Der dunkle Geist des Palio

Autoren
Verlag
Thienemann Verlag
Anspruch
2 von 5
Humor
2 von 5
Lesespaß
2 von 5
Schreibstil
3 von 5
Spannung
3 von 5

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Zusammenfassung zu “Der dunkle Geist des Palio”

Der Palio ist das härteste Pferderennen der Welt, eine uralte Tradition in der italienischen Stadt Siena. Im Rennen treten die verschiedenen Bezirke der Stadt (Contraden) gegeneinander an. Nicht selten verletzen sich Pferd und Reiter beim Rennen, Korruption ist an der Tagesordnung.

Maria Morelli ist die Tochter des Capitano der „Adler“ und gehört zu einer traditionsreichen Familie. Ihr Verlobter Angelo ist Jockey für den „Drachen“, was in der Familie für Konflikte sorgt. Die Lage spitzt sich zu, denn im diesjährigen Palio werden beide Contraden gegeneinander antreten. Marias Herz schlägt dank ihrer Erziehung für die Adler, doch sie drückt auch ihrem Verlobten die Daumen. Gleichzeitig macht sie sich Gedanken, wie ihre gemeinsamen Kinder einmal aufwachsen sollen – als „Adler“ oder als „Drache“, oder sogar außerhalb Sienas, wo Angelo großwurde?

Der Palio hat in Marias Familie auch eine düstere Vergangenheit: Marias Vorfahrin Eva Maria erhängte sich 1880 zwölf Tage nach dem Palio, nachdem ihr Verlobter, der für die „Panther“ antrat, die Verbindung nach einem unfairen Rennen löste und spurlos verschwand. Kurz vor dem Palio häufen sich nun seltsame Vorfälle, die Maria Angst machen und sie glauben lassen, Eva Maria wolle ihr aus der Vergangenheit eine Warnung schicken. Maria findet Botschaften vor, im Museum wird eine kostbare Trophäe des Palio zerstört und es gibt Botschaften mit roter Farbe, die nach Blut aussehen. Als Täter oder Täterin kommen verschiedene Personen in Frage: Marias Cousin Alessandro, der sich als Tierschützer gegen den Palio engagiert, ein abgewiesener Verehrer oder Angelos Exfreundin, das Hausmädchen, das er für Maria verließ? Oder wiederholt sich gar die Geschichte? Kann Marias und Angelos Liebe Bestand haben und wer wird am Ende die begehrte Trophäe in den Händen halten?

Wichtige Charaktere

  • Maria Morelli
  • Angelo Barucci
  • Marias Vater Signore Morelli
  • Eva Maria Morelli
  • Marias Cousin Alessandro
  • Fernando

Zitate

„Offiziell war er als Student der Naturwissenschaften in Siena immatrikuliert und das schon seit vier Jahren. Allerdings glaubte Maria, dass ihr Cousin in dieser Zeit noch nicht eine einzige Prüfung abgelegt hatte. Vermutlich wusste er nicht einmal, wie das Universitätsgebäude von innen aussah. Dafür kannte er sich bestens in Sienas Nachtleben aus und war außerdem eifrig damit beschäftigt, Hühner aus Legebatterien zu befreien, gegen die Jagd und den Verzehr von Singvögeln zu demonstrieren und sich für den Kampf gegen die sogenannten Hundeheime einzusetzen, in denen es den Tieren oft schlechter ging, als wenn man sie auf der Straße gelassen hätte, und die nur der Profitgier ihrer Betreiber nutzten.“

„Fabioncello war ein hübscher Brauner, dessen Exterieur in jeder Hinsicht den Rassestandards des Salerners entsprach, einer der ältesten italienischen Pferderassen, die einer Kreuzung zwischen Andalusier und Neapolitaner entstammte. Er hatte ein Stockmaß von einem Meter sechzig, einen ausgeprägten Kopf, eine lange Schulter und eine kräftige, leicht abfallende Hinterhand. Insgesamt hatte er ein ausreichend stabiles Fundament, um sich gegen Kontrahenten durchzusetzen. Außerdem war er intelligent und reaktionsschnell.“

