Der Graf von Monte Christo

Autoren
Verlag
Aufbau Verlag
Anspruch
4 von 5
Humor
3 von 5
Lesespaß
5 von 5
Schreibstil
5 von 5
Spannung
5 von 5

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Zusammenfassung zu “Der Graf von Monte Christo”

Im Februar kehrt der junge, naive Edmond Dantès nach Marseille zurück. Er ist Erster Offizier auf dem Schiff Pharaoh und soll, da der bisherige Kapitän kurz zuvor verstorben ist, dessen Platz einnehmen. Außerdem soll in Kürze seine Hochzeit mit der schönen Mercédès stattfinden, so dass seinem Glück nichts mehr im Wege zu stehen scheint. Er merkt nicht, dass er sich dadurch unter seinen vermeintlichen Freunden Feinde gemacht hat: Danglars, ein Besatzungsmitglied der Pharaoh, beneidet ihn um seine ungewöhnlich schnelle Karriere und Fernand Mondego konkurriert mit ihm um die Liebe von Mercédès. Durch Intrigen der beiden wird er am Vorabend seiner Hochzeit als Anhänger Napoleons verhaftet und auf Betreiben des Staatsanwalts Villefort ohne Gerichtsverhandlung in dem auf einer Insel gelegenen Gefängnis Château d’If eingekerkert.

Während seiner vierzehnjährigen Haft lernt Dantès den Abbé Faria kennen, der ihm kurz vor seinem Tod das Versteck eines ungeheuren Schatzes auf der Insel Monte Christo verrät. Es gelingt Dantès, aus der Gefängnisfestung zu entkommen und den Schatz zu bergen. Er kehrt unter einer neuen Identität als Graf von Monte Christo nach Frankreich zurück, wo er aufgrund seines schier unermesslichen Reichtums bald sehr viel Einfluss gewinnt. Seine Feinde von früher sind zwischenzeitlich zu Ansehen und Wohlstand gekommen. Dantès nimmt systematisch an ihnen Rache: Er treibt Danglars in den finanziellen Ruin, enthüllt den Verrat, auf dem die militärische Karriere Mondegos beruht, und lüftet das Geheimnis um einen unehelichen Sohn Villeforts und der Baronin Danglars. Obwohl ihn seine frühere Verlobte Mercédès, die jetzt mit Mondego verheiratet ist, erkennt, lässt Dantès nicht von seinem Rachefeldzug ab. Erst als die Frau von Villefort ihren Sohn und sich selbst tötet, erkennt er, dass er zu weit gegangen ist.

Wichtige Charaktere

  • Edmond Dantès
  • Mercédès Mondego
  • Fernand Mondego
  • Baron Danglars
  • Gérard de Villefort
  • Abbé Faria

Interpretation

Der Roman „Der Graf von Monte Christo“ gehört nicht nur zu den ersten Abenteuerromanen der Literaturgeschichte, sondern auch zu den meistgelesenen und meistverfilmten Klassikern der Weltliteratur. Alexandre Dumas versteht es wie kaum ein andere historische Fakten und fiktionale Elemente miteinander zu einem spannungsgeladenen Ganzen zu verweben. Vor dem Hintergrund der Umbruchzeit nach dem Sturz Napoleons entfaltet Dumas ein komplexes Geflecht an Beziehungen und ergründet universelle Themen wie Schuld und Sühne sowie Verrat und Rache. Auch die Grenzen der Justiz in einem Rechtsstaat werden beleuchtet. Dabei wirkt der Roman jedoch nie moralisierend, sondern zieht den Leser mit der detaillierten Beschreibung der unterschiedlichsten Charaktere und einer spannungsgeladenen Handlung in seinen Bann.

Das eine oder andere eher unplausible Detail vermag dabei nicht zu stören, sondern wird mehr als wettgemacht durch Dumas‘ unnachahmlichen Stil, der sich auch heute noch leicht und flüssig lesen lässt. Auch die Gesellschaftskritik, die im „Graf von Monte Christo“ immer wieder hervorblitzt, ist nach wie vor aktuell. Die politischen Intrigen, in die Dantès verstrickt wird, seine opportunistischen Gegner und die immer wieder angesprochenen Mechanismen des Kapitalismus dürften dem heutigen Leser ebenfalls sehr bekannt vorkommen. Mit dem Thema Suizid, das im Verlauf der Handlung mehrfach angesprochen wird, ist der Roman sogar erstaunlich modern. Gleichzeitig wird der Leser durch die Schilderung des Meeres und der Flucht aus dem Kerker in eine Zeit entführt, in der Abenteuer noch möglich waren.

