Beta

Autoren
Übersetzer
Bernadette Ott
Verlag
cbt Verlag

Zusammenfassung zu “Beta”

Elysia ist ein Klon, gezeugt aus einem sportlichen Mädchen im Teenageralter. Ihre einzige Bestimmung ist es, den Menschen auf der Luxusinsel Demesne zu dienen. Als eine elegante Dame, die Frau des Governors, Elysia aus einer Boutique kauft, warnt man sie, denn Klone im Teenageralter sind noch nicht ausgereift. Elysia ist eine Betaversion, und schon bald stellt sich heraus, dass sie ein defekter Klon ist. Es ist nicht vorgesehen, dass Klone Gefühle haben oder dass sie Nahrung der Menschen schmecken können. Doch Elysia mag nicht nur den für Klone vorgesehenen künstlichen Erdbeershake, sie entdeckt auch ihre Leidenschaft für Schokolade. Ihre Gefühle behält sie lieber für sich, denn sie weiß: Defekte Klone sind eine Gefahr für die Elitegesellschaft auf Demesne. Sie werden ausgeschaltet oder „repariert“. Klone haben keinerlei Rechte, sie sind Eigentum des Menschen, der sie gekauft hat und über sie verfügen darf. Also bemüht sich Elysia, ein normaler, „braver“ Klon zu sein und sich auch den anderen Dienstklonen im Haus des Governors gegenüber nicht zu verraten.

Auch von ihrer First, dem Mädchen, aus deren totem Körper Elysia gezeugt wurde, dürfte sie keine Erinnerungen übernommen haben. Und doch verspürt sie Emotionen und sieht einen attraktiven sportlichen jungen Mann, wann immer sie schwimmen geht. Ihre Aufgabe im Haus des Governors ist es, den Sohn Ivan bei seinen Vorbereitungen für seine militärische Karriere zu unterstützen. Ivan wird bald wie ein Bruder für sie, seine kleine Schwester Liesel ist Elysia eine Schwester, und doch wird sie nie Teil der Familie sein. Das bekommt sie besonders zu spüren, als Elysia Zeit mit Ivan und seinen Freunden verbringt, die eine Droge namens Raxia zu sich nehmen. Als sich die Teen-Beta in Ivans Freund Tahir verliebt und das Paradies auf der Insel durch eine Bombe bedroht wird, gerät auch Elysias Leben ins Wanken und in große Gefahr…

Wichtige Charaktere

  • Elysia
  • Familie Bratton: Mutter, der Governor, Ivan und Liesel
  • Familie Fortesquieu: Bahiyya, Tariq und Tahir
  • Dr. Lusardi
  • Greer, Farzad und Demenzia
  • Z, Elysias First
  • der Aquino
  • die Beta Becky
  • die Klone Xanthe und Tawny

Zitate

„Ich checke meine Datenbank nach mehr Informationen über BC. Mein Interface teilt mir mit, dass es sich um eine Neugründung handelt, erst nach den Water Wars erbaut, und dass die Stadt nach den Gesetzen der Bio-Mimikry geplant und entworfen wurde, was bedeutet, dass sämtliche Bauten sowie die Infrastruktur der Natur nachgeformt sind. Ich bekomme Bilder von Bürotürmen eingespielt, die wie Kletterfelsen aussehen; der Luftverkehr mit den Hovercars ahmt die Flugformationen von Zugvögeln nach und die Wohnhäuser mit Öko-Nachhaltigkeitszertifikat erinnern an Termitenbauten und Ameisenhügel. Da BC nach dem Zeitalter der Energiegewinnung aus fossilen Brennstoffen erbaut wurde, leidet die Stadt unter keiner Luftverschmutzung und erstreckt sich unter klarem Himmel bis zu den mächtigen Sanddünen, die wie Berge in der Ferne aufragen. Nachts glitzern am Himmel die Sterne.“

