Blut und Rote Seide

Oberinspektor Chens fünfter Fall

Autoren
Verlag
Paul Zsolnay Verlag
Anspruch
5 von 5
Humor
4 von 5
Lesespaß
5 von 5
Schreibstil
5 von 5
Spannung
5 von 5

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Zusammenfassung zu “Blut und Rote Seide”

Mitten in Shangai, vor dem Konservatorium, wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Das Spezielle an diesem Mord – die Tote ist mit einem (zerissenen) qipao aus roter Seide bekleidet, ein Kleidungsstück, das seit der Kulturrevolution verpönt ist. Oberinspektor Chen, eigentlich im (Bildungs)-Urlaub, wird in die Aufklärung dieses Mordfalles hineingezogen. Weitere – ebenfalls mit dem qipao bekleidete Leichen werden gefunden. Treibt Shanghais erster Serienmörder sein Unwesen. Kommissar Chen versucht sich im Profiling. Die Ermittlungen führen tief in die chinesische Vergangenheit. Die Untaten während der Zeit der Kulturrevolution werden lebendig. Aber es gelingt nicht, eine Verbindung zwischen den Mädchenleichen herzustellen. Nebenbei oder auch hauptsächlich widmet sich der Oberinspektor Chen, der eigentlich davon träumt wieder an die Universität zurückzukehren, seiner wissenschaftlichen Arbeit über die Femme fatale in der klassischen chinesischen Literatur. Zusätzlich begleitet werden seine Ermittlungen von furiosen chinesischen Menüs. Am Ende, während eines ganz besonders ausgefallenen Menüs, eingebettet in eine klassische Konversation, umrahmt vom wiederbelebten Shangai-Ambiente der frühen dreißiger Jahre, klärt sich der Fall auf.

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„Chen nahm sein Notizheft heraus. Seine bisherigen Aufzeichnungen legen eine Verbindung zu den konfuzianischen Riten nahe. Für Konfuzius waren diese Riten im täglichen Leben allgegenwärtig. Befanden sich die Menschen im Einklang mit dem alten Moralkodex, wie dies angeblich in einem fernen goldenen Zeitalter der Fall gewesen war, so herrschte Ordnung. Es gab Regeln für alle Lebensbereiche, nur die Liebe war, soweit Chen wußte, nicht reglementiert.“

„Er klappte das Buch zu und versuchte sich zu vergegenwärtigen, was er eben gelesen hatte. Für eine familienorientierte Sozialstruktur war die arrangierte Heirat von zentralem Interesse, denn bei der romantischen Liebe standen die Eltern nicht länger im Mittelpunkt von Zuneigung, Loyalität und Autorität.“

„Als Vorspeise brachte der Kellner ein Gericht namens Buddhakopf. Es bestand aus einem weißen Kürbis in Form eines Menschenkopfs, der in einem Bambuskorb gedämpft und mit einem goldenen Lotosblatt bedeckt war. … Chen sah zu, wie der Kellner ein Stück des ‚Schädels‘ absägte und anschließend mit den Stäbchen in das ‚Gehirn‘ fuhr, um einen gebratenen Spatz zutage zu fördern, der in einer gegrillten Wachtel steckte, diese wiederum in einer geschmorten Taube. ‚So viele Gehirne in einem Kopf‘, kicherte einer der leitenden Angestellten.“

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Persönliche Bewertung

Reise nach Shangai auf hohem Niveau, dabei fundiert, warmherzig und spannend

5 von 5

Ein furioser Ausflug in das Shanghai der frühen neunziger Jahre, der zudem tief in die Zeit der Kulturrevolution zurückführt. Dazu gibt es reichlich (chinesische klassische) Literatur, (europäische) Psychologie, Architektur und Kulinaristik und einen Einblick in das chinesische Verständnis von Liebe. Aufzuzählen, was sich dieser Roman alles zu bieten hat, ist müßig, da es der von Qui Xiaolong erzählten Geschichte nicht gerecht werden würde. Wer einen Ausflug nach Shangai unternehmen möchte, abseits der Touristenpfade und sie doch nicht ganz verlassend, sollte diesen Kriminalroman dieses Autors lesen. Eine warmherzige, spannende Erzählung in der sich lebendig gezeichnete Figuren mit selbstverständlicher Leichtigkeit in authentischer Umgebung bewegen nimmt den Leser schnell gefangen. Überragend: die Figur des Kommissar Chen – wenngleich man sich auch immer wieder fragt, wieso ausgerechnet dieser Kommissar die allgegenwärtigen Fährnisse des chinesischen Lebens so mühelos überstehen konnte und kann. Aber zum Ausgleich für so viel Schicksalgunst bleibt Chen zumindest das Glück in der Liebe versagt.
Fazit: Reise nach Shangai mit Exkursen über chinesische Literatur, Geschichte und Architektur auf hohem Niveau.

Originaltitel
Red Mandarin Dress
ISBN10
3552054618
ISBN13
9783552054615
Dt. Erstveröffentlichung
2007
Gebundene Ausgabe
376 Seiten