Southern Reach Trilogie (2) – Autorität

Autoren
Übersetzer
Michael Kellner
Verlag
Antje Kunstmann Verlag

Zusammenfassung zu “Southern Reach Trilogie (2) – Autorität”

John Rodriguez, der sich selbst „Control“ nennt, wurde zum neuen Direktor von Southern Reach ernannt, seit die vorherige Direktorin zusammen mit der zwölften Expedition in Area X verschwand. Bei der Suche nach dem Geheimnis von Area X steht ihm Grace, die stellvertretende Direktorin zur Seite. Inwieweit sie ihm jedoch tatsächlich helfen möchte, ist Control sich nicht sicher, schließlich war Grace die Verbündete der ehemaligen Direktorin. Im Büro seiner Nachfolgerin arbeitet Control zahllose Akten durch und macht einige erschreckende Entdeckungen, die ihn jedoch der Lösung kaum näherbringen. Auch die Befragungen der Biologin, die von der zwölften Expedition zurückgekehrt ist, jedoch behauptet sich an nichts zu erinnern und sich selbst „Ghostbird“ nennt, liefern keine verständlichen Erklärungen.

Während Control eine seltsame Beziehung zu Ghostbird entwickelt, scheint Grace weiterhin nicht gewillt zu sein, ihm wirklich zu helfen. Gleichzeitig empfängt er Befehle von „Central“, einer undurchsichtigen Kontrollinstanz, die sich über Control Einblicke in Southern Reach erhofft. Was genau in Area X passiert und wohin die vielen nicht zurückgekehrten Expeditionsteilnehmer verschwanden, bleibt weiterhin unklar. Ebenso undurchsichtig sind die Absichten von Central sowie die Rolle, die Controls Mutter spielt. Währenddessen scheint sich das verlassene Gebiet weiter auszubreiten und Einfluss auf die Welt außerhalb und einzelne Personen von Southern Reach zu nehmen…

Wichtige Charaktere

  • John Rodriguez, „Control“
  • „Central“
  • „Voice“
  • Grace Stevenson
  • die Biologin, „Ghostbird“
  • Controls Mutter
  • Whitby

Zitate

„Keiner von ihnen hatte irgendetwas beizutragen, obwohl ihm schien, dass er in Einzelgesprächen vielleicht etwas von ihnen erfahren hätte. Es war der große Auftritt von Cheney und Davidson, nur der Anthropologe hatte ein paar Anmerkungen beizusteuern. Und wären ihre Titel und Abschlüsse Orden gewesen, sie hätte sich diese – so wie sie alle redeten – an eine quasi-militärische Wissenschaftleruniform gesteckt, wie an einen Laborkittel, den aber keiner von ihnen trug. Doch er verstand ihre Motive, verstand, dass auch dies Teil der fortlaufenden Geschichte war: Dieses einst umfassende Territorium wissenschaftlicher Forschung hatte man Stück für Stück beschnitten.
Offensichtlich hatte Grace ihnen nahegelegt – oder befohlen? -, Control den üblichen Sermon vorzusetzen, was er als Trick begriff oder, bestenfalls, eine Art, die Zeit totzuschlagen. Aber ihnen schien dieses Wiederkäuen nichts auszumachen. Im Gegenteil, sie schienen es zu genießen, wie ein übereifriger Zauberer auf der Suche nach seinem Publikum. Nur Whitby schien peinlich berührt zu sein. Er hatte sich klein und unsichtbar gemacht und sich in die entlegenste Ecke des Raums verzogen.“

