Art Brut – Kunst jenseits der Kunst

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Anspruch
5 von 5
Humor
3 von 5
Lesespaß
4 von 5
Schreibstil
4 von 5
Spannung
4 von 5

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Zusammenfassung zu “Art Brut – Kunst jenseits der Kunst”

Der Autor des Buches, über „die Kunst jenseits der Kunst“, Michel Thévoz ist ein Allrounder – sowohl Jazzmusiker als auch Autor, sowohl Museumsdirektor als auch Professor. Sein Spezialgebiet ist die Art-Brut und Leben und Werk ihrer Künstler. Das umreißt dann auch schon den Inhalt des vorliegenden Buches. In seiner Einleitung versucht Thevoz eine Antwort auf die Frage „Was ist ‚Art Brut‘?“. Im darauffolgenden Abschnitt wird ein kurzer Abriss der Entstehung der „Collection de l`Art brut“ gegeben. Sich auf diese Einleitung beschränkend, lässt Thevoz auf den folgenden Seiten vierzig Künstler der Art Brut für sich selber sprechen. Ihnen ist jeweils eine vom Autor verfasste Kurzbiografie gewidmet und passend dazu werden wichtige Werke abgebildet. Das gesamte Buch ist großformatig (28 x 23 cm) und in ansprechender Papierqualität gehalten.

Wichtige Charaktere

  • Die Art Brut und vierzig ihrer Vertreter

Einige vorgestellte Künstler

Aloise, Baya, Carlo, …Magde Gill; Johann Hauser, Helmut; Vujislav Jakic; Katharina, Hans Krüsi; …Alois Wey; Scottie Wilson; Josef Wittlich; Adolf Wölfli…

Zitate

„Was erwarten wir von der Kunst? Doch gerade etwas, das über unsere Erwartungen hinaus geht. Allerdings mehr als nur eine Überraschung. Damit uns ein Kunstwerk bewegt, muss es originell sein und uns ansprechen; es muss uns mitreißen in ein abenteuerliches und fieberhaftes inneres Erlebnis. Die Kunst jedoch, die heutzutage in den Galerien zu sehen ist, bereitet uns immer weniger Gefühlsbewegungen dieser Art. Dort sind nur noch die Abenteuer zufällig wechselnder Moden und das Fieber öffentlicher Versteigerungen und finanzieller Spekulationen gefragt.“

„Ein erwachsener Mensch, der nicht fähig oder nicht willens ist zu lesen und zu schreiben, wird als geistig minderbemittelt betrachtet und an die zuständigen Institutionen überwiesen, selbst wenn er im Zeichnen über eine besondere Begabung verfügt. Umgekehrt ist jedoch einem Akademiker mit besonderen sprachlichen, aber ohne künstlerische Fähigkeit, Ehre und Anerkennung sicher. Weshalb betrachten wir den ersten als schwachsinnig, den zweiten als intelligent? Weshalb nicht umgekehrt?“

Persönliche Bewertung

In Wort und Bild gelungene Einführung in der Welt der Kunst jenseits der Kunst

4 von 5

Der Autor des Buches, Michel Thevoz, mag es prägnant. Auf eine kurze Einführung, in der die Meinung des Künstlers zu den Werken der Art Brut einerseits und zum kommerziellen Kunstbetrieb andererseits sehr deutlich formuliert wird, folgt eine Kurzvorstellung von vierzig ausgewählten Art Brut Künstlern, allesamt in der „Collection de l`Art brut“ in Lausanne zu besichtigen. In der Kurzbiografie, die zumeist über eineinhalb Spalten geschrieben ist, versucht der Autor, das Wesen des einzelnen Künstlers oder eben das der Künstlerin zu erfassen. Häufig kommen die Künstler in Zitaten selbst zu Wort. Naturgemäß sind das jeweils sehr wenige Worte für ein ganzes Künstlerleben – und so bleiben die Künstler-Biografien im Ganzen gesehen dann doch eher schwach. Zusammen mit den sorgfältigen ausgewählten Abbildungen entsteht jedoch ein erster Gesamteindruck von der vielfältigen Kunst, die jenseits der Kunst geschaffen wurde. Wer einmal einen Blick über den Suppenteller des kommerziellen Kunstbetriebes werfen möchte, ohne dabei gleich Kunstgeschichte studieren zu müssen – für den ist dieses Buch auf wärmste zu empfehlen.

Fazit: In Wort und Bild gelungene, in sich abgerundete Einführung in der Welt der Kunst jenseits der Kunst – vorgetragen vom Fachmann, der mit seiner eigenen Meinung nicht hinter dem Berg hält.

ISBN10
3855023867
ISBN13
9783855023868
Dt. Erstveröffentlichung
1990
Gebundene Ausgabe
137 Seiten