Abaton (1) – Vom Ende der Angst

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mixtvision Verlag

Zusammenfassung zu “Abaton (1) – Vom Ende der Angst”

Die 14-jährigen Jugendlichen Edda, Linus und Simon sind mit anderen Gleichaltrigen in einem Jugendcamp in Berlin, wo sie sich kennenlernen. Der Aufenthalt ist der Preis für ihre Beiträge in einem Zukunftswettbewerb. Linus ist vor allem dabei, um vor Ort das Verschwinden seiner Eltern zu untersuchen. Er kann und will nicht akzeptieren, dass die beiden Wissenschaftler einfach in einem Berliner U-Bahntunnel verschwinden konnten. Er stellt außerdem fest, dass Nachts eine Gruppe von Männern das Camp besucht hat, denn er findet vor seinem Zelt den Abdruck eines Militärstiefels. Zusammen mit Edda und Simon steigt er in den Berliner Untergrund, um nach Spuren zu suchen. Der Abstieg ist nicht ungefährlich, denn ihnen sind Verfolger auf der Spur. Der Erfolg ihrer Suche: In einem Schacht entdeckt Linus seltsame Zeichen, die er mit seinem Smartphone fotografiert.

Als die drei Jugendlichen schließlich von ihren Verfolgern eingeholt werden, scheint alles ganz harmlos zu sein: Clint und die anderen Verfolger seien von der Campleiterin geschickt worden, die sich Sorgen um die drei Jugendlichen gemacht hatte. Im Camp jedoch kommt Linus die Geschichte sehr verdächtig vor. Auch dass sich alle anderen Campbewohner auf einmal vollkommen anders verhalten als vor dem Discoabend, den er, Simon und Edda verpasst haben, macht ihn misstrauisch. Doch die beiden anderen wollen von seinen Verfolgungsängsten und Theorien nichts hören. So gehen die drei im Streit auseinander, und jeder reist mit dem Gefühl nach Hause, einen Fehler gemacht zu haben.

Zurück zu Hause nehmen die Merkwürdigkeiten jedoch kein Ende, und schnell fragen sich Simon und Edda, ob sie Linus unrecht getan haben. Edda, deren geistig verwirrte Mutter in einem Heim lebt, stellt kurz nach ihrer Rückkehr fest, dass ihre Großmutter Marie verschwunden ist. Dann taucht auch noch ihre Mutter auf und benimmt sich sonderbar. Edda macht sich auf den Weg nach Berlin, zusammen mit einem Schlüssel zu Maries Wohnung, den ihre Mutter ihr geben konnte, bevor die Pfleger sie zurück ins Heim brachten.

Linus merkt, dass er noch immer verfolgt wird, und sucht einen alten Bekannten auf: Olsen, der allein mit seinem Hund wohnt, und wegen seiner Delle im Kopf von anderen Menschen gemieden wird. Es stellt sich heraus, dass Olsen von Linus‘ Verfolgern weiß, dass er Clint sogar von früher persönlich kennt. Nachdem er ihn vor Clint retten konnte, ist Olsen plötzlich verschwunden, und Linus ist klar, dass er zurück nach Berlin muss, um Antworten zu finden.

Simon hingegen hofft, von seinem seit einigen Jahren inhaftierten Vater Antworten zu erhalten und macht sich entgegen den Wünschen seiner Mutter auf den Weg ins Gefängnis. Da man den Vater kurzfristig verlegt hat und ein legaler Besuch viel zu lange dauern würde, lässt sich Simon ins Gefängnis schmuggeln, um seinen Vater zu sehen. Er begreift, dass sein Vater das Gefängnis als Schutz ansieht und als Möglichkeit, in Ruhe an seinen Forschungen zu arbeiten. Auch Simon landet letztendlich wieder in Berlin, mit den geheimen Forschungsergebnissen seines Vaters auf den Kopf tätowiert.

