Die Bücher von Umber (2) – Drachenspiele

Autoren
Illustrator
Helge Vogt
Übersetzer
Birgit Schmitz
Verlag
Carlsen Verlag

Zusammenfassung zu “Die Bücher von Umber (2) – Drachenspiele”

Happenstance, der Junge ohne Erinnerung, und Lord Umber sind wieder einmal unterwegs, auf der Suche nach den faszinierenden Geschöpfen der Welt. Gleichgültig, wie gefährlich die Wesen sind, Umber muss sie gesehen, am liebsten sogar berührt haben. Diesmal sind es die Seeriesen, die es ihm angetan haben. Einmal mehr entkommen sie knapp auf der Walfischbarke. Zurück in Kurahaven holt sie bald die bittere Realität ein. Sie sollen die Prinzen auf der Jagd nach dem Todeskeiler begleiten. Auf dieser Jagd verunglückt der älteste Prinz, Argent, und damit ist Prinz Galbus der Thronfolger. Er durchlebt eine erstaunliche Wandlung, die kaum jemand für möglich gehalten hätte, und aus dem ewig betrunkenen Hofnarr wird ein vernünftiger Repräsentant des Königshauses, der sogar Umbers Ideen von mehr Gleichheit und Bildung für das einfache Volk nicht so ablehnend gegenübersteht, wie es sein älterer Bruder tat.

Als Lord Umber zu den „Drachenspielen“ in das Königreich Sarnica gerufen wird, ist er also guten Mutes und voller Zuversicht. Auf dem Weg nach Sarnica kommen sie Caspar zur Hilfe, Umbers früherem abtrünnigen Archivar, der ihnen mit Hilfe mysteriöser Glaskugeln einen Hilferuf sendet. Caspar wird von den „Bittmichs“ in einer Vulkaninsel gefangengehalten. An Schlaf ist nicht zu denken, permanent muss er sich als „Gebieter“ neue Aufgaben für die gefährlichen Geschöpfe ausdenken. Die Insel verlassen darf er nicht, und so erhofft er sich von Umber eine List und seine Rettung. Umber und Hap entkommen den „Bittmichs“ mit knapper Not, um eine Lösung für Caspars Rettung zu suchen und ihre Reise fortzusetzen, doch schon auf dem Weg in Richtung Sarnica geschieht das nächste Unglück: Hap geht über Bord und landet auf einer Insel, die von den bedrohlichen Seelenkrebsen bevölkert wird. Wird ihn Umber mit dem fliegenden Silkship rechtzeitig retten können und werden er und sein Mündel die Drachen vor den grausamen Kämpfen bewahren und befreien können?

Wichtige Charaktere

  • Happenstance “Hap”
  • Lord Umber
  • Oates
  • die Prinzen Loden und Galbus
  • Caspar
  • Willy Nilly
  • Pilot und das Silkship
  • Arabell, Gossilen und Quellen
  • Bertram Charmaigne, der Friedensstifter
  • Hameron
  • Brugador
  • Magador

Zitate

„Das Wesen war noch merkwürdiger als die Bittmichs und noch grotesker als die Seelenkrebse. Es hatte die Beine und den Körper einer Spinne, aber den Kopf eines menschlichen Kleinkindes. Das Wesen miaute ihn an und gab dabei den Blick auf gebogene Reißzähne in seinem Maul frei. ‚Urgs‘, war alles, was er hervorbrachte. Er schlug sich die Hand vor den Mund und kämpfte gegen eine plötzliche Übelkeit an.“

„Das kleine Boot näherte sich dem Spalt. Auf beiden Seiten gab es hässliche Erhebungen aus zerklüftetem schwarzen Gestein, das im Wasser dampfte und schwarzen Rauch und glühendes Magma auswarf. Die gewaltige Wand aus Wasserdampf verdeckte vor ihnen den Himmel. Stücke grauer Materie hüpften auf dem Wasser auf und ab und schlugen gegen das Boot. Umber, der am Bug saß, griff ins Wasser, zog eins heraus und hielt es hoch, damit Hap es sehen konnte. ‚Bimsstein!‘, rief er. ‚Vulkangestein. Der einzige Stein, der auf dem Wasser schwimmt.‘
Hap saß mit einem Eimer Wasser zwischen den Füßen im Heck. Wenn geschmolzenes Gestein oder glühende Asche auf dem Boot landete, war es seine Aufgabe, sie zu löschen. Balfour hockte mit einem weiteren Eimer neben Umber. Die meisten Ruderer, darunter auch Oates, hatten Tücher ins Meer getaucht und sie sich über Kopf und Schultern gelegt. Hap senkte eine Hand ins Wasser – es war fast zu heiß, um es zu berühren. Na, toll, dachte er. Wenn ich diesmal ertrinke, werde ich noch zusätzlich gekocht.“

