28 Tage lang

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Kindler Verlag

Zusammenfassung zu “28 Tage lang”

1942, im Warschauer Ghetto. Die 16-jährige Jüdin Mira schmuggelt unter Einsatz ihres Lebens Essen, um ihre Familie durchzubringen. Sie hofft, ihrer zwölfjährigen Schwester Hannah ein besseres Leben bieten zu können. Seit der Vater Selbstmord begangen hat und ihr Bruder Simon sich kaum noch bei der Familie blicken lässt, trägt Mira die Verantwortung. Ihr einziger Lichtblick im traurigen und brutalen Ghetto-Alltag ist ihr Freund Daniel, der sich liebevoll in einem Waisenhaus engagiert.

Doch die Lage spitzt sich immer mehr zu, als die SS ihre „Aktion“ startet, die offiziell als „Umsiedlung“ in den Osten bezeichnet wird. In Wahrheit werden tausende Menschen in die Konzentrationslager deportiert. Erst nach und nach verstehen einige Ghettobewohner, was mit ihnen geschieht. In dieser aussichtslosen Lage formiert sich ein Widerstand, der länger anhält, als es je jemand für möglich gehalten hätte: 28 Tage lang. Auch Mira entschließt sich zu kämpfen: an der Seite von Amos, der ihr seit einem Kuss, der ihr das Leben rettete, nicht mehr aus dem Kopf geht.

Wichtige Charaktere

  • Mira
  • Miras Mutter
  • Hannah
  • Simon
  • Daniel
  • Amos
  • Ruth
  • Ben Rothaar

Zitate

„Oft, wenn mich die Angst überwältigt, berühre ich die Oberfläche von etwas, um mich zu beruhigen: von Metallen, Steinen, Stoffen – egal, Hauptsache, ich merke, dass es noch etwas anderes auf dieser Welt gibt als meine Furcht.“

„Vorsichtig hielt ich mich nun mit beiden Händen an der Mauer fest, schob meinen Kopf vorsichtig über die Kante, um die Lage zu sondieren. Zwischen den Scherben und dem Stacheldraht hindurch sah ich auf die polnische Seite und begriff, dass ich Vollidiotin die Lage völlig falsch interpretiert hatte: Es hatte doch Schmuggler gegeben, die ich auf unserer Seite der Mauer hätte treffen sollen. Doch die hatten die Leiter hingeworfen und waren verschwunden, nachdem sie gesehen hatten, was ich nun selbst sah: Von überall her näherten sich bewaffnete deutsche Soldaten. Leise. Geordnet. Flink. Effizient.“

David Safier über seinen Roman „28 Tage lang“

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Leseprobe (PDF) beim Verlag

Persönliche Bewertung

Erschütternde Chronik eines außergewöhnlichen Widerstands

5 von 5

David Safier ist für seine lustigen Romane „Mieses Karma“, „Jesus liebt mich“ und weitere bekannt geworden. Nun schlägt er einen anderen Ton an, in einem Buch, das er nach eigenen Aussagen schon seit 20 Jahren schreiben wollte – auch, weil es mit seiner eigenen Geschichte zu tun hat. Mit „28 Tage lang“ beweist Safier, dass er auch ernst kann. Die Geschichte der fiktiven Mira, die durch den Nationalsozialismus viel zu schnell erwachsen werden muss, reiht sich in die Schlange der vielen Romane, die Schicksale von NS-Opfern festhalten. Und doch ist „28 Tage lang“ anders, da neben der Hilflosigkeit der Juden besonders deren Kampfgeist in den Vordergrund gestellt wird. Im Angesicht des Todes schaffen Hunderte vor allem junge Menschen das Unmögliche, nämlich der Übermacht der deutschen Soldaten zu trotzen. Der Roman wirft damit universelle Fragen auf: Zu welchen Taten, guten und bösen, ist ein Mensch fähig, wenn er um sein oder das Überleben anderer kämpft? Wo gewinnt Egoismus die Überhand, wo die Bereitschaft, sein Leben für andere zu opfern?

Mira durchlebt exemplarisch die Entwicklung eines jungen Menschen in einer unmenschlichen Umgebung, der sich entscheiden muss, was für ein Mensch er sein will. Somit hat die Geschichte, die Safier erzählt, auch über den Zweiten Weltkrieg hinaus große Relevanz. Die Protagonistin verkörpert den unbändigen Wunsch eines Teenagers nach Leben, der trotz allen Elends nicht ganz verloren geht. Sie träumt von New York, von Liebe, möchte an Blumen riechen, in der Badewanne entspannen und ins Kino gehen. Somit trifft es die Formulierung im Klappentext, „28 Tage, um eine Legende zu werden“, nicht ganz: Mira will keine Heldin oder Märtyrerin sein, nur leben. Doch diese Dramatisierung ist zu verzeihen.

„28 Tage lang“ ist allerdings nicht nur Kriegs-, sondern auch zu großen Teilen eine Liebesgeschichte. Mitten im Chaos und in ständiger Lebensgefahr ist Miras Herz hin- und hergerissen zwischen dem warmherzigen Daniel und dem kämpferischen Amos. Für wen sie sich entscheidet, ist eng verknüpft mit der zentralen Frage, was für ein Mensch Mira sein will. Die romantischen Szenen im Roman werden an keiner Stelle zu kitschig. Sie führen in ihrem Kontrast zu den Kampfszenen dem Leser einmal mehr die Unmenschlichkeit des Krieges vor Augen.

Die Geschichte fesselt, bewegt und erschüttert. Sie wirkt weder unter-, noch übertrieben, sondern sehr realistisch, sodass es schwerfällt, mit dem Zuklappen des Buches sofort in den Alltag überzugehen und zu akzeptieren, dass man nicht weiterlesen kann. Dass sich dieses „Loch“ nach dem Lesen auftut, spricht für den Roman. Wie sehr der Leser von „28 Tage lang“ mitgenommen wird, hängt zwar auch davon ab, wie sehr er an brutale und traurige Geschichten gewöhnt ist – doch spätestens, wenn der Autor im Interview am Ende des Buches schildert, welche Episoden realen Gegebenheiten entsprechen, kann es niemanden mehr kalt lassen.

Der Roman ist der Jugendbuchabteilung zugeordnet und hat dort auch seine Berechtigung – es sollte allerdings beachtet werden, dass der Roman einige sehr grausame Szenen enthält und besonders junge Leserinnen und Leser, die das Gelesene nicht einordnen können, damit nicht allein gelassen werden sollten.

Fazit

In „28 Tage lang“ erzählt David Safier die bewegende Geschichte einer jungen Protagonistin, die, während sie die schrecklichsten Erfahrungen macht, entscheiden muss, was für ein Mensch sie sein will. Es ist ein Roman, der sowohl reale Geschehnisse aufgreift, als auch grundlegende Fragen des Menschseins zur Diskussion stellt und deshalb absolut lesenswert ist.

ISBN10
3463406403
ISBN13
9783463406404
Dt. Erstveröffentlichung
2014
Gebundene Ausgabe
416 Seiten