Persönliche Bewertung

Kurzweiliger Abenteuerroman mit spannungsgeladener Handlung

4 von 5

Dank unzähliger Verfilmungen ist „Der Graf von Monte Christo“ eines der bekanntesten Werke der Weltliteratur. Noch heute vermag die abwechslungsreiche und fantasievolle Geschichte um Verrat und Rache, um Liebe und Betrug den Leser zu fesseln. Auch in der modernen Zeit sind dies noch universelle Themen der Menschheit, so dass sich jeder in diesem Roman wiederfinden kann. Gleichzeitig entfaltet Dumas ein historisch stimmiges Sittengemälde und analysiert messerscharf die dunklen Seiten der damaligen Gesellschaft. Zusammen mit seinem flüssigen, fast modernen Schreibstil lässt er so die Vergangenheit vor den Augen des Lesers wieder lebendig werden. Neben dem Roman „Die drei Musketiere“ begründete „Der Graf von Monte Christo“ Dumas‘ Ruf als Vater des Abenteuerromans und prägte diese Literaturgattung nachhaltig.

Fazit

In den mehr als eineinhalb Jahrhunderten seit seiner Erstveröffentlichung hat Alexandre Dumas‘ Roman nichts an seiner Faszination verloren. Die Geschichte um Verrat und Rache, Liebe und Betrug gehört nicht nur zu den meistverfilmten der klassischen Literatur, sondern garantiert mit ihrem flüssigen Stil und zahlreichen Wendungen auch heute noch eine leicht zu lesende und spannungsreiche Lektüre.

Originaltitel
Le Comte de Monte-Christo
ISBN10
3746661250
ISBN13
9783746661254
Taschenbuchausgabe
937 Seiten

Eine Antwort zu
Der Graf von Monte Christo

  1. Hubert-Paul Martin

    Buch­re­zen­si­on “ Der Graf von Mon­te Chris­to“ von Alex­andre Dumas

    Inhalt:

    Der jun­ge See­mann Edmond Dan­tes kehrt 1815 nach Mar­seil­le zurück und wird dort, bei sei­ner Ver­lo­bungs­fei­er, auf Grund einer per­fi­den Denun­zia­ti­on sei­ner angeb­li­chen Freun­de, als Bona­par­tist ver­haf­tet und auf der gefürch­te­ten Gefäng­nis-Insel Cha­teau d’If 14 Jah­re lang ein­ge­ker­kert. Nach sei­ner Flucht fin­det er auf der Insel Mon­te Chris­to einen Schatz, bereist den Ori­ent und kehrt, über 24 Jah­re spä­ter, als rei­cher und geheim­nis­vol­ler Graf von Mon­te Chris­to, nach Paris zurück um sich dort an sei­nen Fein­den, eben­so raf­fi­niert wie unbarm­her­zig, zu rächen und sie zu ver­nich­ten!

    Anmer­kung:

    Der Graf von Mon­te Chris­to ist das span­nends­te und fas­zi­nie­rends­te Buch das ich je gele­sen habe! Ich habe das Buch in den letz­ten 50 Jah­ren wohl mehr als zwan­zig Mal gele­sen und auch heu­te lese ich noch ger­ne dar­in, manch­mal nur kapi­tel­wei­se. Die Geschich­te ist ein­fach gran­di­os geschrie­ben und Dumas arbei­tet die Cha­rak­te­re so plas­tisch her­aus, dass man förm­lich ihre Phy­sio­gno­mi­en zu erken­nen meint! Kei­ne der vie­len Ver­fil­mun­gen kommt an die atmo­sphä­risch dich­ten Schil­de­run­gen Dumas her­an! Eben­so ent­führt Dumas den Leser immer wie­der in frem­de Wel­ten und Zei­ten, die für die heu­ti­gen Men­schen kaum noch vor­stell­bar sind. Am ein­drucks­volls­ten die Sze­nen zu Beginn im Gefäng­nis Cha­teau d’If: Mit dem gran­di­os dar­ge­stell­ten Abbé Faria, der Beschrei­bung der Geschich­te und Her­kunft des Schat­zes der Fami­lie Spa­da und der Erzie­hung Dan­tes, vom ein­fa­chen See­mann und nai­ven Gefan­ge­nen, zu einem gebil­de­ten Edel­mann. Danach die spek­ta­ku­lä­re Flucht im Lei­chen­sack des Abbé Fari­as und dann, in dem klei­nen Schmugg­ler­seg­ler „Jeu­ne Ame­lie“ des Patro­ne Bal­dis, über das Meer nach Ita­li­en! Nie erstrahl­te mir das Azur des Mit­tel­mee­res leuch­ten­der als in die­sem Kapi­tel!

