Amelie und der Fisch

Autoren
Illustrator
Helga Bansch
Verlag
Jungbrunnen Verlag

Zusammenfassung zu “Amelie und der Fisch”

Das Mädchen Amelie ist mit ihren Eltern am Strand. Der Vater ist über seiner Zeitung eingeschlafen, die Mutter schaut von ihrem Buch hoch und beobachtet Amelie. Sie lässt sie aber in Ruhe am Strand sitzen, wo sie, eine Hand auf dem Schwimmreifen ruhend, mit den Füßen erste etwas ängstliche Erfahrungen mit dem Wasser macht. Als ein kleiner Fisch an ihrem Zeh knabbert, nimmt sie dies zum Anlass, mit dem Schwimmreifen ins Meer zu gehen, um mit dem Fisch zu spielen. Nach erlebnisreichem Wasserspaß verschwindet der Fisch am Abend im weiten Meer, obwohl Amelie ihn am liebsten behalten würde, hatte sie doch so einen schönen Tag mit ihm. Viele weitere Tage wiederholt sich das Geschehene, bis Amelie einen Plan hat, wie sie den Fisch vom abendlichen Wegschwimmen abhalten kann. Nachdem sie ihren Plan in die Tat umgesetzt hat, muss sie jedoch feststellen, dass dies dem Fisch ganz und gar nicht gefällt und ihr erhofftes Glücksgefühl ausbleibt…

Wichtige Charaktere

  • Amelie
  • eine kleine gelbe Ente
  • ein kleiner Fisch

Zitate

„Amelie sitzt im weichen Sand und hält die Füße ins Wasser. Die Wellen lecken an ihren Zehen. Das Meer riecht salzig und fremd. Amelie fürchtet sich ein bisschen.“

„Mit klopfendem Herzen und einem großen Glas kommt Amelie bei Sonnenaufgang zum Ufer. Das Meer ist glatt und dunkel und riecht nach fauligen Algen. Amelie füllt das Glas mit Wasser und stellt es in den Sand. Dann wartet sie.“

Persönliche Bewertung

Ein kluges, weises Buch, reduziert auf das Wesentliche, vermag es Großes zu bewirken

5 von 5

Helga Bansch ist mit „Amelie und der Fisch“ ein ganz wunderbares Bilderbuch gelungen. Es ist nicht knalligbunt in den Farben, weder albern noch verrückt, und dennoch oder gerade deshalb ist dieses unscheinbare, zurückhaltend daherkommende Buch eines dieser Bücher, welche das Potenzial in sich bergen, die Welt ein Stück weit besser zu machen, als sie ist. Die Geschichte um die kleine Amelie verspricht dabei genau das zu halten, was der Titel vorgibt. Es geht um Amelie und den Fisch, um etwas im Kleinen, was ganz und gar nicht klein ist. So kommen in den Bildern auch nicht detaillverliebte Betrachter auf ihre Kosten, es gibt hauptsächlich nur Amelie und den Fisch zu sehen und die die Handlung begleitende gelbe Ente. Dennoch ist das Buch sehr gekonnt künstlerisch gestaltet. Die Bleistiftzeichnungen der Figuren werden coloriert, die Farbe der Hintergründe wird größtenteils mit einer Walze aufgetragen, alles wird mittels Collagentechnik stimmig zusammengeführt. Kreativ bekommt so die Morgenröte ihre Farbe, es gibt eine Unterwasserwelt aus alten Landkartendrucken oder Fische, die aus alten Geldscheinen bestehen.

Unvermittelt führt die Geschichte den Leser zum Beginn der Handlung an den Strand. Weder die Eltern werden namentlich benannt, noch gibt es einen Rahmen wie einen Familienausflug oder die Ferien. Aber zum einen geht es hier nicht vordergründig um die Eltern und zum anderen steht die Familie so für eine von vielen. Da die Mutter nicht in das Geschehen eingreift, kann Amelie ihre eigenen Erfahrungen machen. Die Reduktion auf das Wesentliche verschafft der Geschichte Raum sich zu entfalten. Amelie möchte etwas besitzen, nicht etwa irgendetwas, sondern einen Fisch, ein anderes Lebewesen. Sie tut dies nicht in böser Absicht, dennoch denkt sie zuerst nur an ihre eigenen Bedürfnisse. Sie möchte ihren neuen Freund behalten, ihn unter Kontrolle halten, selber bestimmen, wann gespielt wird und wann nicht. Durch die Gefangenschaft erfährt sie schnell das Leid, welches sie erzeugt hat. Der Fisch lässt seine Flossen hängen und will auch nicht fressen. Was als aufregendes Abenteuer und mit Neugier begann, endet in einem schlechten Gewissen und mündet in der Konsequenz, das Geschehene wieder rückgängig zu machen.

Der Entwicklung Amelies wird eine kleine gelbe Ente zur Seite gestellt, die die in der Geschichte vorkommenden Gefühle von ihr, aber auch des Fisches verstärkt und Kindern eine Verständnishilfe bietet. Mal ist sie erschrocken, ein anderes mal sprichwörtlich „oben auf“. Auch in anderen Situationen versteht die Autorin und Illustratorin, Wort und Bild geschickt miteinander zu verknüpfen. Der Fisch schwimmt augenscheinlich aus dem Bild, Amelies Blick sagt mehr als die berühmten tausend Worte. Am Ende fügt sich alles zum Guten, Amelie fühlt sich am Meer nicht mehr fremd, ihrer zwischenzeitlichen Traurigkeit ist die Gewissheit gewichen, dass man bestimmte Dinge nicht besitzen kann, nicht besitzen darf: „Artgerecht ist nur die Freiheit“. Die Freundschaft zwischen den beiden findet schließlich auch Ausdruck im Verhalten der gelben Ente, die sich ihrerseits am Ende mit einem Hummer anfreundet.

Fazit

Helga Bansch erzählt mit „Amelie und der Fisch“ in ansprechender Sprache eine ruhige und kluge Parabel über Besitztum und Freiheit. Ihr künstlerischer Stil ist nicht von der Stange, keiner Mode unterworfen, vollkommen eigenständig. Auch wenn es vielleicht nicht beabsichtigt war, ist diese Geschichte ein wichtiger Beitrag, um über das Verhältnis zwischen Mensch und Tier nachzudenken. Es sind solche Bücher, die früh vieles zum Guten wenden können und beweisen, wozu Bilderbücher in der Lage sind. Viele Erwachsene müssten diese Geschichte dringend lesen!

ISBN10
3702658467
ISBN13
9783702658465
Dt. Erstveröffentlichung
2013
Gebundene Ausgabe
32 Seiten
Empfohlenes Lesealter
Ab 4 Jahren