Das Gift der Lüge

Autoren
Übersetzer
Eva Bonné
Verlag
Goldmann Verlag
Anspruch
3 von 5
Humor
3 von 5
Lesespaß
5 von 5
Schreibstil
4 von 5
Spannung
5 von 5

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Zusammenfassung zu “Das Gift der Lüge”

Das Leben der Ridley Jones ist völlig in Ordnung. Als freiberufliche Journalistin hat sie in New York Fuß gefasst und lebt ihr Leben ausgesprochen selbstbewusst. Sie ist fast völlig im Reinen mit sich und der Welt und mit ihrer Familie im Besonderen. Zwar ist ihr Bruder ein Junkie, aber auch damit hat Ridley sich irgendwie arrangiert. Und sich auch gerade von ihrem Freund getrennt, mit dem sie schon zusammen aufwuchs, da sie der Meinung ist, die wahre und große Liebe sei diese Beziehung wohl nicht. Ihr angenehm anregendes Leben beginnt plötzlich Risse zu bekommen, als sie auf der Straße, in einer Reflexhandlung, einen kleinen Jungen davor rettet, von einem Laster überfahren zu werden. Die Aktion ist derart spektakulär, dass sie Ridley etwa eine Woche lang mediale Berühmtheit verschafft. Ihr Bild geht ist überall zu sehen. Kurze Zeit später erhält sie einen Brief – jemand glaubt sie erkannt zu haben und behauptet ihr Vater zu sein – und das, obwohl Ridley doch einen Vater hat. In dem Brief liegt ein Foto, auf dem ein kleines Mädchen und ihre Mutter zu sehen sind. Ridley sieht dem kleinen Mädchen erstaunlich ähnlich. Zudem zieht ein neuer Nachbar ein, von dem Ridley sich magisch angezogen fühlt und dem sie von dem beunruhigenden Brief erzählt. Ridley kann, obwohl sie es gerne würde, den Brief und einen nachfolgenden einfach nicht ignorieren und beginnt ihrer Familie Fragen nach ihrer Herkunft zu stellen. Die Reaktionen sind – gelinde gesagt – irritierend. Nichts scheint so zu sein, wie Ridley es geglaubt hatte. Überall zeigt sich ein Netz fein gesponnener Lügen. Nur, wer sagt die Wahrheit? Wem kann Ridley noch vertrauen? Ihrem neuen Nachbarn und Gefährten? Aber auch Jake hat Geheimnisse. Ridleys Familie und die Freunde der Familie versuchen, sie wieder in den beruhigenden Schoss in der Familie zurückzuholen. Erzählen ihr, all ihre Vermutungen wären nur Hirngespinste von Verrückten, und Ridley bräuchte einfach nur ein bisschen Erholung und alles wäre wieder gut. Doch Ridley will nicht! Sie will wissen, wer sie ist. Und dafür begibt sie sich in Gefahr – zusammen mit Jake. Und wird mit einer Verschwörung konfrontiert, deren Wurzeln im Willen Gutes zu tun liegen, was aber nicht funktioniert, wenn man dafür mit dem organisierten Verbrechen zusammenarbeitet. Wie sagt die Protagonistin so schön: „Der Teufel steckt im Detail“.

Zitate

„Ich blicke auf mein Leben zurück und bin erstaunt darüber, dass es nicht in erster Linie von den großen Ereignissen beeinflusst wurde, sondern von den kleinen, scheinbar unwichtigen. Denken Sie mal darüber nach. Denken Sie an die unerwarteten Zwischenfälle, die ihr Leben verändert haben. War es häufig nicht eine Frage von Sekunden, ob es in die eine oder andere Richtung weitergeht? Waren es nicht vollkommen unbedeutende Entschlüsse, aufgrund derer Sie eine Straße überquerten, sich in Gefahr brachten oder ihr entgingen? Es sind diese Entscheidungen, an denen letztendlich alles hängt. Wen man heiratet, welchen Beruf man ergreift, wie man aufgezogen wurde – ja, das ist der große Rahmen. Aber wie heißt es doch so schön: Der Teufel steckt im Detail.“