    Eben­so phan­tas­tisch auch die Epi­so­den in der mär­chen­haf­ten Grot­te auf der Insel Mon­te Chris­to, man riecht förm­lich die Haschisch­pfei­fen und spürt die knö­chel­tie­fen Tep­pi­che unter den Füßen. Die gro­tes­ken Kar­ne­vals­sze­nen in Rom, mit der grau­sa­men Schil­de­rung der Hin­rich­tung, der klei­ne Abste­cher über den Ban­di­ten Lui­gi Vam­pa und dann die per­fi­de aus­ge­klü­gel­te Rache Edmond Dantes/Graf von Mon­te Chris­to, mit dem Sturz sei­ner Fein­de in Paris.
    Eine Anleh­nung an die Geschich­ten aus 1001-Nacht ist teil­wei­se unver­kenn­bar und auch wohl so gewollt! Die von Dumas dann geschickt ein­ge­führ­ten Pseud­ony­me, deren sich der Graf von Mon­te Christo/Edmond Dan­tes zur Aus­füh­rung sei­ner Rache­plä­ne bedient, wie „Sind­bad der See­fah­rer“, „Abbe Buso­ni“, und „Lord Wilmo­re“, sind eben­so erwäh­nens­wer­te Figu­ren mit eigen­stän­di­gen Pro­fi­len!
    Auch die spä­ter ein­ge­floch­te­nen Erzäh­lun­gen, wie die Lei­dens­ge­schich­te der Haydee und Ihres Vaters, des Paschas von Jani­na, eben­so wie die Ent­wick­lung der Figur des Inten­dan­ten Ber­tuc­ci­os, sind fast schon eigen­stän­di­ge Neben­hand­lun­gen, ähn­lich wie die Geschich­ten in Tol­s­tois „Anna Kareni­na“, die einen unver­gess­li­chen aber auch teil­wei­se sehr kom­ple­xen Gesamt­ein­druck hin­ter­las­sen. Meis­ter­haft schil­dert Dumas hier wie der Graf von Mon­te Christo/Edmond Dan­tes die vie­len Figu­ren zur Aus­füh­rung sei­ner Rache­plä­ne instru­men­ta­li­siert!

    Mit am emo­tio­nals­ten sind dann die Schluss­sze­nen mit dem Wie­der­se­hen mit sei­ner ehe­ma­li­gen Ver­lob­ten Mer­ce­des, im Hau­se sei­nes ver­stor­be­nen Vaters in Mar­seil­le, auf dem Cha­teau d’If, mit dem Wär­ter in sei­ner alten Zel­le und in der Grot­te auf Mon­te Chris­to, mit dem Wie­der­se­hen der tot­ge­glaub­ten Toch­ter Ville­forts, Valen­tin, und dem Sohn Mor­rels, Maxi­mi­li­en!.
    Wun­der­bar – aber auch ein biss­chen weh­mü­tig stim­mend – das Ende, ohne kit­schi­ges (Film-) Hap­py End, jedoch mit dem schö­nen Schluss, dass die ein­zi­ge mensch­li­che Weis­heit in den bei­den Wor­ten liegt: „War­ten und Hof­fen“! – Und dann spürt man eine leich­te Trau­rig­keit – dar­über dass die Geschich­te zu Ende ist!
    Die­se kom­plet­ten Epi­so­den sind aller­dings nur in der Gesamt­aus­ga­be ent­hal­ten!
    Was für ein groß­ar­ti­ges Buch!

    Hubert-Paul Mar­tin
    Ham­burg
    simbad_martin@web.de