Der böse Ort

Autoren
Übersetzer
Christine Blum
Verlag
Deutscher Taschenbuch Verlag (dtv)

Zusammenfassung zu “Der böse Ort”

Als Robert Weil seinen Wagen bei Rot über eine Kreuzung lenkt und damit einen tödlichen Unfall verursacht, wird durch die Eingabe dieses Falles in die Datenbank der Londoner Polizei ein Signal ausgelöst, das Peter Grant benachrichtigt. Der Name des Toten stand auf einer Liste, die im Zusammenhang mit den Ermittlungen um den Club „Little Crocodiles“ steht, dessen Mitgliedern Peter und Lesley nachspüren, um unbefugte Anwender von Magie und insbesondere die Schüler eines gewissen Magiers namens Geoffrey Wheatcroft zu identifizieren. Im Laufe der Nachforschungen stellt sich heraus, dass aus der Weißen Bibliothek in Weimar ein machtvolles magisches Werk gestohlen wurde. Peter und Lesley gelingt es, das gestohlene Werk wiederzubeschaffen, der Besitzer flüchtet jedoch.

Viel deutet darauf hin, dass der Gesichtslose, der für Lesleys zerstörtes Gesicht verantwortlich ist und den Peter, Lesley und ihr Chef Nightingale bisher nicht festnehmen konnten, einen neuen Plan verfolgt. Dieser Plan scheint einen bekannten Sozialwohnblock in Südlondon, den Skygarden Tower, einzubeziehen. Glücklicherweise kommen Peter und Lesley über Umwege an eine leerstehende Wohnung im Tower, die sie beziehen, um undercover zu ermitteln. Zunächst scheint es im Wohnblock vor allem Kleinkriminalität zu geben, neben einem sehr engagierten Aktivisten, der verhindern möchte, dass der Tower abgerissen wird. Peter und Lesley durchsuchen diskret das Gebäude nach Anzeichen für Magie und erahnen erst viel zu spät, welche bösartigen Pläne der Gesichtslose mit dem Tower verfolgt…

Wichtige Charaktere

  • PC Peter Grant
  • PC Lesley May
  • Detective Chief Inspector Thomas Nightingale
  • Robert Weil
  • Varvara Sidorovna Tamonina
  • Sky
  • Zach
  • Jake Philipps
  • PC Slatt

Zitate

„In den alten Zeiten war es vermutlich völlig akzeptabel, wenn man beim Zaubern einen lateinischen Singsang von sich gab und mit den Händen fuchtelte, aber der moderne, coole, auf sein Image bedachte Praktizierende ist da gern etwas diskreter. Heutzutage murmeln wir die Worte ganz leise vor uns hin, wodurch wir nur leicht unzurechnungsfähig wirken. Lesley steckt sich einen Bluetooth-Chip ans Ohr und tut so, als rede sie italienisch. Nightingale hält allerdings überhaupt nichts von solchen Mätzchen. Das typische Generationenproblem.“

„Der Aufzug war frei von Graffiti und Urin, was immerhin erfreulich ist, aber die Kabine war winzig – ein Ausdruck des festen Glaubens des Architekten, dass das Proletariat unbelastet von bourgeoisem Zierrat wie beispielsweise massiven Möbeln sein fröhliches Dasein führt. Lesley und ich mussten das Sofa umständlich schräg und uns selbst noch schräger hineinquetschen. Wir ließen den Rest unserer Sachen in Franks Obhut und stiegen auf in unsere neue Heimat.
In Skygarden Tower gab es zwei Wohnungs-Grundtypen: Drei- und Fünfzimmerwohnungen. Die Fünfzimmerwohnungen waren jeweils zweigestöckig mit je einer Innentreppe pro Wohnung, die Dreizimmerwohnungen lagen übereinander und waren durch Außentreppen verbunden. Die Aufzüge hielten nur in jedem zweiten Stockwerk. So war es Stromberg auf geniale Weise gelungen, die typischen Nachteile eines Hochhauses mit denen einer Reihenhauszeile zu verbinden.“

Alle Bände der Reihe

1. Die Flüsse von London
2. Schwarzer Mond über Soho
3. Ein Wispern unter Baker Street
4. Der böse Ort

Links

Website-Special zur Reihe beim Verlag

Persönliche Bewertung

Ein kurzweiliger Krimi mit Fantasyelementen, der nahtlos an seine Vorgänger anknüpft

5 von 5

Der vierte Band der Reihe um Peter Grant, den man salopp „Zauberlehrling“ nennen könnte, folgt dem bewährten Schema der Vorgängerbände: Mit einer Mischung aus bissigem Humor, Comedy, Fantasy, Krimi und Sozialstudie in bestimmten Londoner Milieus gelingt es Aaronovitch auch mit „Der böse Ort“, eine höchst kurzweilige Geschichte zu erzählen. Lebensnah charakterisiert er seine Figuren, beschreibt Orte und ihre Atmosphäre ebenso bildhaft wie dynamisch.

Peter selbst ist ein zwar in keinster Weise unfehlbarer, gerade deswegen aber sehr authentischer und sympathischer Hauptcharakter. An seiner Seite steht Lesley, die seit ihrem Unfall ihr deformiertes Gesicht in der Öffentlichkeit mit einer scheußlichen Maske bedeckt. Der Dritte im Bunde ist Nightingale, der in diesem Band eher im Hintergrund bleibt und vorangig im letzten Drittel des Buches seinen großen Auftritt hat. Mit seinem untadellosen Auftreten und seinen überholten Ansichten und Vorlieben ist Nightingale ein echtes Original. Die weiteren Charaktere bestehen aus einer Mischung an Menschen und Fantasiegestalten, die in Aaronovitchs Geschichte wie selbstverständlich unerkannt unter der Londoner Bevölkerung wohnen. Ob es eine Baumelfe ist oder die Flussgötter – es sind vor allem diese Figuren, die Aaronovitchs Reihe so besonders machen.

Ben Aaronovitch schreibt nicht poetisch, mit der gewohnten Sprache in Fantasybüchern hat er wenig gemeinsam. Das ist jedoch absolut kein Nachteil: Durch seinen Ich-Erzähler Peter erzählt er außerordentlich realitätsnah und reichert die Ereignisse mit Fakten über die Londoner Geschichte und Architektur (in einem kurzen Nachwort erklärt der Autor, wo er sich künstlerischer Freiheit bedient hat) sowie mit Peters teilweise sehr sarkastischem bissigem Humor an, mit dem er Kulissen, Charaktere und Geschehnisse kommentiert. Mit dieser sehr erfrischenden Erzählweise sorgt der Autor dafür, dass diese Reihe ihren Zenit noch lange nicht überschritten hat.

Fazit

Auch mit seinem vierten Band nutzt sich der Charme der Reihe von Ben Aaronovitch nicht ab. Grundsätzlich sollte dieser vierte Band nicht ohne Kenntnisse der Vorgänger gelesen werden. Wer also die ersten drei Bände nicht gelesen hat und dieser Mischung aus Krimi, Fantasy und Comedy eine wohlverdiente Chance geben möchte, sollte beim ersten Band „Die Flüsse von London“ anfangen.

Originaltitel
Broken Homes
ISBN10
3423215070
ISBN13
9783423215077
Dt. Erstveröffentlichung
2014
Taschenbuchausgabe
384 Seiten