehr lang erscheinen lässt.

Fazit

Ein würdiger Nachfolger für „Emerald“, ebenso düster, phantastisch und komplex wie der erste Band.

Originaltitel
The Fire Chronicle - The Books of Beginning, Book Two
ISBN10
3570153932
ISBN13
9783570153932
Dt. Erstveröffentlichung
2012
Gebundene Ausgabe
496 Seiten
Empfohlenes Lesealter
Ab 10 Jahren