Das Labyrinth der Träumenden Bücher

Autoren
Illustrator
Walter Moers
Verlag
Knaus Verlag

Zusammenfassung zu “Das Labyrinth der Träumenden Bücher”

Der große Zamonische Schriftsteller Hildegunst von Mythenmetz lebt zurückgezogen auf der Lindwurmfeste. Seit die Stadt der Träumenden Bücher, Buchhaim, vor über 200 Jahren im Flammen aufging, sonnt sich Mythenmetz vor allem in seinem eigenen Erfolg und bringt in seiner Selbstverliebtheit und Arroganz schlecht lesbare und schlampige Werke heraus, die nichts mit seinem schriftstellerischen Können der Vergangenheit gemein haben. Kurz: Er hat das Orm verloren, ihn hat die küstlerische Muse verlassen. Als ihn ein geheimnisvoller Brief erreicht, der ihm schonungslos den Spiegel vorhält und ihm zeigt, wie abgrundtief schlecht seine neuen Werke sind, und ihm darüber hinaus im P.S. mitteilt, dass der Schattenkönig zurückgekehrt sei (der nach Mythenmetz‘ Kenntnis sich selbst entzündete – siehe „Stadt der Träumenden Bücher“), wird er aufgerüttelt und macht sich auf die Reise nach Buchhaim, das in der Zwischenzeit neu aufgebaut wurde.

In Buchhaim erkundet er die neu errichtete Stadt und sucht seinen alten Freund, den Eydeeten Hachmed Kibitzer auf, mit dem er früher einen regen brieflichen Austausch führte, bevor Kibitzer Mythenmetz‘ Stolz mit seiner Ehrlichkeit verletzte und eine lange Funkstille zwischen den beiden alten Freunden eintrat. Mythenmetz sieht seinen Besuch in Buchhaim als Gelegenheit, Kibitzer aufzusuchen und den alten Streit beizulegen. Er kommt gerade rechtzeitig, um mitzuerleben, dass der Eydeet sein eigenes Testament verliest und stirbt. Erbin ist die Schreckse Inazea Anazazi, ebenfalls eine alte Bekannte von Mythenmetz, er selbst erbt nur die vielen unabgesendeten Briefe, die ihm Kibitzer schrieb, nachdem der Kontakt abgebrochen war.

Nach dem ersten Schock und seiner Trauer über den Tod des alten Freundes taucht Mythenmetz zusammen mit Inazea in die Welt des Buchhaimer Puppetismus ein, besucht zahlreiche unterschiedliche Puppentheater und widmet sich den Studien aller Einzelheiten der neuen Wissenschaft. Dabei trifft er unter anderem den Gründer und Direktor des größten Buchhaimer Puppentheaters, des Puppaecircus Maximus, Meister Corodiak. Dieser lädt ihn ein zu einer exklusiven Vorstellung des Unsichtbaren Theaters, die Mythenmetz mit seinen Ängsten konfrontieren soll…

Wichtige Charaktere

  • der Lindwurm Hildegunst von Mythenmetz
  • die Schreckse Inazea Anazazi
  • der Eydeet Hachmed Kibitzer
  • Meister Corodiak
  • der Lindwurm Ovodios Orm

Zitate

„Die Ausdrucksmöglichkeiten der sogenannten Kopfmarionetten des MIMISTISCHEN THEATERS sind so subtil, dass man sie während der ganzen Vorstellung mit dem Opernglas aufmerksam beobachten muss, wenn man nichts verpassen will. Die Kopfmarionetten des MIMISTISCHEN THEATERS bestehen aus zahllosen beweglichen Einzelteilen, aus Lippen, Brauen, Wangen, Augäpfeln, Lidern, Wimpern, einzelnen Hautfalten, Warzen, beweglichen Haarsträhnen und so weiter, die von ebenso vielen Fäden geführt werden. Eine hohe Kunst, die von nur ganz wenigen Marionettisten beherrscht wird.
(…)
Ich gebe ein Beispiel, das ich selber erlebt habe: Eine Puppe, die so faltenreich aussah wie ein jahrhundertealter Wurzelgnom, gestand einer anderen Puppe einen Mord. Den sie abgeblich ganz gegen ihren Willen begangen hat. Fast eine halbe Stunde lang schilderte sie ihre Motive und die unglücklichen Umstände, die schicksalhaft und unaufhaltsam dazu geführt haben. Und dabei konnte man in ihrem Mienenspiel jede Gemütsbewegung widergespiegelt sehen: Trauer, Furcht, Wut, Freude, Enttäuschung, Ekstase, Resignation – bis ihr zum Schluss, bei der Schilderung des Mordes, eine einzige Träne entrollte. Das gesamte Publikum schluchzte in diesem Augenblick auf – mich eingeschlossen!“

Geschenktipp für Puzzlefreunde

Das Puzzle von Hildegunst von Mythenmetz mit dem Titel „Lindworm Poet“ ist selbstverständlich „Made in Zamonien“. Das gelegtes Format der 1000 Puzzleteile entspricht den Maßen 50 x 70 cm.