„Mit gut aussehenden Jungen ein Gespräch zu führen kann echt hart sein. Mein kompletter innerer Schaltkreislauf ist lahmgelegt. Ich habe überhaupt keine Ahnung, was ich zu diesem Jungen sagen soll, dessen Nähe mein Herz schneller schlagen lässt und der mich jetzt genauso vollständig vergessen zu haben scheint, wie er sich mir kurz zuvor mit jeder Faser seines Wesens zugewandt hatte.“

Alle Bände der Reihe

Beta
Band 2 bereits in Planung

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Persönliche Bewertung

Zu oberflächlicher Jugendroman, der leider sehr viel Potenzial verschenkt

3 von 5

In „Beta“ zeichnet Rachel Cohn das Bild eines Mikrokosmos in einer dystopischen Welt, die von Privilegierten und rechtelosen Klons bevölkert wird. Mit der Insel „Demesne“ überzeichnet die Autorin die Welt der Reichen, die hier sogar ihr eigenes Wasser und ihre eigene, besonders wertvolle Luft haben. Im Zentrum steht Elysia, der Teen-Klon, die Beta-Version. Natürlich entspricht ihr Äußeres den Schönheitsidealen und entsprechend wird sie wie eine fleischliche Ware präsentiert. Ähnlich geht es ihren Mitklonen, die in ärmlichen Baracken leben und deren weibliche Vertreter sich ihren Besitzern als Prostituierte zur Verfügung stellen müssen. Die Welt wird bestimmt von technologischen Errungenschaften, von Luftschiffen und Holografien und weit entwickelten realen Computerspielen in der „FantaSphere“. Hierbei geht es jedoch weniger um die technischen Aspekte, die Technologie in Elysias Welt sind eher Beiwerk, um die Geschichte zu illustrieren und ihr einen Rahmen zu verleihen. Mehr als sehr rudimentäre Science Fiction Ansätze sind damit in „Beta“ nicht zu erkennen.

Die dystopische Gesellschaft an sich ist eine interessante Kulisse, sie wird jedoch zu wenig ausgeführt. Es passt zum unwissenden Charakter des Klons, dass soziale Fragen weitgehend offen bleiben, der Geschichte selbst verleiht es jedoch eine gewisse Belanglosigkeit, die nicht notwendig gewesen wäre. Die Autorin stellt dar, wie menschenverachtend die Klone benutzt werden und wirft damit moralische Fragen auf. Die „Opferlämmer“, arme Menschen, die ihren Körper zum Klonen opfern, damit ihre Familien zu Geld kommen, hätten eine interessante Grundlage sein können, doch wird dieser Aspekt hier nur gestreift. Davon abgesehen sind ähnliche Motive auch aus anderen Büchern bekannt und damit wenig innovativ. Politische Themen wie die „Water Wars“ werden nur angerissen, ein wirkliches Bild von Elysias Welt ergibt sich nicht. Vielleicht hatte die Autorin die Absicht, solche Aspekte für Folgebände vorzubehalten. Diese Strategie sorgt jedoch dafür, dass dieser erste Band fast durchweg an der Oberfläche schwimmt und die von Rachel Cohn beschriebene Welt zudem recht leblos wirkt.

Besonders schade ist die Oberflächlichkeit von „Beta“, weil die Ansätze der Geschichte durchaus Potenzial gehabt hätten. Rachel Cohn ist keine schlechte Autorin, ihr Schreibstil ist durchaus angenehm und liest sich flüssig, die Kulisse der Geschichte ist eine interessante Idee. Die Umsetzung jedoch bleibt sehr blass und treibt weitgehend an der Oberfläche. So hätte man aus dem Thema Klonen einen interessanten Science-Fiction Roman für Jugendliche machen können. Schließlich kann auch eine Liebesgeschichte intelligent verpackt bzw. unterfüttert werden. Stattdessen ist „Beta“ eine weitgehend seichte Lektüre mit oberflächlichen Schockmomenten und eher zahmer Grausamkeit, die an den relevanten Stellen auch für Jugendliche deutlich zu harmlos daherkommen. Hier und dort flechtet die Autorin ein wenig Ironie des Hauptcharakters ein, im Hinblick auf die ernsten Themen des Buches mangelt es der Geschichte insgesamt ein wenig an Tiefgründigkeit.