„Er sah mich mich, das eigentliche Wesen, das in mir steckte. Ich fühlte solche Dankbarkeit, weil ich nicht sicher war, ob ich mich selbst erkannt hätte. Natürlich wusste ich, wer ich war, ich wusste nur nicht mehr, wie ich dieses weibliche Wesen nennen sollte. Vielleicht ist Liebe nicht mehr als das: einander zu erkennen. Durch alle Äußerlichkeiten hindurch. Es war egal, ob er Harley hieß oder Jake, ob ich Ridley war oder Jessie.“

„Carl Gustav Jung glaubte an einen Schatten, an die dunkle Seite im Menschen, die wir zu verbergen suchen. Aber er war der Ansicht, wir könnten diese Seite nicht verleugnen; je mehr wir uns bemühten, sie zu verstecken und zu ignorieren, desto beharrlicher würde die Welt daran arbeiten, sie ans Tageslicht zu bringen.“

Nicht die Stärksten überleben oder die Intelligentesten, sondern jene, die sich am schnellsten Veränderungen anpassen. Ich weiß nicht mehr, von wem dieser Satz, aber mir kam er immer unglaublich scharfsinnig vor.“

„Vielleicht verhält es sich so, weil der Bestrafung völlig falsche Vorstellungen zugrunde liegen; weil jede Tat, ob gut oder böse, eine unumkehrbare Veränderung unseres Umfelds zur Folge hat. Unsere Erfahrungen verändern uns. Jede Begebenheit hinterlässt ihre Spuren. Diese zu verurteilen und unsere Vergangenheit zu hassen, käme einem Hass auf den Menschen gleich, zu dem wir geworden sind.“

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Leseprobe beim Verlag

Persönliche Bewertung

Spannung auf weibliche Art - leider auch typisch weibliche Unlogik im Erzählplot

4 von 5

Spannung auf die weibliche Art! Der Debütthriller von Lisa Unger zieht die Leserin von Beginn an in den Bann. Allein schon die rückblickenden Perspektive, aus welcher die Hauptprotagonistin erzählt, erzeugt einen konstanten Spannungsbogen, da ein großer Teil der Monologe aus subjektiven Bewertungen und Reflexionen der weiblichen Hauptdarstellerin besteht. Das hat die eigentliche Erzählung auch dringend nötig, denn schon knapp ab der Hälfte des Buches kommt eine starke Vermutung auf, wie denn alles zusammenhängen könnte. Da die Leserin aber mit dem Innenleben der Ridley Jones befasst ist, stört das den Lesespaß nicht sonderlich. Vor allem, wenn dann noch der geheimnisvolle Jake auftaucht, dem es gelingt, das Wesen von Ridley zu erkennen und der dabei netterweise noch so richtig sexy ist. Reichlich Tiefenpsychologie für Anfänger wird hier verarbeitet und unterhält – wie eigentlich immer in derartigen Thrillern — schlichtweg ganz ausgezeichnet. Ein wenig ärgerlich wird es zum Schluss des Buches, wenn die sowieso schon vorhersehbare Handlung auch noch logische Brüche enthält. Ohne hier die Story verraten zu wollen: Bei genauer Betrachtung kann Ridleys Vater eigentlich nicht ihr Vater sein, zumindest nicht, wenn man zu Beginn des Buches gut aufgepasst hat. Aber – Spaß gemacht hat es trotzdem. Ist ja schließlich auch ein „Page-Turner-Buch“ und keine hohe Literatur.

Fazit

Spannung auf weibliche Art: ein wenig Tiefenpsychologie plus traumatische Familiengeschichte plus wahre Liebe plus Action und natürlich ein reichlich böses Verbrechen, dass seine Wurzel in gut gemeinten Taten hat. Leider auch typisch weibliche Unlogik im Erzählplot.

Originaltitel
Beautiful Lies
ISBN10
3442468639
ISBN13
9783442468638
Dt. Erstveröffentlichung
2007
Taschenbuchausgabe
416 Seiten