Persönliche Bewertung

Historisch interessante Pferdegeschichte mit sehr fragwürdiger Moral

2 von 5

Das Positivste an diesem Buch ist die ansprechende Covergestaltung, die das Düstere der Handlung und die historische Kulisse illustriert. Das größte Manko liegt in der weitgehend unkritischen Darstellung des Pferderennens. Jeder ernsthafte Pferdefreund und erst recht jeder Leser und jede Leserin mit einem Gespür für Leid und Rechte von Tieren wird wenig Spaß daran haben, wenn beschrieben wird, wie die Reiter ihre Pferde mit Riemen und Hacken quälen, um sie zu immer größeren Leistungen anzutreiben. Zwar tritt mit Alessandro ein Charakter auf, der dem Pferderennen kritisch gegenübersteht, der Maria zum Nachdenken bewegt, doch im gesamten Tonus der Geschichte ist das eher nebensächlich, ein grundsätzliches Infragestellen findet nicht statt oder erfolgt zu subtil. Schließlich nimmt auch Marias Verlobter, in der Geschichte als Sympathieträger konzipiert, am grausamen Treiben teil. Darüber hinaus werden die Pferde in abstoßender Weise wie leblose Gegenstände beschrieben, nicht wie Lebewesen. Ihre Vorzüge aus Sicht der Menschen werden hervorgehoben, sie werden wie Waren beurteilt. Insgesamt ist es ein sehr fragwürdiges Bild, das Lesern von anderen Lebewesen vermittelt wird, mit Respekt hat das wenig zu tun. Wie wenig auf die Pferde fokussiert wird, zeigt auch das Ende, bei dem es natürlich nur um die menschlichen Charaktere geht. Es wird kein Wort daran verschwendet, wie die Pferde den gefährlichen Palio überstanden haben. Interessant sind zumindest die Rituale rund um den Palio und die historischen Hintergründe des Rennens, doch es ist äußerst fragwürdig, dass nicht deuticher gemacht wird, wie wenig zeitgemäß diese Tradition ist.

Auch andere Aspekte der Geschichte wirken enttäuschend unkritisch und banal. Der Hauptcharakter, Maria, wird recht klischeehaft weiblich beschrieben – Push-up BH und Sandalen mit Absatz, Interesse für Schuhe. Immerhin plant sie Medizin zu studieren, doch verhält sie sich rollengemäß, indem sie ihre Probleme kaum selbst lösen kann, sondern darauf vertraut, dass ihr Verlobter ihr helfen wird. Eigenartig ist auch die Darstellung Marias bester Freundin. Diese geht so nebenbei ihrem Freund fremd und hat anschließend zwar ein schlechtes Gewissen, doch letztendlich wird es in der Handlung als eher normal und nicht der Rede wert beschrieben.

Die Spannung in der Geschichte ist mäßig, das Ende weniger dramatisch und überraschend als erwartet. Der Fokus liegt hier mehr auf der Liebesgeschichte zwischen Maria und Angelo – ein wenig Romeo und Julia, denn ihre Liebe wird nicht gern gesehen. Allerdings ist die Rivalität doch eher brav beschrieben, wirkliche Dramatik kommt nicht auf. Die Handlung wechselt zwischen Marias Perspektive in der Gegenwart und Eva Marias Perspektive in der Vergangenheit, dem Jahr 1880.

Die Autorin schreibt passabel und beschreibt die Schauplätze gut, greift jedoch häufiger auf Floskeln zurück, besonders in der Beschreibung der Beziehung zwischen den beiden Hauptcharakteren und Marias Gefühlen. Mit Blick auf die Zielgruppe schreibt Astrid Frank zum Teil in Umgangssprache. Dies muss kein Manko sein und soll vermutlich authentisch wirken, doch bestimmte Begriffe (“Titten”, “geil”) sind eher fragwürdig in einem Buch für die Zielgruppe. Ansprechend und erfrischend ist dagegen die Einflechtung italienischer Begriffe. Am Ende gibt es zudem eine Begriffserläuterung, die sich jedoch vor allem auf die Fachbegriffe rund um den Palio bezieht.

Fazit

„Der dunkle Geist des Palio“ bietet insgesamt wenig Tiefgang. Die Handlung erscheint für eine Gruselgeschichte oder Geistergeschichte zu gemäßigt und wenig spannend, für eine Liebesgeschichte jedoch auch recht belanglos. Für jede Leserin (die Zielgruppe des Buches ist vermutlich vor allem weiblich) mit Empathie für die Situation der Pferde bietet dieses Buch leider wenig Lesespaß.

ISBN10
3522201507
ISBN13
9783522201506
Dt. Erstveröffentlichung
2012
Broschierte Ausgabe
240 Seiten
Empfohlenes Lesealter
Ab 13 Jahren

Eine Antwort zu
Der dunkle Geist des Palio

  1. Astrid Frank

    Lie­be Buch­he­xe,

    Auto­ren müs­sen hier­zu­lan­de ja ler­nen, jed­we­den Kom­men­tar zu ihren Büchern unkom­men­tiert zu schlu­cken. Und gegen ein „hat mir nicht gefal­len“ kann und will ja auch nie­mand etwas sagen. Bei Ihrer Rezen­si­on jedoch fra­ge ich mich, ob Sie bewusst oder aus Ver­se­hen alles ins Gegen­teil ver­keh­ren. Wer auch nur zwei mei­ner Bücher gele­sen hat, der weiß, dass Tier­schutz für mich ein gro­ßes The­ma ist. Und das war auch die Moti­va­ti­on, „den dunk­len Geist des Palio“ zu schreiben- allein der Titel soll­te doch den unvor­ein­ge­nom­me­nen Leser schon auf­merk­sam machen. Oder war­um hat ein Pfer­de­ren­nen Ihrer Mei­nung nach einen dunk­len Geist? 

