Der Name der Rose

Autoren
Übersetzer
Burkhart Kroeber
Verlag
Deutscher Taschenbuch Verlag (dtv)
Anspruch
5 von 5
Humor
4 von 5
Lesespaß
5 von 5
Schreibstil
5 von 5
Spannung
5 von 5

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Zusammenfassung zu “Der Name der Rose”

Die spannungsreiche Handlung des historischen Romans spielt sich im frühen 14. Jahrhundert in einer Benediktinerabtei ab, die in Norditalien liegt: Der englische Franziskanermönch William von Baskerville möchte sich in der Abgeschiedenheit des Klosters mit der Rolle der Kirche beschäftigen – etwa, ob ihr Reichtum und Macht zustünden oder sie ein besseres Vorbild wäre, wenn sie auf eigenen Wohlstand verzichten würde. Mit seinem Begleiter, dem Novizen Adson von Melk, wird er Zeuge mehrerer, kurz hintereinander geschehener, mysteriöser Todesfälle. Der dem Kloster vorstehende Abt bittet von Baskerville, die Morde aufzuklären, da er von dessen Scharfsinn und Klugheit überzeugt ist. Ein Schlüssel zur Aufklärung scheint in der Klosterbibliothek zu liegen. Auch von außen kommen weitere Besucher, die sich an der Klärung der Verbrechen beteiligen und mit wenig Feinsinn, dafür umso mehr Machtversessenheit an die Ermittlungen herangehen…

Wichtige Charaktere

  • William von Baskerville
  • Adson von Melk
  • Jorge von Burgos, zweitältester Mönch, blind
  • Bernard Gui, Inquisitor
  • Malachias von Hildesheim, Bibliothekar und Mordopfer

Interpretation

Umberto Eco schuf mit seinem Roman „Der Name der Rose“ ein umfangreiches, mitreißendes Werk, in dem er verschiedene Elemente einsetzte – vom Schauerroman über die kriminalistische Handlung bis hin zur Rahmenhandlung, aus deren Perspektive beispielsweise der mittlerweile gealterte Adson von Melk Rückschau auf die Ereignisse hält. Eco führt dem Leser anhand der Hauptfigur, William von Baskerville, auch ganz bewusst die Ähnlichkeit mit Sherlock Holmes vor Augen – beide verfügen über Scharfsinn und genau analysierende Gedankengänge. William von Baskerville stellt auch ohne konkreten Anlass Theorien über Vorfälle, die ihm und Adson begegnen, auf, die er – ganz wie die Romanfigur Sherlock Holmes – akribisch begründen kann. Indem Eco dem so genannten Beatus Codex eine Rolle in seinem Roman einräumt – diese illustrierten Meisterwerke stellen Szenen der biblischen Apokalypse dar – verschafft er seinem Werk einen weiteren spannenden und mystischen Kern. Mit der Figur des erblindeten Jorge von Burgos erinnert Eco an den gleichnamigen argentinischen Schriftsteller und Leiter der Nationalbibliothek, den er sehr schätzt und bewundert. Auch wenn sich Umberto Eco selbst von der Zuordnung seines Romans zur Postmoderne distanziert, finden sich doch etliche Übereinstimmungen, wie beispielsweise die Vermischung verschiedener Textelemente oder der fließende Übergang zwischen Realität und Fiktion.

Zitate

„Spärlich sind also, bei Licht besehen, die Gründe, die mich zu bewegen vermochten, meine Aufzeichnungen zu veröffentlichen. Der geneigte Leser möge bedenken: was er vor sich hat, ist die deutsche Übersetzung meiner italienischen Fassung einer obskuren neugotisch französischen Version einer im 17 Jahrhundert gedruckten Ausgabe eines im 14. Jahrhundert von einem deutschen Mönch auf Lateinisch verfaßten Textes.“

„Dem Ende meines sündigen. Lebens nahe, ergraut wie die Welt und in der Erwartung, mich bald zu verlieren im endlosen formlosen Abgrund der stillen wüsten Gottheit, teilhabend schon am immerwährenden Licht der himmlischen Klarheit, zurückgehalten nur noch von meinem schweren und siechen Körper in dieser Zelle meines geliebten Klosters zu Melk, hebe ich nunmehr an, diesem Pergament die denkwürdigen und entsetzlichen Ereignisse anzuvertrauen, deren Zeuge zu werden mir in meiner Jugend einst widerfuhr.“

Persönliche Bewertung

Äußerst interessant, anspruchsvoll und spannend geschrieben

5 von 5

Mit diesem Buch wird der Leser von der Handlung von Anbeginn mitgerissen – sowohl vom packenden Geschehen des Kriminalromans als auch von Ecos lebensnahen Schilderungen über das Klosterleben, oder von Intrigen und Ketzern, die unbarmherzig mit Glaubensabtrünnigen umgingen. Die ungeklärten, kurz hintereinander erfolgten Morde in einem Kloster beschwören eine äußerst spannende und atemlose Stimmung herauf. Umberto Eco versteht es meisterhaft, Spannungsmomente aufzubauen und den Leser mitzureißen, da sich das persönliche Erleben des jungen Adson und seines Lehrmeisters Baskerville mit den unerklärlichen Geschehnissen im Kloster miteinander verweben.

Das Buch ist formal in sieben Teile gegliedert, die dem sieben Tage dauernden Aufenthalt von Baskerville und Adson entsprechen. Auch das Gleichmaß jedes Tagesablaufs im Kloster schildert Eco lebensnah und stellt an seine Leser den Anspruch des Durchhaltens, ähnlich dem Alltag und der Monotonie, die den Tagesablauf der Klosterbewohner bestimmt. Der langsame Spannungsaufbau und die interessante Auseinandersetzung des Autors mit den unterschiedlichen, theologischen Strömungen der damaligen Zeit, machen das Buch zu einem äußerst lesenswerten, aber auch intellektuell anspruchsvollen Werk. Eco verschafft den Lesern einen Zugang zu philosophischen und theologischen Diskussionen, gespickt mit lateinischen Zitaten, deren Übersetzungen im Buch aufgeführt sind. Kritik, die an kirchlicher Dogmatik mitschwingt, steht der freiheitlichen Weltanschauungen der Antike gegenüber. Die ausführlichen, aber nicht langatmigen Ausführungen des Autors zeichnen ein facettenreiches Bild des Mittelalters, die zum späteren Vorbild für zahlreiche Analysen der Literaturwissenschaft wurden.

Auch der Humor kommt dabei nicht zu kurz, da Eco eine großartige ironische Formulierungskunst beherrscht. Ecos Werk hat darüber hinaus einen Bezug zur Aktualität, da die Rolle der Kirche immer wieder in Frage gestellt wird und Diskussionen auch zwischen den Konfessionen nicht abreißen. Die Spannung des Romans liegt in erster Linie in der Idee, eine Mordserie in einem Kloster stattfinden zu lassen – die theologischen Diskussionen hat Eco so eingeflochten, dass sie wie selbstverständlich zur Handlung dazugehören und den Leser in seinen Bann ziehen.

Fazit

Das Buch „Der Name der Rose“ ist auf alle Fälle sehr lesenswert, da es fern von jeglicher Langeweile ist und voller Spannung und historisch interessanter Inhalte steckt. Neben dem lebhaft gezeichneten Bild mittelalterlichen Klosterlebens versteht es Eco, theologische und philosophische Diskussionen unterhaltsam zu präsentieren.

Originaltitel
Il nome della rosa
ISBN10
3423210796
ISBN13
9783423210799
Dt. Erstveröffentlichung
2008 (1982)
Taschenbuchausgabe
688 Seiten