Leider bleiben auch die Charaktere recht farblos. Obwohl Elysia die Geschichte aus ihrer Perspektive erzählt, fehlt ihrer Figur jenseits ihrer Erinnerungen, ihrer Schwärmerei und ihrer Beobachtung der Geschehnisse deutlich die psychologische Tiefe. Auch aus biologischer Sicht wirkt einiges hier recht abstrus; geradezu absurd wird es am Ende, doch das soll hier natürlich noch nicht verraten werden. Zwar ist die Frage recht interessant, was einen geklonten menschlichen Körper mit allen zu ihm gehörenden Funktionen von einem lebendigen Menschen unterscheidet, mit der Antwort hierauf wird sich jedoch vermutlich die eine oder andere Leserin etwas schwertun. Zwar wird den Klonen auch die Individualität abgesprochen, doch ist meist von der „Seele“ die Rede, einem religiösen Begriff, mit dem nicht jeder etwas anfangen kann. Etwas fragwürdig ist zudem das Ende der Geschichte, das auf eine ablehnender Haltung der Autorin zum Thema Abtreibung hindeutet und eine fragwürdige Botschaft vermittelt.

Der größte Vorwurf, den man diesem Buch in Bezug auf den Anspruch machen kann, ist die sehr oberflächliche Abhandlung der Themen Drogen und Vergewaltigung. Angesichts der Bedeutung, die beide Punkte sowohl in dieser Gesellschaft allgemein, als auch für Jugendliche im Speziellen einnehmen, ist die Verharmlosung der Autorin sehr kritisch zu sehen. Rachel Cohn stellt zwar gut dar, wie gelangweilte privilegierte Jugendliche zu Drogen greifen, um sich zu unterhalten, es wirkt jedoch in diesem Zusammenhang viel zu normal, die Folgen und das Risiko der Abhängigkeit sind nicht Thema der Geschichte. Auch Elysias Reaktion auf die Vergewaltigung wirkt sehr gemäßigt und damit wenig überzeugend. Insgesamt erscheint das Ergebnis der Vergewaltigung mit seinen Folgen (die hier nicht verraten werden) einfach nur skurril und fehl am Platz.

Die Spannung ist wegen der Oberflächlichkeit der Charaktere, der Geschichte und der Kulisse eher mäßig. Es gibt die eine oder andere Überraschung, besonders der Cliffhanger am Ende weckt Spannung auf den zweiten Band, doch insgesamt schleppt sich die Geschichte kapitelweise dahin. Es bleibt zu hoffen, dass der zweite Band die interessanten Ansätze der Geschichte vertieft und mit dem Aufstand der Klone und einer möglichen Revolution anspruchsvollere Aspekte hinzukommen.

Fazit

Dieses Buch hätte das Potenzial zu einer tiefgründigen fesselnden Geschichte gehabt mit gesellschafts- und sozialkritischen Tendenzen, vielleicht sogar mit mehr Science Fiction Elementen oder einem politischen Ansatz. Stattdessen ist ein belangloser Jugendroman voller recht flacher Charaktere entstanden, der mit für Jugendliche bedeutungsvollen Themen viel zu oberflächlich, sogar verharmlosend umgeht. Schade!

Originaltitel
Ananda Series 1: Beta
ISBN10
3570161641
ISBN13
9783570161647
Dt. Erstveröffentlichung
2013
Gebundene Ausgabe
416 Seiten
Empfohlenes Lesealter
Ab 13 Jahren