Auf der Mauer, auf der Lauer

Autoren
Illustrator
Olivier Tallec
Verlag
Boje Verlag

Zusammenfassung zu “Auf der Mauer, auf der Lauer”

In diesem Bilderbuch erzählt Olivier Tallec ganz ohne Worte von zwei verfeindeten Parteien. Auf der einen Seite der Mauer gibt es einen Mann komplett in orange und auf der anderen Seite einen Mann in blau. Beide tragen einen Helm und sind mit einem Gewehr und einem Fernglas ausgestattet. Durch letzteres beäugen sie sich bei jeder Gelegenheit, selbst Regen oder Schnee bringen sie nicht dazu, ihren Posten zu verlassen. Als der orange Mann auf seiner Seite eine Schnecke entdeckt, spielt er mit ihr. Als sie jedoch über die Mauer auf die andere Seite kriecht, kommt wenig später nur ihr leeres Schneckenhaus zu ihm in hohem Bogen zurückgeflogen. Der blaue Mann hat die Schnecke gegrillt und verspeist. Das Verhalten löst prompt emotionale Reaktionen beim orangen Mann aus, schließlich beschimpfen sich beide und drohen einander. Im Verlauf der Geschichte soll sich der Streit durch Missverständnisse noch weiter aufschaukeln, bis schließlich am Ende ein Vogel die Versöhnung doch noch möglich macht…

Wichtige Charaktere

  • Waterloo
  • Trafalgar
  • eine Schnecke
  • ein Vogel

Innenillustration

Olivier Tallec - InnenillustrationOlivier Tallec - Innenillustration

Persönliche Bewertung

Die Welt ist blau und orange oder: beim Streiten gibt es keinen Gewinner!

5 von 5

Olivier Tallec ist international kein Unbekannter, schließlich hat er mittlerweile um die 60 Bücher illustriert. „Auf der Mauer, auf der Lauer“ ist sein erstes Buch komplett ohne Text. Was ein Buch ohne Text alles zu zeigen in der Lage ist, kann man hier eindrucksvoll bewundern. Und nicht nur dass die farbliche Gestaltung ein echter Blickfang ist, es gibt auch Seiten mit ausgestanzten Sternen (leider nicht komplett passgenau) oder Seiten, die vertikal drei- oder zweigeteilt wurden und so ein ganz besonderes Leseerlebnis erzeugen. Schon der aus dickem Karton gefertigte Buchdeckel enthält zwei Ausstanzungen in Lochform. Durch diese Gucklöcher sieht der Betrachter die beiden Gegenspieler der Geschichte, und nimmt somit automatisch eine der beiden Rollen ein. Die farbliche Gestaltung ist nicht ohne Grund in blau und orange gewählt, sind es doch Komplementärfarben, die sich im Farbkreis wie im Buch gegenüberstehen.

So gut der deutsche Titel auch gewählt ist, das Original „Waterlo & Trafalgar“ nennt die beiden Männer beim Namen und lässt Spielraum für Interpretationen. Beide Namen stehen zugleich für zwei Kriegsschlachten, in denen sich Engländer und Franzosen gegenüberstanden. Beide Male unterlagen die Franzosen. So erklärt es sich zum einen, weshalb Tallec einen der beiden Männer, vermutlich den Franzosen, die Schnecke essen lässt. Und doch, so verrät das Ende der Geschichte, können bei einem Krieg wie bei einem Streit nur beide Seiten verlieren. Wie die Franzosen in Waterloo und Trafalgar. Die Szene mit der Schnecke ist sicher etwas unglücklich gewählt, verdeutlicht aber auf brutale Weise die unterschiedlichen Standpunkte in ein und derselben Sache.

Olivier Tallec, dessen Bücher bisher bei Gerstenberg oder Sauerländer erschienen, legt mit diesem Buch eine eindringliche Charakterstudie vor, die graphisch exzellent gearbeitet ist. Bildfolgen von drei, fünf oder zehn Sequenzen mit Bewegungen der beiden Figuren wechseln sich mit doppelseitigen Ansichten des Schauplatzes ab, wobei hier die Perspektiven wie bei den Figuren variieren. Die Gestik und Mimik der Figuren funktioniert wie bei einem Stop-Motion-Film, wodurch man sich die Geschichte auch gut als Einspieler bei Formaten wie der „Sendung mit der Maus“ oder ähnlichem vorstellen kann. Accessoires wie ein Kleiderbügel, Zahnbürsten, Kochplatten oder Wasserhähne in den Mauern fügen dem Ganzen eine absurde Note hinzu, die das Gesehene umso lächerlicher erscheinen lässt. Es wird keinen Leser geben, der sich nicht in einer der Figurendarstellungen wiederfinden wird. Das versöhnliche Ende mit echtem Aha-Erlebnis schließt die Geschichte, die auch als Lehrstück verstanden werden darf, sehr gelungen ab.

Fazit

Ein anspruchsvolles, absurdes und besonderes Bilderbuch über Streit und Versöhnung, ohne Worte mit einer beeindruckenden Bildsprache in nur drei Fraben! Ein echter Hingucker, mit dem man sicher auch in der Erwachsenenbildung arbeiten kann.

Originaltitel
Waterlo & Trafalgar
ISBN10
341482373X
ISBN13
9783414823731
Dt. Erstveröffentlichung
2014
Gebundene Ausgabe
64 Seiten
Empfohlenes Lesealter
Ab 5 Jahren

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