Der Schimmelreiter

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Insel Verlag
Anspruch
5 von 5
Lesespaß
5 von 5
Schreibstil
4 von 5
Spannung
5 von 5

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Zusammenfassung zu “Der Schimmelreiter”

Die Novelle beginnt mit dem Bericht eines Schulmeisters: Einst soll es einen Hauke Haien gegeben haben, der vom Meer und seinen Deichen besessen gewesen war. Seine Vorstellung ist der Bau eines neuen Deiches, der zur See hin flacher abfällt als der alte. Mit dieser Idee stößt er auf das Interesse des Deichgrafen. Ole Peters, der Großknecht, merkt, wie Hauke Haien beim Deichgrafen Gefallen findet. Er wird von Neid gepackt. Der Konflikt verschärft sich, als sowohl Haien als auch Peters um die gleiche Frau zu werben beginnen: Elke, die Tochter des Deichgrafen. Auf dem Winterfest gewinnt Haien einen Wettkampf. Daraufhin lässt er einen Ring schmieden und hält direkt um Elkes Hand an. Doch die Umworbene lehnt ab. Der Grund: Sie möchte sich noch Zeit lassen. Dann passieren zwei Todesfälle: Sowohl Elkes als auch Haukes Vater versterben. Auf einmal ist die Stelle des Deichgrafen frei.

Ole Peters sieht seine Chance gekommen, schließlich verfügt er über den meisten Grundbesitz. Doch es ist Elke, die ihm widerspricht. Sie behauptet, sie sei inzwischen mit Hauke verlobt und nach einer Hochzeit wäre ihr gemeinsames Land das größte von allen. Also wird Haien Ehemann und neuer Deichgraf. Er beginnt, den neuen Deich errichten zu lassen. Eine schwere Sturmflut droht das ganze Dorf zu überfluten. Während Hauke Haien den neuen Deich und das Land dahinter retten möchte, wünscht sein Widersacher Ole Peters die Durchstoßung des neuen Deiches. Doch da bricht bereits der alte Deich. Elke und das gemeinsame Töchterlein sind gerade zu Hauke unterwegs, sie sterben in den Fluten. Verzweifelt stürzt sich Hauke mit seinem Pferd, einem Schimmel, hinterher. Und es soll dieser Schimmel sein, erzählt der Schulmeister, der noch heute in bestimmten Nächten über den Deich reiten soll.

Wichtige Charaktere

  • Hauke Haien, Deichgraf
  • Elke, seine Frau
  • Wienke, ihr gemeinsames Kind
  • Ole Peters

Interpretation

Beim „Schimmelreiter“ handelt es sich um das letzte Werk des Autors. Trotzdem besticht es mit einer Unfertigkeit und Befremdlichkeit, die jedoch auch den Reiz ausmachen. Hauptfigur Hauke Haien wendet sich mit aller Macht gegen die Gewalt der Natur (Sturmflut), aber auch gegen menschliche Sturheit und Verstocktheit gilt es anzukämpfen. Ole Peters als sein Widersacher lässt sich bis zum Schluss nicht von Haukes neuen Ideen beeindrucken. Der Fortschritt wird eingedämmt. Am Ende bezahlen ihn Haukes Frau Elke und das gemeinsame Töchterlein Wienke mit dem Leben. Da Hauke ohne seine Liebsten nicht mehr leben möchte, stürzt er sich mit seinem Pferd ebenfalls ins tosende Meer. Seitdem soll ein Reiter mit seinem Schimmel auftauchen – gespenstisch und mahnend. Ruhelos irren die Geister der Toten umher. Dieser Konflikt zwischen Aberglauben (Ole Peters und der Rest des Dorfes) sowie zwischen Wissenschaft (Hauke Haien mit seinem neuen Deich) durchzieht maßgeblich den Text. Schließlich gewinnt im ersten Moment der Aberglauben über die Wissenschaft. Doch trotz des Todes von Hauke – der Fortschritt wird Bestand haben. Als der Schulmeister die Geschichte von Hauke Haien im Wirtshaus erzählt, lässt er nicht unerwähnt, dass Haukes Deich bereits seit mehr als einhundert Jahren den Fluten trotzt. Damit gehört die Ende des 19. Jahrhunderts verfasste Novelle zur realistischen Literatur.

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Persönliche Bewertung

Gespenstisch anmutende Novelle über das frühere Leben am Deich

5 von 5

Heutige Leser mögen die Novelle etwas befremdlich finden. Ein Schulmeister erzählt in einem Gasthaus eine Geschichte über einen Deichgrafen und sein Pferd, beide würden in dunklen Nächten immer wieder über den Deich galoppieren, und alle halten den Atem an. Niemand würde bei solchen Worten heute mehr den Atem anhalten. Doch ausgerechnet diese Vorstellung ist das Wertvolle an dem Text. Die Geschichte spielt in einer früheren Zeit, in einer Zeit, als es noch um Traditionen und um Ursprüngliches ging. Und es ist ausgerechnet dieses Fehlen an Action, an schockierenden Inhalten, die den „Schimmelreiter“ auch heute noch lesenswert machen. Hier geht es nicht um Mord oder um Intrigen und Tricks, sondern um den Kampf gegen die Naturgewalten. Diese eher leisen Töne mögen dem heutigen Internet und Handy verwöhnten Leser vielleicht langweilig und unmodern erscheinen. Aber es lohnt sich, in eine Welt einzutauchen, die noch von Landvermessung und dem einfachen Leben an der Nordsee geprägt war. Vielleicht schafft es Theodor Storms Erzählung, uns mit den Problemen von Hauke Haien und den anderen Deichbewohnern ein wenig wegzubringen von unseren Problemen, die oftmals gar keine wirklichen mehr sind.

Fazit

Trotz der an manchen Stellen altertümlich anmutenden Sprache handelt es sich um eine Gespenstergeschichte, die den Leser mit sich reißt wie die riesige Sturmflut Hauke Haiens Land mit Frau und Kind. Ein Klassiker, der in keinem Bücherregal fehlen sollte, eine Novelle die dazu anspornt auch fremde, noch nicht ausgetretene Wege zu gehen.

ISBN10
3458362169
ISBN13
9783458362166
Dt. Erstveröffentlichung
2011 (1888)
Taschenbuch
143 Seiten

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