In Berlin treffen die drei Jugendlichen wieder aufeinander und beginnen, die Zusammenhänge zwischen ihren Verfolgern, ihrer eigenen Familiengeschichte und einem Unternehmen namens GENE-SYS, die Clint beauftragt haben, zu begreifen…

Wichtige Charaktere

  • Edda Wilding
  • Simon Fröhlich
  • Linus
  • Bernikoff
  • Chrissie, die Campleiterin
  • Eddas Großmutter Marie
  • Simons Vater Dr. Robert Fröhlich
  • Linus‘ Eltern
  • Olsen
  • Clint
  • Bobo
  • Linus‘ Pflegeeltern Rob und Helga
  • Linus‘ „neue“ Geschwister Martin und Katharina
  • Thorben
  • Judith

Zitate

„Mit den Fingern klammerten sie sich fest.
Simon und Linus hatten Edda auf dem Dach der S1 in ihre Mitte genommen. Dann hatten sie sich mit den Fingern an den Schlitzen des Lüftungsschachts auf dem Waggondach eingekrallt, und zwar so, dass Edda von ihren Armen umschlossen wurde. Die Signallichter huschten vorüber. Kabel und Leitungen flossen über sie hinweg, sammelten, teilten sich. Führten weiter in andere, noch schwärzere Tunnel. Edda hatte die Augen geschlossen. Der Fahrtwind jagte über sie hinweg. Und obwohl sie so schnell fuhren, hatte Edda nicht den Eindruck, dass sie je wieder dem Dunkel entkommen würde …“

„Mumbala schluckte. Auch er sagte nichts. Aber Simon spürte die Wut und Enttäuschung des riesigen Mannes, die nicht nur dem weißen Jungen galt, sondern auch seinem eigenen Schicksal, das ihn in dieses kalte und unfreundliche Land geführt hatte. Simon fühlte die Angst und die Trauer, die sich hinter Mumbalas geröteten Augen verbargen, und die dunklen, wirren Gedanken hinter der mächtigen Stirn. Simon ahnte, dass es im Grunde keine schlechten Gedanken waren, auch wenn dieser große Kerl nicht wusste, wie er das Gute bewirken konnte. Mit einem Mal spürte Simon, wie die ganze Trauer der letzten Jahre, die er ohne seinen Vater und seinen Bruder zugebracht hatte, in ihm aufstieg und sich hinter seine Augen verschob. Es war wirklich ein Fehler gewesen zurückzukommen.“

„Linus fiel das erst jetzt auf, dass er diese Momente als Glück empfand. Damals, als er die Eltern beobachtete, fühlte er sich gut; ja. Aber Glück? Er hätte es damals sicher nicht so genannt. Vielleicht war das mit dem Begreifen von Glück immer nur im Rückblick möglich, dachte Linus, als er in den Hinterhof ging, wo die Gewächshäuser standen. Vielleicht war das Leben wie ein langer Wanderweg, der immer wieder über Glückshügel führte, und erst wenn man sich auf einem der Hügel umsah, konnte man erkennen, wie viel Glück man eigentlich schon erlebt hatte …“

„Als Edda mit dem Bus nach Hause fuhr, wusste sie selbst nicht, was passiert war. Waren die Leute so oberflächlich oder hatte sich wirklich etwas an ihr verändert? Etwas, das man spüren konnte und nicht nur sehen?“

Alle Bände der Abaton Trilogie

1. Vom Ende der Angst
2. Die Verlockung des Bösen
3. Im Bann der Freiheit

Trailer zum Buch

Links

Leseprobe (PDF) beim Verlag
Website zur Abaton Trilogie

Persönliche Bewertung

Hochspannung in einer intelligent erzählten Geschichte in ausgefallenem modernem Design

5 von 5

An diesem Buch fällt zunächst das außergewöhnliche und moderne Design auf, das gut zur Geschichte passt. Die Geschichte ist je nach Blickwinkel in verschiedenen Schriftarten gedruckt. Durch das ganze Buch ziehen sich Illustrationen in Form blauer Zeichen: Eine äußerst kreative Idee, die das Buch aufwertet. Die Schrift ist jedoch nicht sehr augenfreundlich: was schön aussieht, ist für die Augen eher anstrengend zu lesen – nicht umsonst ist der Großteil der Bücher in der bekannten, vielleicht etwas langweiligen, aber augenfreundlichen Schrifttype mit Serifen gedruckt. Schriften ohne Serifen und Fonts, die an alte Schreibmaschinen erinnern, sind für kurze Texte annehmbar, bei längeren Texten hätte man sich doch etwas unkreativere aber dafür besser zu lesende und vielleicht auch etwas größere Schrift gewünscht.

Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, was dem Leser einiges an Aufmerksamkeit abverlangt. Verschiedene Handlungsstränge verweben sich im Laufe des Buches zu einem Gesamtzusammenhang, der sich erst recht spät vollständig erschließt. Dieser geschickte Aufbau sorgt dafür, dass sich der erste Band der Abaton-Trilogie von der ersten bis zur letzten Seite äußerst spannend liest. Gleichzeitig ist dieses Buch keine seichte Lektüre; nichts, was sich so „nebenbei“ liest. Der eine oder andere Leser dürfte sich mit der anfänglichen Verwirrung etwas überfordert fühlen; wer der Handlung jedoch folgen und sich selbst in Geduld üben kann, wird mit einer intelligenten, anspruchsvoll erzählten und vielschichtigen Geschichte belohnt.

Die Charaktere der Geschichte zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass die Autoren den Jugendlichen eine Tiefe verleihen, indem ihre Verhaltensweisen und Eigenheiten in ihrer Geschichte, in ihren persönlichen Erlebnissen und Traumata begründet werden. Dabei zeigt sich die psychologische Tiefe erst im Laufe des Buches. Während zum Beispiel Edda zu Beginn ein normales, oberflächliches und zickiges Teenagermädchen zu sein scheint, enthüllt die Geschichte zunehmend ihre Beweggründe für ihre belanglosen Interessen und ihren Fokus auf Äußerlichkeiten. Eddas Wandlung im Laufe der Geschichte ist sowohl überzeugend als auch interessant.

Ein weiteres Beispiel ist Simons Umfeld: Seit sein Vater ins Gefängnis musste, wohnt er mit seiner modernen Mutter und ihrem afrikanischen Freund in einem multikulturellen Umfeld. Die Autoren zeigen an diesem Beispiel die Probleme der Multikulti-Gesellschaft, die bei allem guten Willen nicht ignoriert werden können. Und das vollkommen ohne fremdenfeindliche Ideologie; ganz im Gegenteil: Sie zeigen am Einzelbeispiel von Mumbala, dem Freund von Simons Mutter, wie persönliches Schicksal, Enttäuschung und Chancenlosigkeit zu Drogen, Verbrechen und anderen typischen Problemen führen können. Natürlich kann in einem Thriller nicht die Frage geklärt werden, was sich gegen dieses Problem tun lässt, dass die Geschichte ein Bewusstsein dafür schafft, was schiefläuft, ist jedoch ein erster Schritt.

Auch die Idee und Philosophie hinter GENE-SYS sind alles andere als oberflächlich, doch natürlich soll an dieser Stelle nichts darüber verraten werden. Insgesamt werden schon im ersten Band so viele interessante Charaktere vorgestellt, dass man den zweiten Band schon allein wegen ihnen herbeisehnt. Bobo, der Ex-Knacki, der in Zügen wohnt (denn eine Bahncard 100 ist günstiger als eine Wohnung) und Menschen Geschichten verkauft, die er nicht als Lügen ansieht, sondern als Dienstleistung, die den Menschen gut tun: „Hast du kein Scheißgefühl, wenn du sie belügst ud mit ihren Gefühlen spielst? Und ihnen dann auch noch das Geld aus der Tasche ziehst?“ – „Alles hat seinen Preis! Ich erwecke gute Gefühle in ihnen, die sie ohne mich nicht hätten. Wie viel Kohle bezahlen die Menschen für Filme?“… das Leben ist nicht so schwarz-weiß, wie es manchmal aussehen mag, mindestens diese Erkenntnis weckt Abaton in seinen Lesern und das auf vielfältige Weise.

Fazit

Eine anspruchsvolle, hochspannende Geschichte für Jugendliche und Erwachsene, die auf einer düsteren aber faszinierenden Vision aufbaut. Intelligent gestrickte Charaktere mit psychologischer und soziologischer Tiefe und eine zeitgemäße, bildhafte Sprache sorgen für höchsten Lesegenuss, der einzig durch die für die Augen recht anstrengenden Schriften getrübt wird.

ISBN10
3939435384
ISBN13
9783939435389
Dt. Erstveröffentlichung
2011
Gebundene Ausgabe
400 Seiten
Empfohlenes Lesealter
Ab 14 Jahren