    Der Palio hat in Sie­na tra­di­tio­nell einen gro­ßen Stel­len­wert und aus mei­ner Sicht ist es die Auf­ga­be eines Autors, so etwas deut­lich zu machen. Ins­ge­samt kom­men in dem Buch alle Mei­nun­gen zum Pfer­de­ren­nen vor: Die posi­ti­ve Bedeu­tung des Ren­nens für die abso­lu­te Mehr­zahl der ein­hei­mi­schen Bevöl­ke­rung, aber auch die – berech­tig­te – Kri­tik dar­an. Sie schrei­ben: „… Jeder ernst­haf­te Pfer­de­freund und erst recht jeder Leser und jede Lese­rin mit einem Gespür für Leid und Rech­te von Tie­ren wird wenig Spaß dar­an haben, wenn beschrie­ben wird, wie die Rei­ter ihre Pfer­de mit Rie­men und Hacken quä­len, um sie zu immer grö­ße­ren Leis­tun­gen anzu­trei­ben.“ Ja, was genau wol­len Sie denn jetzt? Soll ich beschrei­ben, wie mit den Pfer­den umge­gan­gen wird oder nicht? 

    Ales­san­dro, der ja nicht ganz zufäl­lig an der Geschich­te teil­nimmt, bringt wich­ti­ge Fak­ten der Palio­geg­ner ins Buch, so z.B., dass das Ren­nen für die Pfer­de außer­or­dent­lich gefähr­lich ist, dass seit 1970 50 Pfer­de dabei ums Leben gekom­men sind … Sie schrei­ben: „… ein grund­sätz­li­ches Infra­ge­stel­len fin­det nicht statt …“ Doch! Fin­det es! Und zwar durch den Cha­rak­ter Ales­san­dro!

    Es wird kein Wort dar­an ver­schwen­det, wie die Pfer­de den gefähr­li­chen Palio über­stan­den haben.“ Doch: Auf Sei­te 216 etwa: „Das Ohr­spiel der Pfer­de ver­riet ihre Ner­vo­si­tät. Ambro­sia schlug unwil­lig mit dem Kopf und bleck­te sogar ein­mal die Zäh­ne, als Pin­no­chio ihr zu nahe kam. „Siehst du das?“, wand­te sich Ales­san­dro an Maria. „Die Pfer­de sind alle total gestresst!“ Er schüt­tel­te wütend den Kopf.“ Und auf Sei­te 220: „Stel­la hum­pel­te ein Stück allei­ne wei­ter, blieb dann aber ein­fach mit­ten auf der Bahn ste­hen. Ihr lin­kes Vor­der­bein hielt sie ange­ho­ben und ihr Huf hing in einem merk­wür­di­gen Win­kel hin­un­ter.“ Ales­san­dro neben Maria fluch­te. „Siehst du?“, wand­te er sich mit zor­nes­ro­tem Gesicht an sei­ne Cou­si­ne. „Das ist der Grund, war­um die­ser Palio nichts wei­ter ist als Tier­quä­le­rei!“ Ja, wenn Ihnen das nicht deut­lich genug ist …

    Ich möch­te mei­nen Kom­men­tar zu Ihrem Kom­men­tar ger­ne auf die­sen Aspekt beschrän­ken, obwohl mir zu Ihren ande­ren Anmer­kun­gen auch noch eini­ges ein­fie­le, was ich ger­ne gera­de­rü­cken wür­de. Zumin­dest so viel: Die Wör­ter „Tit­ten“ und „geil“ kom­men jeweils genau ein­mal vor, und zwar wer­den sie von Maria im Streit mit ihrem Ver­lob­ten Ange­lo aus­ge­spro­chen. So wie Sie es hier dar­stel­len, erwe­cken Sie mei­nes Erach­tens einen völ­lig fal­schen Ein­druck von dem Buch. Ich fra­ge mich war­um?

    Es ist Ihr gutes und unbe­nom­me­nes Recht, Ihre Mei­nung kundzutun.Wenn das Buch Sie nicht unter­hal­ten hat, dann ist das zwar scha­de, aber weder zu ändern noch zu kri­ti­sie­ren. Jedoch gilt auch für Rezen­sen­ten, dass Sie sich bit­te die Mühe machen, Kri­tik­punk­te nicht aus dem Zusam­men­hang her­aus und damit falsch dar­zu­stel­len.

    Mit freund­li­chem Gruß

    Astrid Frank

  2. Buchhexe Redaktion

    Lie­be Frau Frank,
    natür­lich ist es Ihr gutes Recht, eine Rezen­si­on nicht „unkom­men­tiert zu schlu­cken“, son­dern eine Gegen­dar­stel­lung zu ver­öf­fent­li­chen. Wir freu­en uns immer, wenn Bücher Dis­kus­sio­nen aus­lö­sen. Unse­re Rezen­sen­ten beschäf­ti­gen sich immer gewis­sen­haft mit den gele­se­nen Büchern, um unse­rem Anspruch gerecht zu wer­den.
    In die­sem Fall tref­fen wohl zwei grund­sätz­li­che Ansich­ten auf­ein­an­der, die nicht mit­ein­an­der ver­ein­bar sind. Zum Glück kann sich ja jedeR Lese­rIn selbst eine Mei­nung bil­den!
    Mit freund­li­chen Grü­ßen
    Buch­he­xe Redak­ti­on

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