Alle Bände der Umber Trilogie

Der gefundene Junge
Drachenspiele
Das Ende der Zeit

Persönliche Bewertung

Abenteurer treffen auf faszinierende und schauderhafte Fantasiegeschöpfe

5 von 5

P. W. Catanese erzählt einen Steampunkroman, dessen Handlung auf klassischen Motiven gründet: Unterdrückung und Monarchie bilden den Rahmen für Umbers Welt, Machtbestreben und Skrupellosigkeit treiben seine Gegner an. Schwarz-Weiß-Malerei kann man dem Autor jedoch nicht vorwerfen: Gut und Böse verwischen sich, auch abstoßende Charaktere gehören zu den „Guten“. Gleichzeitig weist Catanese darauf hin: Keine Revolution lässt sich ohne Gewalt durchsetzen, kein Diktator tritt freiwillig ab. Beschönigt wird nichts in dieser Geschichte und dennoch werden der grausame Herrscher, der Aufstand der Gefangenen und Unterdrückten und der Frauenraub des Herrschers altersgemäß beschrieben.

Die Geschichte wird vom auktorialen Erzähler aus Haps Sicht erzählt. Der Leser lernt mit ihm die Welt weiter kennen. Hap als Hauptfigur ist sympathisch und so authentisch, wie das ein Charakter ohne konkrete Erinnerung an seine Vergangenheit nur sein kann, man leidet und staunt mit ihm. Der rote Faden dieser Geschichte ist Haps Fluch und Begabung als Fädenzieher, als Lenker des Schicksals, der seine eigenen Fähigkeiten besser gebrauchen lernt. Man erfährt von Haps Herkunft und mehr vom mysteriösen WN, der für Haps Verwandlung in einen Fädenzieher verantwortlich ist.

Cataneses Schreibstil lässt sich angenehm und flüssig lesen. Gleichzeitig verfügt der Autor über ein hohes Maß an Einfallsreichtum, er erschafft faszinierende und schauderhafte Kreaturen: Seelenkrebse, Bittmichs, Seeriesen und Spinnenmenschen. Auch der Humor kommt nicht zu kurz mit Umber und seiner kindlichen Abenteuerlust sowie seinem getreuen Freund Oates und dessen Fluch, die Wahrheit sagen zu müssen, der zu einigen peinlichen Situationen führt. Und schließlich gibt es natürlich auch die eine oder andere versteckte Moral in der Geschichte: So bedeuten zum Beispiel Caspers Machtgier und der Wunsch nach Herrschaft seinen Untergang. Zwar werden alle seine Wünsche erfüllt, doch wird er selbst zum Sklaven seiner Diener. Das Ende von „Drachenspiele“ ist überraschend. Der eine oder andere mag es geahnt haben, doch weckt es in jedem Fall die Neugier auf den dritten Band der „Bücher von Umber“.

Fazit

Eine Abenteuergeschichte mit klassischen Steampunk-Motiven (die Walfischbarke und das Luftschiff), die durchweg fesselnd und humorvoll geschrieben ist und Vorfreude auf den dritten und letzten Band der Reihe weckt. Der Inhalt ist ebenso gelungen wie die Covergestaltung von Helge Vogt, die den perfekten Rahmen für die abenteuerliche und mysteriöse Geschichte bietet.

Originaltitel
The Books of Umber - Dragon Games
ISBN10
3551552797
ISBN13
9783551552792
Dt. Erstveröffentlichung
2011
Gebundene Ausgabe
368 Seiten
Empfohlenes Lesealter
Ab 12 Jahren

Eine Antwort zu
Die Bücher von Umber (2) – Drachenspiele

  1. Nana

    Wun­der­vol­le Rezen­si­on, die abso­lut Lust macht, „Die Bücher von Umber“ zu lesen ♥
    Ich hat­te bis­her noch nicht von der Rei­he gehört und bin durch euer „Monats­the­ma“ nun dar­über gestol­pert… Werd ich mir defi­ni­tiv näher anse­hen! *smi­le*

    Vie­le lie­be Grü­ße und ein schö­nes Wochen­en­de!
    Nana :o)