„Control hatte schon alles ausgepackt; die Vorstellung, seine Sachen irgendwo unterzustellen, verursachte ihm Unbehagen. Auf dem Sims über einem gemauerten Kamin, der mehr Dekoration als alles andere war, hatte er ein Schachbrett gestellt, dessen kleine, in helle Farben gefasste Figurinen die letzte Bastion seines Vaters gewesen waren. Er hatte sie in den örtlichen Kunstgewerbeläden verkauft und in einem Stadtteilzentrum gearbeitet, nachdem seine Karriere ins Stocken geraten war. Während der letzten Dekade seines Lebens hatte ein Kunstsammler gelegentlich eine der riesigen Installationen gekauft, die unter Planen im Hinterhof vor sich hin rosteten, aber das war eher wie ein Besuch aus einer anderen Zeit gewesen, ein Geist, ein Zeitreisender, als ein erneut aufflackerndes Interesse. Das Schachbrett war wie ein in der Zeit eingefrorenes Symbol für ihr letztes gemeinsames Spiel.“

Alle Bände der Southern Reach Trilogie

1. Auslöschung
2. Autorität
3. Akzeptanz

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Leseprobe
Special beim Verlag

Persönliche Bewertung

350 Seiten Verschleierung und abstraktes verborgenes Grauen

5 von 5

Während im ersten Band der Reihe die Biologin als Ich-Erzählerin zu Wort kam, ist es hier ein personeller Erzähler, der die Handlung aus der Sicht von Control schildert. Die Biologin tritt als „Ghostbird“ wieder in Erscheinung, ist jedoch eine undurchschaubare, distanzierte Figur, die wenig mit dem Charakter aus Band 1 zu tun zu haben scheint. Was zu ihrer Veränderung führte, was tatsächlich zwischen dem ersten und zweiten Band geschah, bleibt unklar. Die Anzahl an Personen ist auch in „Autorität“ begrenzt und beschränkt sich auf Control, die Biologin, Controls Mutter, Central sowie wenige weitere Personen in Southern Reach. Das Augenmerk liegt klar auf Control, seiner Suche nach Erklärungen, seinen Gedankengängen, seinen Beziehungen zu den anderen Charakteren, seinen Krisen angesichts des Unerklärlichen und den zunehmend grauenvollen Ahnungen, die ihn erfassen.

Jeff Vandermeer gelingt es ausgezeichnet, seine Leser in derselben düsteren Ungewissheit und zunehmendem Argwohn zu belassen, die auch seine Hauptfigur über hunderte von Seiten quält. Eine Merkwürdigkeit folgt der nächsten, der Autor scheint genauso wie die Organisation Southern Reach meisterhaft verschleiern zu können, wie das Geheimnis hinter Area X aussieht. Details, die für sich genommen wenig aufregend und höchstens kurios sind, häufen sich und tragen zu einem unbestimmten Angstgefühl bei. Hier als Science Fiction eingeordnet, weist „Autorität“ auch genug Eigenschaften auf, die sich als „Horror“ bezeichnen lassen.

Auf den gut 350 Seiten passiert allerdings angesichts der Länge des Buches verhältnismäßig wenig, die Handlung schreitet langsam voran. Manch ein Leser mag sich beginnen zu langweilen, hat er keinen Sinn für die tiefgründigen Emotionen, die der Autor in seiner Hauptfigur beschreibt und gleichzeitig im Leser erweckt. Kulissen und Handlung erscheinen oft surreal, aber dennoch erstaunlich lebensnah dank Vandermeers beeindruckendem, von Michael Kellner gekonnt übersetztem Schreibstil.

Fazit

Der zweite Band der Southern Reach-Trilogie lebt nicht von klassischer Spannung, sondern von einer sich steigernden Beklemmung, die sich bis zum (wieder einmal sehr offenen) Ende hin zuspitzt. Sprachgewaltig und außergewöhnlich, für anspruchsvolle Leser mit psychologischem Interesse und Begeisterung für ungewöhnliche Horrorgeschichten, in denen Andeutungen der eigenen Fantasie Nahrung geben.

Originaltitel
Authority
ISBN10
3888979951
ISBN13
9783888979958
Dt. Erstveröffentlichung
2015
Broschierte Ausgabe
365 Seiten

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