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Buchtrailer

Persönliche Bewertung

Einfach brillant - Walter Moers bietet anspruchsvolle Unterhaltung auf höchstem schriftstellerischem Niveau

5 von 5

Dieses Buch ist ein Phänomen: die Handlung der Geschichte ist äußerst simpel und in wenigen Sätzen erzählt. Tatsächlich handelt es sich bei „Das Labyrinth der Träumenden Bücher“ strenggenommen um eine über 400 Seiten lange Einleitung oder Vorgeschichte zur eigentlichen Handlung. Der Kritiker Denis Scheck fasste es treffend zusammen: Diese Buch endet mit dem dreistesten Cliffhanger, den man sich vorstellen kann und der ihm (und mir) je untergekommen ist. Dass man diese Frechheit Walter Moers nicht übelnimmt und sich als Leser nicht auf den Arm genommen fühlt, ist seiner schriftstellerischen Brillanz zu verdanken, die ihresgleichen sucht und in ihrer eigenen Liga spielt. Nachdem man über 400 Seiten aufs Beste unterhalten wurde, kann einen als Leser ein solch offenes Ende nicht verärgern. Wer sagt überhaupt, dass eine Geschichte eine spannende Handlung braucht? Wie dieses Buch beweist, braucht ein Walter Moers keine actiongeladene Handlung, die ihre Leser fesselt. Vielmehr vermag er seitenlange Beschreibungen derart ausschmückend und anschaulich wiederzugeben, dass von fehlender Spannung keine Rede sein kann. Auch die zahllosen Anspielungen auf bekannte existierende Autoren und Werke und ihre Einbettung in die phantastische Welt Zamoniens dürften das Herz jedes Literaturliebhabers höher schlagen lassen.

Auch seine schier endlose Phantasie, mit der er die verschiedenen Formen des Buchhaimer Puppentheaters beschreibt und die auf Farbigste beschrieben werden, zeugen von Moers‘ Talent und lassen auch die viele Seiten lange „Mythenmetzsche Abschweifung“ zu einem echten Lesegenuss werden. Man wünscht sich als Leser selbst, die verschiedenen Puppenveranstaltungen besuchen zu dürfen – und fragt sich, warum es eigentlich in der Realität keine solch großartigen Darbietungen gibt. Eins ist sicher: ein solches Buch könnte kaum ein anderer Autor als Moers mit einem derartigen Erfolg schreiben! Für ungeduldige Leser, die keinen Sinn für meisterliche Sprache haben, die keine Freude daran haben, die eigene Phantasie durch Walter Moers‘ Bücher inspirieren zu lassen, ist „Das Labyrinth der Träumenden Bücher“ vielleicht keine geeignete Lektüre. Allen anderen Lesern kann dieses Buch nur wärmstens empfohlen werden.

Fazit

Zweifellos mein Buch des Jahres 2011! Und so kann die Literaturwelt nun nur mit Ungeduld und Vorfreude auf die angekündigte Fortsetzung dieses Romans warten, denn – um noch einmal frei Denis Scheck zu zitieren – der Tag, an dem ein neuer Moers-Roman auf den Markt kommt, ist ein wahrer Freudentag für jeden Literaturliebhaber!

ISBN10
3813503933
ISBN13
978-3813503937
Dt. Erstveröffentlichung
2011
Gebundene Ausgabe
432 Seiten

Eine Antwort zu
Das Labyrinth der Träumenden Bücher

  1. Malte

    Ent­schul­di­gung, aber die­ses Buch ist eine EIN­ZI­GE UNVER­SCHÄMT­HEIT gewe­sen. Ich habe noch nie eine solch dreis­te Ver­ar­sche des Lesers erlebt. Wie kön­nen Sie die­sen Beschiss nur mit einer solch wohl­wol­len­den Kri­tik gut­hei­ßen? Das riecht doch stark nach Ein­fluss­nah­me des Ver­la­ges…

    Ich kann nur jedem emp­feh­len sich die zahl­rei­chen ande­ren Kri­ti­ken zu die­sem Buch im Inter­net durch­zu­le­sen, dort ist wirk­lich alles zu die­ser Geschich­te gesagt.

    MFG

    Mal­te

  2. Ilga

    Lie­ber Mal­te,

    die Buch­he­xe ist nicht käuf­lich und wird es auch nie­mals sein (sie­he Selbst­ver­ständ­nis). Zu jedem Buch kann man unter­schied­li­cher Mei­nung sein. Nur wenn eine Mei­nung nicht dei­ner ent­spricht, bedeu­tet das nicht, dass sie gekauft ist. Die Rezen­si­on spie­gelt mei­ne per­sön­li­che Mei­nung wie­der, die ich in der Bewer­tung begrün­de. Nicht mehr und nicht weni­ger.

    Ich kann nur jedem emp­feh­len, sich das Pro und Con­tra bei Ama­zon oder auf ver­schie­de­nen Blogs durch­zu­le­sen und sich eine eige­ne Mei­nung zu bil­den.

    Auch Denis Scheck, der Lite­ra­tur­kri­ti­ker der ARD, und sei­ne Mei­nung zur Spie­gel Best­sel­ler Lis­te ist immer als Anre­gung hilf­reich. Zu die­sem Buch schreibt er bei­spiels­wei­se:

    Das Erschei­nen eines neu­en Zamo­ni­en-Romans von Wal­ter Moers ist ein Fest­tag für die deut­sche Lite­ra­tur. Nir­gend­wo fin­det man krea­ti­ve­ren Irr­witz, nir­gend­wo mehr Ein­fäl­le pro Roman­sei­te als in Moers Geschich­ten um den schrei­ben­den Lind­wurm Hil­de­gunst von Mythen­metz. Zwar endet die­ser Roman mit dem unver­schäm­tes­ten Cliff­han­ger, der mir je zwi­schen zwei Buch­de­ckel begeg­net ist – aber gera­de dass man auch nach über vier­hun­dert Sei­ten vol­ler Schreck­sen und Buch­lin­gen und Mythen­metz­scher Abschwei­fun­gen zum The­ma Pup­pe­tis­mus dem Moer­schen Mär­chen nicht über­drüs­sig ist, belegt sei­ne Qua­li­tät.“

    Ich emp­feh­le also: selbst ein Urteil bil­den und von kei­ner Sei­te etwas ein­re­den las­sen.